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Brauchtum

Hetzenbacher feiern Leonhardi

Die Menschen trafen sich in der Kirche und am Standmarkt. Das Miteinander stand ebenso im Fokus wie die Tradition.
Sigismund Fuchs

Die Pferde standen am Leonharditag ebenso im Mittelpunkt wie der jährliche Standmarkt. Fotos: Sigismund Fuchs
Die Pferde standen am Leonharditag ebenso im Mittelpunkt wie der jährliche Standmarkt. Fotos: Sigismund Fuchs

Zell.Im traditionsbewussten Bayern gilt der Namenstag des Heiligen Leonhard als einer der höchsten Feiertage. Ihm zu Ehren sind vielerorts Leonhardiritte organisiert. Nicht nur, weil das Fernsehen an diesem Tag in Hetzenbach weilte, kamen so viele Besucher.

Viele Oldtimer-Autos und -Bulldogs waren gekommen, tuckerten bei der Rundfahrt durchs Dorf und sorgten für Nostalgie auf vier Rädern. Sie gehören mittlerweile zum festen Bestandteil des Leonhardi-Festes im Ort. Die betagten fahrbaren Untersätze auf dem Festgelände standen in Reih’ und Glied, waren größtenteils mit Liebe zum Detail wunderschön restauriert. So wurde unter anderem ein Imperial Baujahr 1957 bewundert, ebenso ein Cadillac aus dem Jahr 1975 und viele Bulldogs wie ein alter Hanomag, ein Deutz aus dem Jahr 1958, ein Kramer 1957 oder ein Magirus Deutz aus dem Jahr 1957. Die Blaskapelle Zell begleitete die Feierstunde. Sie führte auch die Rundfahrt der Oldtimer an und sorgte für den richtigen Tritt.

Feierliche Andacht

Oldtimer standen traditionsgemäß beim Leonhardiritt bereit.
Oldtimer standen traditionsgemäß beim Leonhardiritt bereit.

Nach der Nachmittagsandacht, bei der Votivtiere den Segen erhielten, traten die beiden Geistlichen auf die Bühne. Nach einem kurzen Regenschauer blickte auch einmal die Sonne durch. Ein Grußwort vor der Pferdesegnung sprach der Vorsitzende des Leonhardivereins, Karl Kotz. Dekan Ralf Heidenreich bekam Verstärkung von Pfarrer Breitschaft. Dieser nahm die Segnung von Ross und Reiter vor, die das Leonhardibrot neben der Plakette erhielten.

Es gehöre einfach von Alters her dazu, den Standmarkt rund um die Kirche und den Pferderitt zu besuchen, sagte Kotz beim Pferdeumritt und der Pferdesegnung zu den Wallfahrern und Verehrern des Hl. Leonhards in Hetzenbach. Er freute sich, dass wieder so viele Gäste gekommen sind und in Hetzenbach das Leonhardi-Fest feiern wollen.

Ein besonderer Gruß galt allen Reiterinnen und Reitern auf der Festwiese und allen Fahrzeughaltern der Oldtimer auf dem Festplatz. Zusammen mit allen Leuten freute er sich wieder über die Pferde, ebenso über die Oldtimer-Fahrzeuge und die alljährliche Teilnahme am Leonhardi-Fest.

Wie die meisten wissen, sei der Leonhardi-Tag seit Menschengedenken ein Höhepunkt im Jahresablauf. Nicht nur die „Hetzenbecker“ und die Bewohner aus den umliegenden Dörfern besuchen jährlich die Wallfahrtskirche St. Leonhard und erweisen dem Kirchenpatron die Ehre. Auch für viele aus fernen Orten, sei es eine Selbstverständlichkeit, hierher zu kommen. Möglicherweise hätten diesmal noch mehr Gäste das Dorf aufgesucht, weil das Bayerische Fernsehen da war und über das Brauchtum berichtete.

Das war Leonhardi in Hetzenbach

Seit dem Jahr 1983 gibt es den Pferderitt. Der Festwagen des Leonhardi-Vereins mit den Ehrenvorsitzenden und langjährigen Vereinsmitgliedern führte den Festzug an. Der Umzug begann an der Wallfahrtskirche, führte durch den Ort und schließlich wieder zurück.

Die Patroziniumsfeier am vergangenen Sonntag bewies erneut, dass der Heilige Leonhard auch in unserer Zeit nichts an Aktualität verloren hat. Eine große Resonanz gab es am traditionellen Standmarkt nach dem Gottesdienst. Ein typischer Novembertag zeigte sich, als die Glocken zum gemeinsamen Festgottesdienst läuteten. Wie Dekan Heidenreich zu Beginn feststellte, kommen jedes Jahr viele Verehrer nach Hetzenbach, um den Gottesdienst in der Wallfahrtskirche zu feiern. So wurde es ein Tag der Begegnung.

In seiner Predigt ging Dekan Heidenreich auf den Einsiedler Leonhard ein, der im sechsten Jahrhundert lebte, um die Menschen auf den rechten Weg zu Gott zu führen. Eine Schatzkiste sei ihm eingefallen, mit einem ideellen Wert, die er als Kind hatte, „weil unser Herz dranhängt“. Wertvoll sei sie bestimmt nicht gewesen. Die Angst, alles zu verlieren sei anstrengend. Da reiche es schon, auf die Heiligen zu schauen. Zum Beispiel auf Leonhard, der ein Fürsprecher und Helfer war, der allen zeigte, was gut sei. Er bat ihn um seinen Beistand. Einen Schatz, den man nicht verliert, sei Gott, betonte er. Die Heiligen seien Vorbild, darum bitten wir sie um Fürsprache.

Zeit für Gespräche

Der Kirchenchor Zell gab der Feierstunde zudem eine besondere Note mit wunderbarem Gesang. Dekan Heidenreich ließ für den kräftigen und frischen Gesang in der Wallfahrtskirche ein „Vergelt’s Gott“ folgen, bevor er traditionell das Leonhardibrot segnete, das Familie Weber gebacken hatte. Das Leonhardibrot wurde abschließend an die Kirchenbesucher ausgeteilt und den Tieren daheim unter das Futter gemischt.

Die Rosswurst schmeckte den Besuchern.
Die Rosswurst schmeckte den Besuchern.

Geschäftiges Treiben herrschte ab den frühen Morgenstunden beim traditionellen Standmarkt zum Leonhardifest den ganzen Tag über. Eine heiße Rosswurst, Käse und eine große Breze waren bei den Besuchern gefragt. Die Marktbetreiber boten rund um die Hetzenbacher Wallfahrtskirche ihre Waren an. Eine breite Produktpallette gab es dort. So konnte man sich für den Winter eindecken. Von Geschenkartikeln, über Gewürze bis hin zu Haushaltsartikeln gab es alles. Ebenso war auch für die Kinder einiges geboten.

Der Leonhardiverein Hetzenbach war auch in diesem Jahr mit seiner Marktbude präsent. Dicht umlagert war der Stand den ganzen Tag über, an dem sich der Vorsitzende Karl Kotz und viele Gäste Zeit für ein Gespräch nahmen. Tradition ist auch, dass nach der inneren Einkehr die Einkehr in die gemütliche warme Hotelgaststätte folgte, wo die Blaskapelle aufspielte und das Essen schmeckte. (rsu)

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