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Landwirtschaft

Hier gibt es allein 40 Kräutersorten

Landrat Franz Löffler zeigt sich begeistert beim Besuch des Boierhofs und lobt Regionalität des Familienbetriebs.
Von Hans Schmelber

  • Landrat Franz Löffler, Alexander, Matthias, Julia und Regina Hausladenund Bürgermeister Hans Eichstetter begehen den Hof. Foto: Hans Schmelber
  • Wintergemüse wird geputzt Foto: Hans Schmelber

Willmering.Landrat Franz Löffler hatte schon bei der Begrüßung gesagt, dass er sich auf den Rundgang über den Boierhof freue und er zeigte sich auf der Besichtigungstour immer wieder begeistert vom Umfang der Anlagen, von der großartigen Diversifikation des Gemüse- und Obstanbaus und von den vielen Möglichkeiten, die ein zertifizierter Biobetrieb anwendet, um Chemie außen vor zu lassen.

Der Biohofladen und die angepflanzten Flächen erstrecken sich auf weit über 15 Hektar. Ganz neu aufgestellt sind jetzt drei Gewächshäuser von je rund 1000 Quadratmeter, die ohne Heizung auskommen, weil sie durch Doppelfolien entsprechend gedämmt sind. „Da bauen wir jetzt ab Ende Februar Gemüse an, wie Salate, Kräuter, von denen es am Boierhof übrigens über 40 Arten gibt, und im Sommer bis in den späten Herbst dann Tomaten, Auberginen, Paprika, Bohnen und dann noch Feldsalat und Spinat „, erklärt dazu Julia Hausladen.

Drei Generationen

Die Begrüßung übernahm vor dem Rundgang der Chef des Hauses, Alexander Hausladen, der auch gleich darauf hinwies, dass auf dem Boierhof drei Generationen leben, und dass die beiden jungen Hausladen, Julia und Matthias bereits die Betriebsführung innehaben. Wir freuen uns alle, dass es damit auf dem Boierhof weitergeht und wir keine Nachfolgeproblem haben, wie es in der Landwirtschaft öfter vorkommt“, so der Familienvorstand.

„Unsere Nachfolger sind nicht nur sehr fleißig, sondern auch sehr entscheidungswillig und setzten sich auch dementsprechend ein. Die Jungen haben den Hofladen gebaut und haben die Entwicklung, und alles, was die Vermarktung betrifft, in eine ganz andere Richtung gelenkt. Meines Erachtens war das auch die richtige Entscheidung für die Zukunft“, versicherte Alex Hausladen.

„Wir sind momentan in der Aufbauphase mit unserem Hofladen und haben das erste Gemüsejahr hinter uns“, berichtete Matthias Hausladen dann weiter. Unser Betrieb ist seit 1997 Naturlandbetrieb und anerkannt ökologisch und biozertifiziert und wir haben in diesem Bereich schon viel Erfahrung gesammelt. Mit dem Hofladen haben wir schon einen großen Schritt gemacht. Das ist eine große Aufgabe, aber auch ein Schritt in die Unabhängigkeit“, legte er noch nach.

Circa zehn Prozent des Gemüseanbaues werden über den Hofladen verkauft und 90 Prozent gehen in den Großhandel. Auch Rinder und Schweine aus eigenem Stallbetrieb werden zum Teil direkt vermarktet im Hofladen. Den betreiben Julia, die Mutter und der Bruder, und in der Landwirtschaft arbeiten drei Arbeitskräfte mit einem Festangestellten, Matthias als Betriebsleiter und ein Azubi. Auch Mama und Papa helfen immer mal mit. Reparaturen und Baumaßnahmen machen wir fast alles selber und können dadurch auch Dinge umsetzten, die sonst finanziell nicht machbar wären“, führte er noch aus.

An dieser Stelle lobte Landrat Franz Löffler den Familienbetrieb und bezeichnete die Hausladens als sehr fleißige Leute. „Wir haben zurzeit eine gesellschaftliche Debatte wie noch ganz selten zuvor, die sich mit dem Thema Landwirtschaft auseinandersetzt, und da prallen zum Teil schon sehr gegensätzliche Meinungsbilder aufeinander. Wir haben es dabei nicht leicht, das gut zu moderieren, stellte Landrat Löffler danach fest und sieht als Auslöser dafür die Entfremdung zwischen dem Hersteller des Produktes und dem Verbraucher. „Das hat sich über die Jahre immer weiter auseinanderdividiert“, meinte er und hatte auch einen Lösungsvorschlag.

Wissen, wo Nahrung herkommt

„Wir müssen diese beiden Bereiche wieder mehr zusammenführen. Ein Kind muss wissen, wo die Nahrung herkommt. Das muss auch wieder Teil des Unterrichts und somit der Bildung werden. Wir lernen alle möglichen Sachen, aber die Grundwerte des Lebens lernen wir nicht mehr. Damit fehlt auch das Gespür für die Nahrungsmittel und deren Produktion“, so Löffler.

Ein weiteres Problem sieht er bei der Globalisierung, weil Produktion und Verbrauch völlig auseinanderdriften. „Das, was bei uns auf dem Teller ist, spielt bei den vielen Handelsketten keine Rolle mehr, wo es herkommt. Spanien, Ägypten, Argentinien, Eu-Länder sind Lieferanten, obwohl das auch bei uns erzeugt und angebaut werden könnte. Das ist der zweite Teil einer Entfremdung. Eine Gurke, die im Winter und dann noch in Folie eingewickelt bei uns auf den Teller kommt, dürfte es eigentlich gar nicht geben“, folgerte dazu Franz Löffler.

„Ich bin sehr stolz, dass wir vor den Toren der Stadt Cham so einen Vorzeigebetrieb haben“, freute sich Willmerings Bürgermeister Hans Eichstetter.

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