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Geschichte

Hier kam sogar schon der Zar vorbei

Vor 25 Jahren wurden zwei besondere „Meilensteine“ in Waldmünchen eingeweiht. Diese waren ein Geschenk aus Tschechien.
Von Ingrid Milutinovic

Renate Weinzierl und Karlheinz Schröpfer erinnern (sich) nur allzu gerne an die Aktion „Meilensteine“, die sich am morgigen Dienstag zum 25. Mal jährt. Die Denkmäler sind immer noch deutlich zu sehen, wenngleich natürlich etwas eingewachsen. Foto: Milutinovic
Renate Weinzierl und Karlheinz Schröpfer erinnern (sich) nur allzu gerne an die Aktion „Meilensteine“, die sich am morgigen Dienstag zum 25. Mal jährt. Die Denkmäler sind immer noch deutlich zu sehen, wenngleich natürlich etwas eingewachsen. Foto: Milutinovic

Waldmünchen.Es ist wieder einmal gewesen wie schon so oft: Mitglieder des Museumsvereins sind nicht nur im Vereinsleben rührig, sie gehen auch privat immer mit offenen Augen durch die Heimat. So seinerzeit auch Hansjörg Schneider, der bei einer privaten Exkursion in der Tschechoslowakei alte Feldbegrenzungssteine entdeckte und den Fund sofort an Karlheinz Schröpfer, damals noch Vize-Vorsitzender des Museumsvereins, weitermeldete. In Erinnerung an die „gute alte Zeit“ hielten es nicht nur die beiden damals für eine gute Idee, zur Erinnerung an die Postlinie „Heidelberg – Prag“, deren letzte Station auf bayerischer Seite übrigens Waldmünchen war, zwei dieser Steine als Meilensteine wieder zu errichten. Das ist jetzt 25 Jahre her.

Meilensteine waren die Vorläufer der Kilometersteine. Als verkehrsgeschichtliche Flurdenkmäler gehören sie zu der Gruppe der Entfernungsmarken und zeigten über Jahrzehnte hinweg an Chausseen die Entfernung zu den nächsten Städten an.

Eine Menge Schreibarbeit

Vor der früheren Molkerei in Waldmünchen stand ein Meilenstein. Beides gehört der Vergangenheit an. Fotos: Archiv Schröpfer
Vor der früheren Molkerei in Waldmünchen stand ein Meilenstein. Beides gehört der Vergangenheit an. Fotos: Archiv Schröpfer

Karlheinz Schröpfer nahm die Sache in die Hand. Eine Menge Schreibarbeit wartete damals auf ihn, bis alles geklärt werden konnte, erzählt er im Rückblick. Die Nachbarn in Tschechien waren zwar sofort bereit, die Steine als Schenkung „im Rahmen zwischenstaatlicher Beziehungen“ an die Stadt Waldmünchen zu geben. Trotzdem blieb noch viel Arbeit. Eine Schenkungsbestätigung – auf Deutsch und Tschechisch verfasst – wurde erstellt und die steuerliche Behandlung musste geklärt werden.

Schröpfer profitierte für die Lösung dieser Frage von seinen beruflichen Kenntnissen des Zollrechts. Er wusste, dass „Geschenke im Rahmen zwischenstaatlicher Beziehungen“, ...die als Geschenk, als Zeichen der Freundschaft... von einer amtlichen Stelle... an eine amtliche Stelle... in das Zollgebiet der Gemeinschaft gerichtet werden...von den Eingangsabgaben befreit sind.“ (Allgemeines Zollrecht, Zollbefreiungsverordnung, Artikel 87/89).

Wissenswertes zu den Grenzsteinen

  • Charakter:

    Meilensteine sind verkehrsgeschichtliche Flurdenkmäler. Sie zählen zu den sogenannten Entfernungsmarken.

  • Geschenk:

    Als grenzüberschreitendes Geschenk erhielt die Stadt kurz nach Grenzöffnung 1990 zwei dieser Steine von der Gemeinde Klenci.

  • Erinnerung:

    Die Steine sollen an die bedeutende Postlinie „Heidelberg – Prag“ mit Waldmünchen als letzter Station auf bayerischer Seite erinnern.

  • Einweihung:

    Am 3. Juli 1993 wohnten über hundert Gäste der offiziellen Einweihung bei. (wim)

Für die Umsetzung des Vorhabens benötigte der Museumsverein des Weiteren unter anderem eine Sondergenehmigung der deutschen und tschechischen Grenzorgane für einen Kranwagen der Firma Bau-Wagner, um den damals noch für Kraftwagen geschlossenen Grenzübergang Höll zu passieren zu können. Dieser war zur besagten Zeit nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Bis 1993 dauerte es noch, bis die Aktion umgesetzt werden konnte. Karlheinz Schröpfer, Hansjörg Schneider und Siegfried Wagner begleiteten den Transport. Zunächst wurden die Steine zum Steinmetz Bräu in Lederdorn gebracht, der – kostenlos für den Museumsverein – die Entfernungskilometer in die Steine meißelte.

Ein Foto vom Abtransport des einen Grenzsteins – bei Schnee im Jahr 1993.. Fotos: Archiv Schröpfer
Ein Foto vom Abtransport des einen Grenzsteins – bei Schnee im Jahr 1993.. Fotos: Archiv Schröpfer

In einem Festakt am 3. Juli 1993 wurden die beiden „Flurdenkmäler“ schließlich eingeweiht. Einer hat seinen Platz direkt am Grenzübergang Höll-Lisková gefunden, der andere steht dort, wo früher die alte Handels- und Heeresstraße von der Arnsteiner Straße abzweigte. Eine große Zahl an Gästen beidseits der Grenze war der Einladung des inzwischen zum Museumsvereinsvorsitzenden aufgerückten Karlheinz Schröpfer und der Zweiten Vorsitzenden Renate Weinzierl damals gefolgt.

70 Kilometer nach Pilsen

25 Jahre ist dieses große Ereignis jetzt her. Für Schröpfer und Weinzierl Anlass, daran zu erinnern. Denn viele, die an ihnen vorbeifahren oder -gehen, würden die Steine kaum zur Kenntnis nehmen. Prag 160 Kilometer, Pilsen 70 Kilometer, liest man auf dem Stein an der Arnsteiner Straße. Der an der Grenze zeigt die Entfernungen nach Nürnberg – 150 Kilometer – und nach Amberg (70) an. Bei einem „Lokaltermin“ zeigten beide jetzt die Steine, die zwar etwas zugewachsen, aber perfekt erhalten sind.

Sogar eine Erinnerungstafel an die „Österreichische Hofpostlinie“ von Prag nach Waldmünchen, als eine der ältesten Postverbindungen, ist an der Arnsteiner Straße neben dem Stein noch zu finden. Diese Linie wurde 1527 errichtet, als Kaiser Karl V. seine Residenz von Wien nach Prag verlegte. Zar Alexander I., Könige, Diplomaten, Wissenschaftler und Schriftsteller verkehrten damals neben vielen anderen auf dieser Strecke.

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