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Forschungsprojekt

Hightech-Jagd auf Borkenkäfer

Mit IpsSat sollen Käfernester frühzeitig entdeckt und für eine zeitnahe Bekämpfung des Schädlings vorbereitet werden.
Von Alois Dachs

Rudolf Seitz von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (l.) und Dr. Arthur Bauer (r.) stellten im Wald von Karl Brandl (2.v.r.) das IpsSAT-Verfahren vor, das Alexandra Gibis praktisch an 13 Aufnahmepunkten im Landkreis Cham mit umsetzen wird.  Foto: Alois Dachs
Rudolf Seitz von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (l.) und Dr. Arthur Bauer (r.) stellten im Wald von Karl Brandl (2.v.r.) das IpsSAT-Verfahren vor, das Alexandra Gibis praktisch an 13 Aufnahmepunkten im Landkreis Cham mit umsetzen wird. Foto: Alois Dachs

Cham.Der Borkenkäfer und sein massenhaftes Auftreten in Teilen des Landkreises Cham beschäftigen Waldbesitzer seit Jahren. Immer wieder stellen Waldbauern dabei fest, dass der kleine Schädling viel schneller agiert, als sie selbst Kontrollen größerer Waldgebiete durchführen können, um geschädigte Bäume schnell aus dem Bestand zu entfernen. Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising will nun die Forstverwaltung und Waldbesitzer mit Hochtechnologie bei der Borkenkäfersuche unterstützen. Bei einem auf vorerst drei Jahre angelegten Forschungsprojekt der LWF geht es um eine automatisierte Erfassung von absterbenden oder abgestorbenen Fichtenkronen in optischen Satellitendaten. Abteilungsleiter Rudolf Seitz von der Landesanstalt stellte am Mittwoch mit Forstdirektor Dr. Arthur Bauer und dessen Mitarbeiterin Alexandra Gibis das Forschungsprojekt IpsSAT vor, das auf der Grundlage von hochauflösenden Fotos aus der Luft, aus Flugzeugen oder von Satelliten aufgenommen flächendeckend funktionieren soll. Im Landkreis Cham wurden 38 Referenzpunkte ausgewählt, die größtenteils in der Region Kaitersberg und Hohenbogen liegen, wo Käferkalamitäten gehäuft zu beobachten sind.

Fällung zeitnah organisieren

Wird aufgrund der Fotos aus der Luft eine Rot-/Braun- oder Graufärbung von Fichtennadeln entdeckt, so soll der Standort vom Boden aus genauer nach Bohrmehl, abfallenden Nadeln, abbröckelnder Rinde und ähnlichen Anzeichen von Borkenkäferbefall untersucht und die Befallsfläche eingegrenzt werden. Hauptziel ist, eine Fällung der geschädigten Bäume zeitnah zu organisieren. Denn bei frischem Käferbefall bleibt oft nur ein Zeitfenster von zwei Wochen, um eine weitere Ausbreitung des Schädlings zu bremsen oder zu verhindern. Das Forschungsprojekt muss eine riesige Datenmenge bewältigen, erklärte Abteilungsleiter Rudolf Seitz. Bei den hochauflösenden Bildern fielen sehr schnell Datenmengen an, die sich im Terabyte-Bereich bewegen. Selbst der Tetrabyte-Bereich werde bereits angesteuert, wenn die über den Borkenkäfer gewonnenen Datenmengen in das Bayerische Waldinformationssystem eingearbeitet werden.

Erst im August dieses Jahres wurde mit der Datenerfassung begonnen, berichtete der LWF-Abteilungsleiter. Von 38 Referenzpunkten, die als „Trainingsflächen“ gesehen werden, seien 25 bereits abgearbeitet, was vor allem dem Einsatz der betroffenen Waldbesitzer zu verdanken ist, wie Rudolf Seitz ausführte. Sie hätten erkannte Käferbäume und das betroffene Umfeld kurzfristig aufgearbeitet.

Hilfe für Waldbesitzer

Karl Brandl, in dessen Wald bei Hohenwarth einer der Referenzpunkte besichtigt wurde, begrüßt die Initiative der Bayerische Forstverwaltung, die er als wesentliche Hilfe für Waldbauern sieht. Die „Fernerkundung“, wie das IpsSAT-Verfahren intern auch genannt wird, soll es ermöglichen, eine Erfolgsquote von bis zu 90 Prozent bei der Borkenkäfersuche zu erreichen, erklärte Rudolf Seitz. Momentan sei das Verfahren nicht „der Stein der Weisen“, räumte der Abteilungsleiter ein. Aber das Forschungsprojekt berge erhebliches Entwicklungspotenzial, das in diesem dreijährigen Versuch genutzt werden kann. Anhand bereits erhobener Luftbilddaten erläuterte Seitz, wie die Verfärbungen von Fichtenkronen erkannt und eingeordnet werden, ehe vom Boden aus weiter untersucht wird.

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