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Hirschvogel kontert Bürgermeister

Geschäftsführer Anton Kilger verteidigt die Schließung des Autohauses in Bad Kötzting – und greift Markus Hofmann an.

Der Standort von Hirschvogel in Bad Kötzting soll geschlossen werden. Bürgermeister Markus Hofmann hatte in einem offenen Brief gefordert, die Entscheidung zu überdenken.  Foto: Foto-Bernhard.de
Der Standort von Hirschvogel in Bad Kötzting soll geschlossen werden. Bürgermeister Markus Hofmann hatte in einem offenen Brief gefordert, die Entscheidung zu überdenken. Foto: Foto-Bernhard.de

Bad Kötzting.Nach der Ankündigung der Firma Hirschvogel, den Standort des Autohauses in Bad Kötzting zu schließen, schlagen die Wogen hoch. Am Mittwoch hat Anton Kilger, Geschäftsführer der Hirschvogel GmbH & Co. KG in Straubing, mit deutlichen Worten auf einen offenen Brief von Bürgermeister Markus Hofmann reagiert. Das Stadtoberhaupt hatte die Unternehmensleitung darin aufgefordert, das Aus für die Niederlassung zu überdenken.

In der Antwort von Kilger, die Harald Stoppelkamp, verantwortlich für Marketing und Kommunikation, unserem Medienhaus zukommen ließ, heißt es: „Ich habe großes Verständnis dafür, dass Sie sich für den Standort Bad Kötzting, die dortigen Mitarbeiter und auch für die am Standort anfallende Gewerbesteuer so vehement einsetzen. Allerdings hätte ich erwartet, dass Sie auch einer solchen zweifelsohne höchst schwerwiegenden und unpopulären Maßnahme mit einem gewissen Maß an Sachverstand begegnen und nicht mit unhaltbaren, um nicht zu sagen böswilligen und ehrverletzenden Behauptungen reagieren.“

Konkurrierende Vertretungen

Der Betrieb Bad Kötzting sei, wie Kilger Hofmann erläutert, in den Siebzigerjahren zusammen mit Regen als Zweigbetrieb von Hirschvogel gegründet worden. „Daneben befanden sich in Cham und Deggendorf zwei mit uns konkurrierende Mercedes-Benz-Vertretungen, die wir in den späten Neunzigerjahren im Einvernehmen mit der Daimler AG übernommen und erfolgreich weitergeführt haben.“

„Es handelt sich hierbei um eine weitere völlig aus der Luft gegriffene Unterstellung.“

Anton Kilger, Hirschvogel-Geschäftsführer

Damit habe sich dann allerdings die Gebietssituation „mit einem Schlag“ anders dargestellt, „und in nur 14 Kilometern Entfernung von Bad Kötzting mussten wir aufgrund der Übernahme der Vertretung Scheurer in Cham einen neuen Betrieb eröffnen“. Dass Hofmann den Weg von Bad Kötzting zum Betrieb in Chammünster „– immerhin 14 Kilometer“ – als „lang und aufwendig“ bezeichne, verwundere doch sehr. Kilger in seiner Reaktion weiter: „Trotz der Nähe dieser beiden Betriebsstätten zueinander, wobei mit dem Standort Cham, wie erwähnt, ein ganzes ehemaliges Vertriebs- und Servicegebiet für Mercedes-Benz betreut wurde, haben wir über zwei Jahrzehnte versucht, auch den Standort Bad Kötzting aufrecht zu erhalten.“ Hierzu sei ständig in den Betrieb investiert worden, zuletzt im vergangenen Jahr mit dem Bau eines neuen Lkw-Bremsenprüfstandes.

Es sei schön, meint Kilger, dass Hofmann bewusst sei, dass „wir uns durch die Corona-Krise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten befinden“. Was es allerdings für die Branche – die selbst in den guten letzten Jahren von niedrigsten einstelligen Umsatzrenditen vor Steuern gelebt habe – bedeute, wenn der Umsatz um über 30 Prozent krisenbedingt einbreche, und vor allem nicht absehbar sei, wann sich der Geschäftsverlauf wieder normalisiere, sei dem Bürgermeister „anscheinend nicht bewusst“.

Für ihn, hält Kilger fest, stelle sich die Frage, woher Hofmann die Behauptung nehme, dass für die Hirschvogel-Immobilie „keinerlei Pachtzahlungen“ anfielen. „Es handelt sich hierbei um eine weitere, völlig aus der Luft gegriffene Unterstellung. Hierzu versichere ich Ihnen das Gegenteil“, betont der Geschäftsführer. Dass Hofmann dann auch noch die schlimmste Krise seit Kriegsende in Deutschland „als Vorwand für eine anscheinend von langer Hand vorbereitete Strategie“ unterstelle, sei reine Polemik und „zutiefst ehrenrührig“. Dies helfe auch den betroffenen Mitarbeitern in keinster Weise.

Ein Unternehmer investiere nicht in den letzten Monaten, „und zwar branchenspezifisch“, in einen Standort, „um damit dessen Aufgabe (=Leerstand) vorzubereiten“. Er versuche vielmehr mit einer solchen, zweifelsohne schmerzlichen Maßnahme, zum Wohl des Gesamtunternehmens mit weit über 300 Mitarbeitern zu handeln.

Wirtschaft

Bürgermeister gegen Hirschvogel-Pläne

Bad Kötztings Bürgermeister Markus Hofmann richtet sich mit einem Brief gegen die Autohausschließung des Unternehmens.

Kilger in seiner Reaktion auf den offenen Brief aus dem Rathaus weiter: „Wir werden den von Ihnen als stets kompetent und verlässlich bezeichneten Hirschvogel-Service für unsere treuen und langjährigen Kundinnen und Kunden aus Bad Kötzting und Umgebung selbstverständlich in unseren Betrieben Cham und Regen gewährleisten. Hierzu werden wir nach Beendigung der Corona-Krise versuchen, möglichst viele Mitarbeiter in Cham und Regen beschäftigen zu können. Wozu wir allerdings die Kunden aus Bad Kötzting und Umgebung brauchen!“ Seine Zeilen lässt der Geschäftsführer „in der Hoffnung auf ein gewisses Maß an Verständnis“ ausklingen.

Markus Hofmann selbst fühlte sich am Mittwoch durch die Ausführungen Kilgers darin bestätigt, dass die Schließung des Standortes schon länger geplant gewesen sei und „nun unter dem Vorwand der aktuellen Corona-Krise sofort umgesetzt wird“. Als Bürgermeister, erläuterte er seinerseits in einer weiteren Reaktion, schaue er über den eigenen Kirchturm hinaus. „Es geht ja nicht nur um die Kunden aus dem Stadtgebiet mit einer Entfernung von 14 Kilometern zur Niederlassung in Cham, sondern vor allem auch um die vielen treuen und langjährigen Mercedes-Kunden aus dem Hohenbogen-Winkel, dem Lamer Winkel, dem Zellertal und der unmittelbaren Region Viechtach, die künftig eine wesentlich längere Wegstrecke zur nächsten Niederlassung in Cham oder Regen haben… Oder sind diese Kunden der Firma Hirschvogel egal?“

Hofmann fühlt sich bestätigt

Hofmann weiter: „Als die Niederlassung bei uns 1971 eröffnet wurde, gab es die Mercedes-Vertretung Scheurer in Cham auch schon, und die Entfernung betrug auch damals schon 14 Kilometer.“ Trotzdem habe sich die Niederlassung, insbesondere durch die „hervorragende, engagierte Arbeit der Mitarbeiter vor Ort“, prächtig entwickelt und habe somit ständig vergrößert und weiterentwickelt werden können.

Für ihn bestätige sich der Eindruck, dass die Niederlassung in Cham „anscheinend dringend die bisherigen Kunden aus unserer Niederlassung benötigt, um dort zukunftsfähig weitergeführt werden zu können. Das ist und wäre dann eine unternehmerische Entscheidung, die wir leider so akzeptieren müssen – aber wenigstens ehrlich und korrekt sollte man dann solche Entscheidungen den Betroffenen persönlich mitteilen“. Hofmann abschließend: „Das hätten wir uns als Standortgemeinde und guter und langjähriger Geschäftspartner, das hätten sich die vielen treuen Kunden aus der gesamten Region unseres Einzugsgebietes und die örtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdient.“

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