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Mittwoch, 22. August 2018 30° 2

Internet

„Hilfe, ich werde erpresst!“

Wenn Jugendliche Nacktbilder oder Videos von sich verschicken, dann begeben sie sich oft in eine gefährliche Falle.
Von Birgit Zwicknagel

  • Jugendliche werden oft mit ihren verschickten Nacktbildern erpresst. Foto: dpa
  • Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam. Foto: Computermäuse

Cham.Immer häufiger bekommt das Team der Computermäuse einen Hilferuf von Jugendlichen geschickt, die übers Netz erpresst werden. Meistens melden sich die Kinder bei uns, nachdem wir in der Schule waren, und das Thema offen angesprochen haben. Erst danach fassen die Betroffenen Mut und schreiben uns. Es ist vor allem erschreckend, wie lange die Jugendlichen dem schon ausgesetzt waren, bevor sie sich hilfesuchend an uns wenden. Zwei bis vier Monate sind hier nicht selten.

Dem Ganzen vorangeht leider ganz oft der sehr freizügige Umgang mit (Nackt-)fotos. Gerade Mädchen sind hier sehr gutgläubig und lassen sich nach nur kurzer Zeit von ihrem „Onlinefreund“ zu einem Selfie überreden mit wenig oder gar keiner Bekleidung. Ist das Foto gesendet, kommt oft die Meldung zurück, dass die Täter weitere Fotos oder Videos wollen. Sie drohen dann damit, das bereits erhaltene Foto im Netz zu veröffentlichen. Die Jugendlichen sind dermaßen eingeschüchtert, dass sie dann oft tatsächlich weiteres Material senden. Ein Teufelskreis…

Doch nicht nur Mädchen sind Opfer. Auch Jungs (und junge Männer) tappen oft in diese (Sex-)Falle. Hier nehmen dann Mädchen oder junge Frauen Kontakt auf und flirten schamlos mit den Jungs. Das Ganze endet dann oft mit Fotos und Videos von sexuellen Handlungen, mit denen danach die Jungs erpresst werden. Sind die Jugendlichen erst mal in diese Falle getappt, schämen sie sich meistens und trauen sich nicht, mit jemandem darüber zu reden. Das wissen die Täter.

Die Computermäuse

  • Serie

    Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Internet aufmerksam. Sie schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Birgit Zwicknagel (46) hat selbst drei Kinder, die mittlerweile 19, 22 und 23 Jahre alt sind.

  • Technik

    Die Stamsriederin beschreibt sich selbst als stark technikaffin. „Ich hab mich schon immer für Technik begeistert und kenne alle gängigen Betriebssysteme seit dem C64.“ Wenn es um Handys oder die Anwendung von mp3 oder DAB ginge, sei sie immer bei den ersten Nutzern in der Region gewesen. Sie sei auch diejenige, die in der Familie die neuen Geräte in Betrieb nehme.

  • Erfahrung

    Ihre erste Anregung für die Gefahren mit neuen Medien erhielt Birgit Zwicknagel durch ihre Tochter, die damals die 5. Klasse besuchte. Ein Lehrer hatte damals Internetadressen für alle Schülerinnen angelegt. Das Muster lautete „Vorname.Name-Klasse @ gmx.de“.

  • Gefahr

    Dem Lehrer sei damals nicht bewusst gewesen, dass er so Geschlecht und Alter seiner Schülerinnen schon mit der Adresse preisgab und die Kinder selbstverständlich ihre neue Adresse nutzten, um sich auf allen möglichen Plattformen anzumelden.

  • Verein

    Aus dieser Anregung entstand später der Verein „Computermäuse“ und die Homepage „www.clever-ins-netz.de “.Hier werden Beratung und Vorträge angeboten, aber auch schon viele erste Vorschläge und Tipps gegeben.

  • Motivation

    „Meine Motivation ist es, Menschen mit meinem Wissen helfen zu können, die selber wenig oder keine Ahnung haben!“ (ik)

Unser Rat hier an betroffene Jugendliche: BITTE rede mit jemandem darüber! Am besten natürlich mit den Eltern, aber auch die Computermäuse helfen gern weiter. Fakt ist, dass es sich hierbei um Erpressung handelt und das ist strafbar! Lasst Euch also niemals einschüchtern und holt Euch unbedingt Hilfe!

Bleibe aber vor allen Dingen immer misstrauisch, vor allem wenn Du Dein Gegenüber im Chat nicht kennst. Zieh Dich nicht für jeden aus, nur weil er das von Dir wünscht…

Und unser Rat an die Eltern: Interessieren Sie sich für die Online-Aktivitäten Ihrer Kindern, fragen Sie nach, mit wem die Kinder chatten, ob sie den Kontakt persönlich kennen und lesen Sie ruhig auch mal mit. Vereinbaren Sie mit Ihren Kindern, dass sich diese bei Problemen sofort an Sie wenden und mit Ihnen reden – ohne Strafen oder Sanktionen befürchten zu müssen! Reden Sie offen über dieses Thema und wenn etwas passiert, dann handeln Sie entschlossen und erstatten Sie Anzeige bei der Polizei! Wir stehen Ihnen hier gern mit Rat und Tat zur Seite.

Hier lesen Sie weitere Teile unserer Serie „Probleme im Netz“

Hier lesen Sie weitere Meldungen aus dem Landkreis Cham.

Zur Autorin:

Birgit Zwicknagel hält in Schulen regelmäßig Vorträge über Gefahren im Internet. Einmal im Monat macht Birgit Zwicknagel vom Verein die Computermäuse im Bayerwald-Echo auf ein Problem im Netz aufmerksam und schildert, wie sich Jugendliche und Eltern vor unerwünschten Zu- oder Übergriffen schützen können. Eine Hilfe und eine Broschüre zum Thema gibt es unter www.clever-ins-netz.de

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