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Haltung in der Politik zeigen? Bitte!

Unser Autor Tilo George Copperfield hat eine klare Meinung dazu, wie Künstler sich in Wahlkampfzeiten verhalten sollten.
Von Tilo George Copperfield

Überall hängen in diesen Tagen Wahlplakate. Auch für einen Musiker wie Tilo G. Copperfield führt kein Weg daran vorbei, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Überall hängen in diesen Tagen Wahlplakate. Auch für einen Musiker wie Tilo G. Copperfield führt kein Weg daran vorbei, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Cham.Wahlplakate überall! Vollgepflasterte Straßen mit Slogans und Parteikandidaten, die um die Gunst der Bevölkerung werben. Die Zeitungen voll von politischen Debatten und in TV und Internet gibt es auch kein Entkommen vor der Politik. Es ist augenscheinlich: Wir befinden uns mitten im heißen Wahlkampf! Und immer wieder mischen sich auch Musiker ein.

Sie vertreten ihre Meinung zum politischen Geschehen und auf den Fuß folgt dann auch die Kritik: Musiker sollen sich doch gefälligst nicht einmischen. Sie sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren und nicht die Heerscharen an Fans mit ihren Aussagen beeinflussen und manipulieren. Also was ist denn nun richtig? Sollen Künstler eine klare Haltung zeigen und diese kundtun oder nicht?

Berechtigte Interessen

Ich sage ja! Denn auch wir Musiker und Künstler haben berechtigte Interessen. Aber dazu muss ich ein wenig ausholen. Die Musik, die mich bewegt, hat im Kern drei Eckpfeiler, die es zu verteidigen gilt: Freiheit, Gleichheit und Frieden! Freiheit, weil Rock- oder Popmusik nur dort funktioniert und erlaubt ist, wo es freie Meinungsäußerung gibt. Oder wie viele berühmte Rockbands kennen wir aus Nordkorea, China oder Afghanistan?

Musiker und Gastautor Tilo G. Copperfield  Foto: Carmen Wiendl
Musiker und Gastautor Tilo G. Copperfield Foto: Carmen Wiendl

Musik ist eine mächtige Stimme der Unterdrückten. Dort, wo Unfreiheit herrscht, gibt sie Hoffnung und kann dazu beitragen, Veränderungen herbeizuführen. Gleichheit, weil sich Musik nur dort weiterentwickeln kann, wo es möglich ist, das kreative Potenzial aller zuzulassen. Hätte man nicht die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten abgeschafft, es gäbe keinen Blues, damit keinen Rock and Roll, keinen Hip-Hop, Funk oder nicht mal guten Jazz.

Das wäre also eine ziemlich langweilige Musikwelt, beherrscht von Blaskapellen, klassischer Musik und Schlagerbarden. Gleichheit ist Vielfalt, und Vielfalt entwickelt nicht nur die Musik weiter, sondern die gesamte Gesellschaft. Hautfarben, Geschlechter, Religionen, Weltanschauungen. Am Ende atmen wir alle dieselbe Luft.

„Gitarren statt Waffen, Argumente statt Gewalt, Liebe statt Hass. Das ist der Grundgedanke einer humanistisch geprägten Gesellschaft.“

Tilo G. Copperfield

Und warum Frieden? Die pazifistische Bewegung des gewaltlosen Widerstandes eines Martin Luther King oder Mahatma Gandhi waren die Vorboten einer Friedensbewegung, die sich mit dem Woodstock Festival 1969 ihr großes Symbol geschaffen hat. Gitarren statt Waffen, Argumente statt Gewalt, Liebe statt Hass. Das ist der Grundgedanke einer humanistisch geprägten Gesellschaft. Und der Soundtrack dazu stammt von Jimi Hendrix, John Lennon oder Neil Young.

Aber auch von harten Bands wie Metallica. Letztere Band war für mich überhaupt der Grund, wieso ich selber Musik spielen wollte. Im Video zu „One“ wird die Geschichte eines vom Krieg schwer gezeichneten Soldaten erzählt, der Beine, Arme, Sprache, Seh- und Hörfähigkeit verloren hat. Ein eindrucksvolles Statement gegen den Krieg. Zumindest für mich damals. Diese Botschaft hat sich für immer in mir festgesetzt: Meine Helden sind gegen den Krieg!

Kolumne

Der Algorithmus, bei dem man mit muss

Wie werden die Menschen 2030 Musik konsumieren – und von wem stammt sie? Vom Computer oder einem leibhaftigen Komponisten?

Aber zurück zum Thema: Dürfen sich Musiker einmischen in Debatten um gesamtpolitische Themen? Die Flüchtlingsfrage, die Diskussion über die Verteilung von Vermögen, Ungleichheit in der Gesellschaft, Datenschutz…? Aus meiner Sicht: ja! Sie müssen die drei Eckpfeiler ihrer „Partei“ verteidigen. Ich wiederhole mich: Freiheit, Gleichheit, Frieden.

Ein Nein zu Donald Trump

Ich finde es vollkommen okay, wenn Neil Young seinen Song „Rockin’ in a free world“ eben nicht im Wahlkampf von Donald Trump hören möchte. Denn Trumps Weltbild ist gezeichnet von Ungleichheit. Er sagt: „Es gibt Menschen , die mehr wert sind als andere“. Und ich finde es auch vollkommen in Ordnung, wenn sich die Toten Hosen oder die Ärzte gegen Gewalt von Rechts einsetzen. Weil Gewalt bedroht den Frieden. Übrigens tut das Gewalt von Rechts ebenso wie von Links. Und schlussendlich bin ich auch absolut damit einverstanden, wenn es Auflehnung gibt, weil Zensur angedroht wird in einer freiheitlichen Gesellschaft, an der unsere Eltern und Großeltern so hart gearbeitet haben.

Wir Musiker, Songwriter und Künstler haben einen Auftrag: Wir müssen daran mitarbeiten, diese unsere Gesellschaft weiterzuentwickeln. Wir dürfen und müssen aufstehen, wenn uns irgendwer mit überkommenen Einstellungen wieder ins Mittelalter zurückversetzen will. Und DAS wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Haltung? Ja bitte!

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