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Wurzeln

Hier stand einst die Wiege Chams

Die Geschichte der Reichsburg droht in Vergessenheit zu geraten. Es gibt Leute, die wollen sie wieder ans Licht bringen.
Von Ernst Fischer

Dr. Schoyerer zeigt ein Bild von den Ausgrabungsarbeiten 1938 am Wall der Reichsburg Foto: Ernst Fischer
Dr. Schoyerer zeigt ein Bild von den Ausgrabungsarbeiten 1938 am Wall der Reichsburg Foto: Ernst Fischer

Cham.Es war einmal... Märchen beginnen so. Und wahre Geschichte(n). So wie jene von der Geburt der Stadt Cham. Die Wiege stand auf einem unscheinbaren Hügel im Osten der heutigen Bayerwald-Metropole. Hier auf den letzten Ausläufern des Buchbergs wurde wohl schon im 8. Jahrhundert eine befestige Anlage gegründet, die als Reichsburg im Jahr 976 erstmals schriftlich erwähnt wurde: „...civitas quae Gamma dicitur“ (...eine Burg, die Gamma genannt wird).

Die Chamer Reichsburg spielte besonders im 10. und 11. Jahrhundert an der Route nach Böhmen eine bedeutende Rolle in den politischen Auseinandersetzungen mit dem böhmischen Raum. Dadurch etablierte sich auch der strategisch-administrative Mittelpunkt der Markgrafschaft Cham (1055 „marcha Champie“). Im 11. Jahrhundert war hier eine königliche Münzprägestätte (Silberdenare mit der Umschrift „Champe divitas“). 1040 sammelte Heinrich III. sein Heer gegen die Böhmen im „castrum Kamb“.

Ausgrabungen der Chamer Reichsburg

„Hier ist die Basis der ganzen Stadt Cham.“ Dr. Wolfgang Schoyerer sagt das. Der Frauenarzt im Ruhestand ist bekannt als ehemaliger Stadtrat und engagierter Hobby-Historiker, der für seine Heimatstadt brennt. Zuletzt hat er nach den Kelten am Lamberg gegraben. Und jetzt ist er dabei, uns die Augen für die Chamer Reichsburg wieder zu öffnen. Und das interessiert nicht wenige: Beim Tag des offenen Denkmals hat er eine Führung auf dem Gelände angeboten. Und er musste dreimal die Runde machen, bei dem Andrang. Zwei Mal wurde im vergangenen Jahrhundert von Archäologen auf dem Reichsburg-Areal gegraben, 1938 und 1976.

Heimat

Chamer Steine erzählen Geschichte(n)

Zwei Kinder entdecken am Reichsburg-Gelände eine Inschrift. Der Historische Verein ruft zu einer „Aktion Steinfunde“ auf.

Dr. Schoyerer hat Ergebnisberichte in den Archiven des Landesamtes für Denkmalpflege ausgegraben. Fotos davon hat uns Florian Gruber, der Chamer Regional-Vorsitzende des Historischen Vereins, zur Verfügung gestellt. In unmittelbarer Nähe des Reichsburggeländes haben beide ganz aktuell einen Stein mit einer rätselhaften Inschrift vorgestellt, den Kinder entdeckt haben (siehe erste Chamer Lokalseite). Mit einer „Aktion Steinfunde“ will der Historische Verein das Bewusstsein für solche Zeugen unserer Geschichte wieder schärfen. Dr. Schoyerer mit Blick auf die Baugebiete, die der Reichsburg immer näher rücken: „Früher hielt man da noch respektvollen Abstand. Aber das ist heute vergessen.“

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