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CHAM.

Hochschulstandort: Historisches Thema, einmalige Chance für Cham

Alles Schlechte hat auch sein Gutes. Der in Cham geplante Technologie-Campus ist ein Beweis dafür. Denn ohne das Ende des Transrapids, ohne den Sturz Edmund Stoibers und ohne die Rezession hätte sich für die Stadt und den Landkreis wohl noch lange nicht die Tür zum Hochschulstandort geöffnet. Dies wurde am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung der vier städtischen Ortsverbände der CSU, der Frauen- und der Seniorenunion im Randsbergerhof klar, zu der etwa 60 Interessierte gekommen waren.

Das schwierige Ja vom Staat

Der Chamer CSU-Ortsvorsitzende Jürgen Linhart sprach gleich zu Beginn vom „historischen Thema“ für Landkreis und Stadt. Dass dafür viel Vorarbeit zu leisten war, listete Landrat Theo Zellner chronologisch im Anschluss auf. „Dass der Staat Ja sagt zu einer Außenstelle der Fachhochschule in Cham, war das Schwierigste“, so Zellner. Die Idee für Cham sei geboren worden, als Hochschul-Außenstellen mit den frei werdenden Transrapid-Mitteln aus der Taufe gehoben wurden. Doch habe das Kultusministerium immer abgelehnt.

Erst der Sturz Stoibers und der Wechsel zu Günther Beckstein habe Bewegung in die Sache gebracht. Beckstein sei solchen Außenstellen aufgeschlossen entgegen getreten. Mit dem Mechatronik-Netzwerk habe man im Landkreis seit dem Jahr 2000 die besten Grundlagen dafür. Die Konjunkturflaute und das daraus resultierende Konjunkturpaket II schließlich machten die finanziellen Hindernisse auf dem Weg zur Verwirklichung überwindbarer.

Durch die 1,7 Millionen Euro-Förderung sei es für die Stadt möglich, das Gebäude an der Badstraße zu sanieren und umzubauen. Zellner sprach der Stadt und den Verantwortlichen seinen Respekt für diesen Schritt aus. Schwierig sei zunächst auch die Loslösung von 2,3 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsministerium gewesen, die aus Mitteln für den Further Drachenbau übrig waren.

Zur „dualen Hochschulausbildung“

Er hob die Möglichkeiten für den Landkreis und die Stadt hervor. Eine „duale Hochschulausbildung“ werde etabliert, das heißt, die Firmen würden ausbilden und ihre Studenten nach Cham zu Forschung und Weiterbildung schicken. Ein Technologie-Campus biete Forschung und Entwicklung. „Das Projekt zeigt den Schulterschluss für den Standort und für die Region“, sagte Theo Zellner. „Es ist eine große Chance, aber es gibt noch viel zu tun“, betonte der Landkreischef. So gelte es, die fehlenden 2,1 Millionen Euro an den Gesamtkosten von rund 7,5 Millionen Euro aus der Wirtschaft aufzubringen. Er glaube, dass sich hier ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Hochschule verwirklichen werde.

Eines sei klar, so Zellner: „Diese Chance kommt nicht wieder!“ Zellner malte sein Bild eines künftigen Hochschulstandorts Cham mit 200 Studenten und 30 Mitarbeitern, Doktoranden und Professoren. Die Schulen sollten eingebunden werden und das heraus kommen, was sich alle wünschten: Zukunftsfähigkeit.

Kooperation mit Wirtschaft

Der Vertreter des künftigen Trägers des Technologie-Campus Cham, Professor Reinhard Höpfl, zeichnete ein genaueres Bild des Hochschul-Außenstandorts. Er rechne mit vier Professoren und fünf bis zehn Doktoranden plus Mitarbeiter. Die Kosten für den Betrieb und das Personal liegen bei etwa 4,4 Millionen Euro. Wenn man gut sei, komme man an die Töpfe des Bundesbildungsministeriums und auch an die der EU, die jährlich 58 Milliarden Euro in dem Bereich verteilen würden.

Nach der fünfjährigen Pilotphase werde die Fachhochschule den Standort weiterbetreiben. Die Wirtschaft sei ebenso daran interessiert wie die Hochschule. Der gebürtige Chamer beschrieb, dass es noch viel Potenzial gebe, sowohl an künftigen Studenten, deren Zahlen weiter steigen werden, wie auch an Geldern, die die Wirtschaft in Kooperation mit der Hochschule ausgeben wolle. Die Unternehmen würden Forschungs- und Entwicklungsaufträge an die Hochschule vergeben. Dazu gebe es ein Sponsoring. Dadurch komme an der Fachhochschule Deggendorf eine Drittmittelsumme in Höhe von drei Millionen Euro heraus.

Die Firma Zollner allein schicke jährlich etwa 20 bis 30 Studierende in dualer Ausbildung zur Berufsakademie Baden-Württemberg. Das könne man künftig in Cham ebenso gut. Von den 5000 Studenten in Deggendorf seien 1600 in einem dualen Studiengang, also einer Mischung aus Ausbildung in einer Firma und einem Studium. Er rechne damit, dass die Zahl auch noch zunehme. „Wir müssten nicht ganz bei Sinnen sein, wenn wir das nicht nutzen“, so Professor Höpfl als Fazit.

Stadt bekommt ein neues Gesicht

Stadtrat Günther Lommer sagte, er sei sicher, dass sich die Investitionen auszahlen würden. Die Stadt könne im Übrigen nur Oberzentrum werden, wenn solche Kriterien wie Hochschulstandort erfüllt seien. „Die Innenstadt wird ein ganz anderes Gesicht bekommen“, sagte er. Beim Standort müsse man sich auch keine Sorge vor Hochwasser machen. Mit dem Polder I, der bald verwirklicht werden solle, werde dieser Bereich hochwasserfrei.

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