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Nostalgie

Hier wird die Radio-Geschichte erzählt

Beim Geburtstagsfest des Rundfunkmuseums Cham gab’s für die Besucher einen Rundgang durch die Radiogeschichte.
Von Monika Kammermeier

Aaron (13) darf an der Kurbel bei Physiker Jürgen Putzger erfahren, wieviel Energie es kostet, eine 100-Watt-Birne zum Leuchten zu bringen. Fotos: kmo
Aaron (13) darf an der Kurbel bei Physiker Jürgen Putzger erfahren, wieviel Energie es kostet, eine 100-Watt-Birne zum Leuchten zu bringen. Fotos: kmo

Cham. Eine Live-Moderation mit Übertragung auf 801 kHz, ein Auftritt von Emil & Fred mit Irmy, eine Supershow mit Andreas Hredlik vom Bayerischen Rundfunk (BR) und Ulrich Bessler (Hessischer Rundfunk), viele Neuheiten und Vorführungen in allen Museumsräumen, lebendige Physik mit Physiker Jürgen Putzger und ein Besuch der ADAC-Hohenbogen-Oldtimer-Rallye. Das alles und noch mehr war zum Museumsfest im Rundfunkmuseum am Samstag geboten.

Die Funkamateure des Ortsverbandes Cham U03 weihten die Antennenanlage ein, und Rundfunkinteressierte konnten auf dem Flohmarkt tauschen und verkaufen.

Das Fest zog viele Menschen an. Die Technik und das Interesse daran waren aber überwiegend männlich dominiert. Die Herren allerdings hatten leuchtende Augen, ein Päckchen mit Dingen unterm Arm, die sie auf dem Flohmarkt ergattern konnten und großes Interesse an den ausgestellten Objekten der vergangenen Zeit und dem Spezialwissen darüber. Über 18 Räume verfügt das Rundfunkmuseum auf 800 Quadratmetern.

Radio heute ist digital

Mischpult: Ulrich Bessler vom HR sitzt am Mischpult, das mit Plattenspieler und Bandmaschinen dem Radiomuseum vom Bayerischen Rundfunk geschenkt worden ist. Es war vor 20 Jahren noch so in Betrieb. Am Samstag wurde alles live über den Museumssender abgestrahlt. Fotos: kmo
Mischpult: Ulrich Bessler vom HR sitzt am Mischpult, das mit Plattenspieler und Bandmaschinen dem Radiomuseum vom Bayerischen Rundfunk geschenkt worden ist. Es war vor 20 Jahren noch so in Betrieb. Am Samstag wurde alles live über den Museumssender abgestrahlt. Fotos: kmo

Ulrich Bessler vom Hessischen Rundfunk und Andreas Knedlik vom Bayerischen Rundfunk – auch Mitglied des Fördervereins für das Rundfunkmuseum, boten eine Live-Moderation, die über den Museumssender direkt abgestrahlt wurde. Der BR machte dem Rundfunkmuseum Bandmaschinen, Plattenspieler und ein Mischpult zum Geschenk, womit noch vor 20 Jahren gearbeitet wurde.

Heute funktioniere das alles über Computer, informierte Museumsleiter Michael Heller. Er und Fördervereinsvorsitzender Jürgen Kögler mit ihrem Team kümmerten sich um die Besucher und versorgten sie mit Informationen zu Technik und Geräten. Der Gedanke war, dass der Sender im Radiomuseum über ein Liveprogramm zum Einsatz komme, und schon legte Bessler „Das letzte Souvenir“ von Bernd Spier auf. Jeder in und um Cham könne nun auf 801 kHz Mittelwelle im Umkreis von etwa 50 Kilometern den Museumssender zwischen 17 und 22 Uhr täglich hören.

Sender: Diese Sendeanlage gehörte dem BR und stand in Ismaning bei München. Das große Kabelrohr verband den Sender einst mit dem Abstimmhaus. Heute führt ein dünnes Kabel in ein neues Abstimmhäuschen auf dem Dach des Radiomuseums, informierte Hans-Thomas Schmidt. Fotos: kmo
Sender: Diese Sendeanlage gehörte dem BR und stand in Ismaning bei München. Das große Kabelrohr verband den Sender einst mit dem Abstimmhaus. Heute führt ein dünnes Kabel in ein neues Abstimmhäuschen auf dem Dach des Radiomuseums, informierte Hans-Thomas Schmidt. Fotos: kmo

Hans-Thomas Schmid, ein Fördermitglied, erklärte, dass die Antenne mit 200 Metern Höhe eingeweiht wurde und auch ein neues Abstimmhäuschen zur besseren Anpassung an den Sender dazugekommen sei. Ursprünglich stand der Sender in Ismaning bei München. Bei einer kleinen Führung zeigte Heller eine einmalige Rarität, nämlich das erste Mischpult aus den sechziger Jahren, an dem Thomas Gottschalk und Günther Jauch arbeiteten. Es war eine Spende des BR, des Südwestfunks und des Funkhauses Nürnberg, sagte Heller. Es funktioniere noch. Das Mischpult wird mitten im Raum präsentiert, im Hintergrund in den Regalen befinden sich Heimtonbandgeräte aus den 60er bis 80er Jahren. Noch eine Rarität gab es da, nämlich ein allererstes Tonbandgerät aus 1936. Auch das funktioniere, weil es in all seine Einzelteile zerlegt und repariert wurde.

Beim Fest des Radiomuseums sangen zur Live-Übertragung Emil, Fred und Irmy. Museumsleiter Michael Heller (re.) sah es mit Stolz. Fotos: kmo
Beim Fest des Radiomuseums sangen zur Live-Übertragung Emil, Fred und Irmy. Museumsleiter Michael Heller (re.) sah es mit Stolz. Fotos: kmo

Heller führte in den Nostalgieraum, worin sich ein Phonograph und ein Grammophon von 1905 befinden neben anderen Grammophonen. Das Besondere in diesem Raum ist dass hier alle Geräte ohne Strom und nur mit Federwerkmotoren betrieben werden können. Enrico Caruso war der erste Opernsänger, der 1904 mit einer Arie aus der Oper „Der Bajazzo“ eine Millionenauflage an Schellackplatten hatte. Die Arie wollte jeder hören, und somit wuchs die Grammophonindustrie.

In einem Raum stehen Radios aus den 50er und 60er Jahren – Geräte aus der Zeit der Groß- und Urgroßeltern, an die sich manch einer noch erinnern konnte. Heller zeigte auch eines der Superlative aus 1935 – ein Siemens Kammermusikgerät II. Es kostete seinerzeit 1482 Reichsmark – im Vergleich dazu kostete ein VW damals 900 Reichsmark. Es soll das beste Gerät auf der Welt gewesen sein.

Die „Goebbels-Schnauze“

1923 wurde der Rundfunk in Deutschland eingeführt – zu einer Zeit, als die Inflation ihren Höhepunkt hatte. 350 Milliarden Reichsmark habe die einmalig zu zahlende Rundfunkgebühr ausgemacht, erklärte Heller. Damals gab es 28 deutsche Radiofirmen. Der Museums-Chef führte in einen sogenannten Atombunker in dem lauter Geräte aus dieser Zeit stehen. Für die Nazis war es seinerzeit wichtig, dass jeder Haushalt ein Radio hatte. So gab es 1933 den Volksempfänger zu 76 Reichsmark. 1938 gab es noch den deutschen Kleinempfänger, die „Goebbels-Schnauze“ im Volksmund genannt wurde. Alle Hersteller mussten das gleiche Gerät herstellen.

Der Rundfunk wurde sehr populär. Vier Millionen Radios waren es 1932 und 14 Millionen 1938. 1945 bis 1952, in der Notzeit, hatte Furth im Wald die Herstellerfirma Eskaphon und Cham die Firma Elpha. Die hatten gegen die großen Hersteller keine Chance.

Im Physikraum erklärte Physiker Jürgen Putzger das Prinzip des Echolots und an einer Kurbel, wieviel Energie es kostet, eine 100 Watt Birne leuchten zu lassen. Aaron (13) probierte es gleich aus.

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