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Handy am Steuer: Warum Tippen tötet

Die Polizei klärt über unterschätzte Ablenkungsfaktoren im Straßenverkehr auf – und stößt bei den Bürgern auf offene Ohren.
Von Bastian Schreiner

Die Polizei warnt vor wachsenden Unfallgefahren durch Handys am Steuer. Der Bundesrat hat nun deutlich höhere Strafen beschlossen. Foto: dpa
Die Polizei warnt vor wachsenden Unfallgefahren durch Handys am Steuer. Der Bundesrat hat nun deutlich höhere Strafen beschlossen. Foto: dpa

Roding.Telefonieren, eine Nachricht schreiben oder das Fahrziel ins Navi eintippen: Am Steuer können bereits Sekunden der Unachtsamkeit tödliche Unfälle zur Folge haben. Deshalb macht die Rodinger Polizei auf die große Gefahr von Handynutzung im Straßenverkehr aufmerksam und ruft zu einem verantwortungsbewussten Verhalten auf.

„Wer am Steuer E-Mails checkt oder in WhatsApp schreibt, riskiert nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das anderer Verkehrsteilnehmer“, betont stellvertretender Dienststellenleiter André Schramm. Eine kurze Ablenkung genüge, um erst verspätet zu reagieren. Die Vorstellung, Multitasking könne im Straßenverkehr problemlos funktionieren, treffe nicht zu. Nicht nur die Nutzung von Smartphone oder Tablet, sondern auch Stress und Emotionen seien nicht zu unterschätzende Ablenkungsfaktoren.

Zweithhäufigste Unfallursache

Wer nur eine Sekunde auf sein Handy blickt, während das Fahrzeug mit 50 Stundenkilometern unterwegs ist, fährt 15 Meter im Blindflug. Dadurch verlängert sich der Anhalteweg im Vergleich zur konzentrierten Fahrt um 15 Meter. „Und dann kann es schon zu spät sein...“, so Schramm. Inzwischen sei seinen Angaben zufolge Ablenkung im Straßenverkehr nach Alkohol die zweithäufigste Unfallursache. „Tippen tötet“, macht er ganz plakativ deutlich.

Die unterschätzte Gefahr

  • Handy:

    Knapp die Hälfte aller Autofahrer nutzt ihr Mobiltelefon während der Fahrt. 15 Prozent der Smartphone-Nutzer schreiben, 24 Prozent lesen Textnachrichten am Steuer. 40 Prozent aller Fahrer bedienen ihr Navigationssystem während der Fahrt. Beim Fahren durchlebt knapp die Hälfte der Autofahrer auch wütend machende und belastende Gefühle.

  • Ablenkung:

    Die Hälfte der Fahrer isst und trinkt oder sucht, greift und bückt sich beim Fahren nach Gegenständen. Über 40 Prozent der Befragten richten sich erst beim Fahren Gurt, Sitz und Spiegel ein. Mit der Wegesuche sind beim Fahren zwei Drittel beschäftigt. Zwei Drittel kennen gedankliche Ablenkung beim Fahren.

  • Quelle: Allianz Zentrum für Technik

Auf diese Entwicklung reagiert auch der Gesetzgeber. Die geplanten Gesetzesverschärfungen im Straßenverkehr hat der Bundesrat vor kurzem beschlossen. Dabei wurden drastisch höhere Bußen für Smartphones am Steuer beschlossen. Das lange bestehende Handyverbot, das vielfach missachtet wird, wurde verschärft.

Zu den Details: Wer während der Fahrt mit dem Handy in der Hand ertappt wird, muss künftig 100 Euro statt 60 Euro bezahlen. Zusätzlich gibt es dafür weiterhin einen Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. Kommt es in der Folge zu einer Sachbeschädigung drohen 200 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. „Auch Fahrradfahrer sind davon nicht ausgeschlossen“, lässt Schramm wissen. Die Radler müssen 55 Euro statt wie bisher 25 Euro berappen, wenn sie mit dem Handy in der Hand erwischt werden.

„Zudem lenken emotionale Gespräche mit dem Beifahrer oder der Griff in das Handschuhfach ab und führen zu einem fehleranfälligen Fahrverhalten“, sagt der Polizeibeamte. Selbst Körperpflege oder Essen und Trinken während der Fahrt wirken sich auf die Konzentration aus.

Polizei sensibilisiert Bürger

Stellvertretender Dienststellenleiter André Schramm (r.) und Verkehrserzieherin Sabine Rasch klären die Bürger an Info-Ständen auf. Foto: Schreiner
Stellvertretender Dienststellenleiter André Schramm (r.) und Verkehrserzieherin Sabine Rasch klären die Bürger an Info-Ständen auf. Foto: Schreiner

Die Bürger, die sich an den Aufklärungs-Ständen in Roding und Stamsried informierten, hätten alle von der Problematik gehört. „Als Mitarbeiter im Außendienst bin ich auf das Telefon im Auto angewiesen“, meinte eine Dame. Ein älterer Herr merkte an, dass die Fahrzeuge selbst voll mit modernster Technik ausgerüstet seien, die Ablenkung also vorprogrammiert.

Vom Anfänger bis zum 50-jährigen Fahrer – das Thema betreffe fast alle Generationen, sagt André Schramm. Überwiegend stießen die Polizisten jedoch auf offene Ohren. Die Bürger versicherten die SMS künftig erst Zuhause zu lesen oder zum Telefonieren anzuhalten. „Letztendlich sind die Leute selbst verantwortlich, wir können nur sensibilisieren und auf die Gefahren hinweisen“, so Schramm.

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