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Gesundheit

Hantavirus schlägt im Landkreis Cham zu

Vier Menschen haben sich bereits im Landkreis Cham mit dem Hantavirus infiziert. Das kann im schlimmsten Fall tödlich sein.
Von Philipp Breu

Diese Rötelmaus kann das Hantavirus hauptsächlich übertragen. Foto: Kimmo Taskinen/dpa
Diese Rötelmaus kann das Hantavirus hauptsächlich übertragen. Foto: Kimmo Taskinen/dpa

Cham.Fieber, Gliederschmerzen, Bauchweh. Wer diese Symptome verspürt, denkt zunächst wohl an eine harmlose Grippe. Doch hinter diesen Anzeichen kann ein Erreger stecken, der schlimmstenfalls sogar zum Tode führen kann: das sogenannte Hantavirus. Übertragen wird es durch Mäusekot – und mit diesem kommt man schneller in Berührung als gedacht. Auch im Landkreis ist das gefährliche Virus auf dem Vormarsch. Im Vergleich zum vergangenen Jahr stieg die Zahl der Infektionen deutlich an.

Stand September 2019 haben sich bereits vier Landkreisbewohner mit dem Erreger angesteckt. 2018 gab es keinen einzigen Fall. Dafür sind vor zwei Jahren ebenfalls vier Menschen infiziert worden. „Dass die Zahlen aus den vergangenen Jahren so schwanken, hängt mit der Population der Rötelmäuse zusammen“, erklärt Dr. Albert Eisenreich. Er ist der Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis. Gibt es in einem Jahr viele der kleinen Nager mit Knopfaugen und dem rötlich-braunen Fell-mit weißem Bauch, wirkt sich das auch auf die Zahl der Hantavirus-Infektionen aus.

Zwei Arten in Deutschland bekannt

In Deutschland sind laut dem Robert Koch Institut (RKI) zwei krankheitsauslösende Hantavirus-Arten bekannt: das Puumalavirus und das Dobrava-Belgrad-Virus. Die Erste wird von der Rötelmaus übertragen und konzentriert sich auf Nordwest-, West- und Süddeutschland. Für die Zweite ist die Brandmaus hauptsächlich verantwortlich. Diese ist vor allem in den nördlichen und östlichen Regionen Deutschlands beheimatet.

Dr. Albert Eisenreich ist Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis. Foto: Schiedermeier
Dr. Albert Eisenreich ist Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis. Foto: Schiedermeier

In Bayern dominiert das Virus vom Serotyp Puumala, das in der Regel einen deutlich leichteren Verlauf nimmt. „Dennoch sollte man auch das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt Eisenreich. Auch diese Virus-Art könne zum Tod führen.

Erst vor wenigen Tagen sorgte der womöglich erste Todesfall in Bayern in Verbindung mit dem Hantavirus für Schlagzeilen. Ein junger Mann aus dem Landkreis Passau hatte sich vor seinem Tod infiziert. „Ob die Hantavirusinfektion allerdings zum Tod beigetragen hat, konnte nach derzeitigem Stand nicht abschließend geklärt werden „und wird womöglich auch in Zukunft ungeklärt bleiben“, heißt es vonseiten des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Ist ein Betroffener mit dem Hantavirus angesteckt, dauert es in der Regel zwei bis vier Wochen, bis die ersten Symptome auftreten – falls sie auftreten. Häufig verläuft die Krankheit so leicht, dass sie der Infizierte gar nicht oder nur kaum bemerkt.

So sehen die Viren unter einem Mikroskop aus. Foto: Hans Gelderblom/RKI/dpa
So sehen die Viren unter einem Mikroskop aus. Foto: Hans Gelderblom/RKI/dpa

Andernfalls machen sich zunächst Krankheitsbilder bemerkbar, die stark einer herkömmlichen Grippe ähneln. Betroffene klagen über Fieber, Schüttelfrost, Rachenrötung oder Husten sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen. Im weiteren Verlauf können Blutdruckabfall und schließlich Nierenfunktionsstörungen bis hin zum akuten Nierenversagen auftreten. Sehr selten wirkt sich die Erkrankung auch auf die Lunge aus oder verursacht deutlich sichtbare, äußere Blutungen.

Ansteckung bleibt oft unerkannt

Das Tückische an dem Erreger: Häufig verläuft ein großer Teil der Hantavirus-Erkrankungen nicht nach einem bestimmten Muster ab. „Jeder Betroffene, der sich diesen Virus eingefangen hat, reagiert darauf anders“, erklärt Eisenreich. Oft werde eine Ansteckung deshalb nicht frühzeitig erkannt. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht. Auch ein Impfstoff wurde noch nicht entwickelt. Somit ist die Vorbeugung ein wichtiger Schritt, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Meistens führt der Kontakt mit Ausscheidungen der Rötelmaus zu einer Infektion. In seltenen Fällen kann auch ein Biss die Ursache dafür sein. Die infizierte Maus hinterlässt mit Speichel, Kot oder Urin die Viren in ihrer Umgebung, die der Mensch dann über aufgewirbelten Staub aufnimmt. „Das kann schon beim einfachen Hausputz passieren“, sagt Eisenreich.

Mit diesen Mitteln können die Nager aus dem Haus vertrieben werden:

Gerade in Schuppen, Kellern, Dachböden oder Garagen ist erhöhte Vorsicht geboten. Hier finden die Rötelmäuse oft Unterschlupf. Der Leiter des Gesundheitsamtes empfiehlt, bei Aufräumarbeiten in diesen Bereichen Handschuhe und auch einen Mundschutz zu tragen und sich anschließend gründlich zu duschen sowie die Arbeitskleidung zu waschen. Des Weiteren sollten tote Mäuse und Exkremente sicher beseitigt werden.

In der Regel sind die Symptome einer Hantavirus-Infektion gut zu behandeln und Betroffene tragen meist keine Spätfolgen davon. Dennoch sollte man bei Verdacht einer Infektion umgehend einen Arzt aufsuchen, denn „wenn man dann auf einmal auf der Intensivstation liegt, ist das Ganze kein Spaß mehr“, sagt Eisenreich.

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