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Wirtschaft

Haben die Rötzer Ziegel Zukunft?

Johannes Edmüller ist Präsident der Bayerischen Ziegelindustrie. Sein Produkt aus Rötz soll absolut klimaneutral werden.
Von Elisabeth Angenvoort

Johannes Edmüller Foto: Anita AIGNER
Johannes Edmüller Foto: Anita AIGNER

Rötz.Wir haben Johannes Edmüller, den Chef des Rötzer Ziegelwerks und Präsidenten der Bayerischen Ziegelindustrie, zum Interview getroffen. Im Interview spricht er über den Erfolg seiner Produkte und seine Verbundenheit zu Rötz.

Herr Edmüller, Sie stehen in dritter Generation an der Spitze eines Familienunternehmens mit fünf Standorten und 380 Mitarbeitern. Für die Region gehören Sie zu den wichtigsten Arbeitgebern. Woher nehmen Sie Ihre Motivation und Energie?

Motivation und Energie kommen von alleine, wenn ich mitbekomme, wie viele Familien wir täglich mit unseren Ziegelhäusern glücklich machen, und das schon über Generationen. Besonders schön finde ich es, wenn auf Messen Großeltern mit den Kindern und Enkeln an den Stand kommen und schwärmen, wie wohl sie sich in ihrem vor 30 oder 40 Jahren erbauten Poroton-Ziegelhaus fühlen.

Im November 2014 konnten Sie für das Werk in Rötz den Mittelstandspreis entgegennehmen. Anlässlich einer Werksbesichtigung sprachen Sie von Rötz als Ihrem „Lieblingsstandort“. Was verbindet Sie mit der Stadt?

Seit 2003, also nun seit mittlerweile 16 Jahren, ist die Ziegelei hier in Rötz ein unverzichtbarer Bestandteil der Schlagmann-Werke. In diesen Jahren habe ich die Mitarbeiter und die Bevölkerung kennen und schätzen gelernt. Gerade das hohe Maß an Loyalität, die Einsatzbereitschaft und die Heimatverbundenheit gefallen mir an den Menschen hier in der Region sehr. Man spürt dies auch an den positiven Unternehmensergebnissen, die die Ziegelei in Rötz erwirtschaftet.

Vor 20 Jahren ging Ihr Unternehmen durch die Entwicklung eines neuartigen Baustoffes in die Ziegel-Geschichte ein: Der perlitgefüllte Ziegel kam auf den Markt. Was macht den Ziegel von heute energie- und ressourceneffizienter als vor 30 Jahren?

Ja, wir waren die Erfinder des gefüllten Ziegels. Das beweist auch das Deutsche Patent für den perlitgefüllten Ziegel aus dem Jahr 1998. Dies war sicherlich ein absoluter Meilenstein. Mittlerweile füllen nahezu alle Ziegelhersteller ihre Ziegel mit Dämmstoffen. Unser Unternehmen prägt seit vielen Jahrzehnten die Mauersteinindustrie. So waren wir es, die den beidseitig geschliffenen Poroton-Planziegel in Deutschland eingeführt oder Ende der 60er Jahre die Umstellung zum Großblockziegel vorangetrieben haben. Der Ziegel von heute ist im Vergleich zu früheren Zeiten ein absolutes Hightech-Produkt. Nicht nur die Füllung – bei uns ist sie aus rein mineralischem Perlit, einem Gestein vulkanischen Ursprungs – sondern auch Materialzusammensetzung, Anordnung und Dicke der Ziegelstege werden optimiert. Deshalb haben wir vor vier Jahren ein eigenes Forschungszentrum Ziegel eröffnet, in dem unsere 15 Ingenieure und Techniker zum Beispiel mit der TH Deggendorf zusammenarbeiten.

„Das Haus der Zukunft wird mit Sicherheit auch ein Ziegelhaus sein.“

Johannes Edmüller, Unternehmer

Ihr Unternehmen verfolgt eine Klimastrategie, die auf drei Säulen beruht: erstens Energiesparen; zweitens grüner Strom durch Photovoltaik in den ehemaligen Tongruben in Rötz; drittens Kompensation der restlichen Kohlenstoffdioxid-Mengen durch Kauf von Gutschriften. Wie funktioniert dieser Ausgleich konkret?

Seit 2011 beschäftigen wir uns mit unserem Langfristziel der klimafreien Ziegelproduktion. Allerdings sind wir noch nicht ganz am Ziel. Deshalb kompensieren wir trotz all unserer Anstrengungen die wenigen restlichen CO2-Mengen. Das heißt, wir kaufen aus zertifizierten Klimaschutzprojekten CO2-Maßnahmen ein, die unsere CO2-Produktionsmengen ausgleichen. Dies ist ein zertifizierter, vom TÜV Nord geprüfter Prozess.

2010 gründeten Sie mit Ihrer Frau die Schlagmann-Edmüller-Stiftung, um insbesondere regionale Projekte zu unterstützen. Gibt es im Landkreis Cham ein Projekt, das derzeit durch Ihre Stiftung gefördert wird?

Mit unserer Stiftung konnten wir in den letzten Jahren einiges für notleidende Menschen und auch bei Tierschutzprojekten bewirken. Auf unserem Sommerfest in Zeitlarn konnten wir die stolze Summe von 12.000 Euro einsammeln und diese an drei Projekte verteilen. Unter anderem erhielt die Kinderkrebshilfe Rottal-Inn einen Scheck von 4000 Euro. Auch in Cham haben wir bereits die Initiative des Landrats „Menschen in Not“ unterstützt. Es gibt hier viele Schicksalsschläge, die wir lindern konnten. Kürzlich konnten wir einer Frau, der beide Beine amputiert wurden, zum Kauf eines rollstuhlgerechten Autos verhelfen. Oder einer Familie mit drei Kindern, die gerade ein Haus gebaut hatten, als der Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, entsprechende Unterstützung geben.

Die Schlagmann-Edmüller Stiftung lobt jedes Jahr Förderpreise aus: für besondere Leistungen im Rahmen der Gesellen- oder Meisterprüfung. Wie wirkt sich das auf den Fachkräftemangel am Bau tatsächlich aus?

Wir unterstützen im Jahr über 25 Bau-Innungen, Meisterschulen und Technikerschulen, mit denen wir in Zusammenarbeit Geldpreise zur Förderung des Maurernachwuchses verteilen. In Summe sind es rund 40.000 Euro, die wir pro Jahr zur Förderung ausgeben. Den Fachkräftemangel am Bau können wir damit nicht stoppen, allerdings wird diese Belohnung guter Leistungen sowohl von den Innungen als auch von den Lehrern und Berufsschülern sehr positiv eingeschätzt. Darüber hinaus gibt es noch Unterstützungen wie zum Beispiel bei der Bau-Innung Cham mit einem Fahrzeug für den besten Azubi des Monats.

Inwiefern sehen Sie als Präsident des Bayerischen Ziegelindustrieverbandes die Chance, den Ziegel als nachhaltigen Baustoff stärker in das öffentliche Bewusstsein zu bringen?

Das neue Amt als Präsident der bayerischen Ziegelindustrie gibt mir die Chance, Mega-Themen wie zum Beispiel Klimawandel oder eben auch bezahlbaren Wohnraum aktiv mitzugestalten. Unter anderem gab es kürzlich ein Gespräch mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Aiwanger, in dem wir erörtert haben, dass wir die bayerische Ziegelindustrie, die für den Wohnungsbau mit ihrem hohen Marktanteil sehr wichtig ist, auf einen Klimaneutralitätsweg bringen wollen.

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