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Interview

Hofmann will ernten, was er gesät hat

Viel Pflicht, wenig Kür war die erste Amtszeit des Bad Kötztinger Bürgermeisters. Das soll sich in der Zweiten ändern.
Von Roman Hiendlmaier

Der Plan steht: Den Abstand zum Bürgermeistersessel nicht erhöhen, beabsichtigt Markus Hofmann  Foto:
Der Plan steht: Den Abstand zum Bürgermeistersessel nicht erhöhen, beabsichtigt Markus Hofmann Foto:

Bad Kötzting.In wenigen Monaten wird in Bad Kötzting gewählt. Dann ist es genau sechs Jahre her, dass Markus Hofmann das Rathaus der Pfingstrittstadt eroberte – und den Amtsinhaber Wolfgang Ludwig nach 18 Jahren aus dem Chefsessel der Stadt hob. Nun muss Hofmann den Bürgermeisterposten selbst gegen die CSU-Herausforderin Carola Höcherl-Neubauer verteidigen. Wir haben mit ihm über die letzten sechs Jahre im Amt gesprochen – und darüber, was er in einer zweiten Amtszeit tun möchte.

Herr Bürgermeister, ein Jahr geht zu Ende, der nächste Wahlkampf steht an – erinnern sie sich noch an diese Phase vor sechs Jahren?

Natürlich. Ich habe damals alle 3900 Haushalte in Bad Kötzting besucht und persönlich mit den Leuten gesprochen, oder für mich geworben. Das vergisst man nicht.

Wie war damals die Stimmung und wie ist sie heute?

Damals herrschte in Bad Kötzting eine Wechselstimmung, die ich in der Ausprägung nicht für möglich gehalten habe. Heute höre und hoffe ich, dass dem nicht mehr so ist.

Uns kommt es so vor, als wäre in Sachen Politik aktuell die meistgestellte Frage: Warum dauert das solange?

Das kann schon sein. Mir dauern viele Prozesse ja auch zu lange. Aber ich versuche, mich darüber nicht aufzuregen, sondern Schritt für Schritt das Nötige zu tun, damit aus einem Plan ein Erfolg wird. Wir müssen liefern.

Das klingt hart und nüchtern, am Ende der ersten Amtsperiode als Bürgermeister ...

Ist es nicht, überhaupt nicht. Mir war von Anfang an klar, dass die Aufgaben, die auf mich warten, nicht von heute auf morgen abgearbeitet werden können. Dafür war und ist eine langfristige Planung nötig, die ich laufend versuche voranzutreiben.

Sie wechselten von der freien Wirtschaft in die kommunale und staatliche Verwaltung – wie fordernd war der Umstieg?

Ich fühlte mich nicht überfordert. Voraussetzung dafür waren meine Ausbildung und mein Beruf im Bereich des Bankenwesens und in der Industrie. Das kam mir zugute.

In der Zwickmühle aus Ansprüchen, Finanzen, Bürokratie, Vorsorge und neuen Herausforderungen wie Digitalisierung – welche Rolle spielt da ein Bürgermeister heute?

Erhellend: Die Bürgerversammlung in der Jahnhalle zeigte die Stadt im Aufwärtstrend. Fragen der Bürger drehrten sich um den Start der Sanierung von Innenstadt und dem altem Friedhof.
              Foto: Stefan Weber
Erhellend: Die Bürgerversammlung in der Jahnhalle zeigte die Stadt im Aufwärtstrend. Fragen der Bürger drehrten sich um den Start der Sanierung von Innenstadt und dem altem Friedhof. Foto: Stefan Weber

Ein Bürgermeister gibt die Themen vor und die Reihenfolge, in denen sie behandelt werden. Am besten hat er also die Prozesse im Griff und langfristig immer im Hinterkopf. Auf dem Weg gebracht werden die meisten Projekte vom Stadtrat. Daher braucht ein Bürgermeister ein gutes Fraktionsteam. Und umgesetzt werden müssen die Beschlüsse von einer fleißigen Verwaltung. Ich hatte das Glück, auf diese Voraussetzungen zu treffen.

Ein wenig Rückenwind aus München ist sicher auch zuträglich, wie sich gezeigt hat...

Das ist richtig, aber von selbst weht der nicht in die eigene Richtung. Immer wieder, wenn ich dieses Thema höre, frage ich ganz konkret: Stabilisierungshilfen gab es schon vor meiner Amtszeit – warum wurden die nicht beantragt? Diese Unterstützung des Freistaats zu erhalten, bedeutete für die Verwaltung und mich viel Arbeit, die nicht immer einfach war.

Sanierte Finanzen, Kanal- und Straßenbau, Neunutzung Finanzamt und Berufsschule – es ist viel passiert in ihre Amtszeit, aber weniges, was so schön sichtbar wie etwa der neue Kurpark-Bereich oder der Sportplatz ist...

Lehrreich: Wie wichtig der barrierefreie Ausbau der Innenstadt ist, „erfuhr“ der Bürgermeister am eigenen Leibe, als er in einen Anzug schlüpfte, der ihn um Jahrzehnte altern ließ. Foto: Hiendlmaier
Lehrreich: Wie wichtig der barrierefreie Ausbau der Innenstadt ist, „erfuhr“ der Bürgermeister am eigenen Leibe, als er in einen Anzug schlüpfte, der ihn um Jahrzehnte altern ließ. Foto: Hiendlmaier

Das liegt daran, dass ich die Priorität auf die vielen Hausaufgaben gelegt habe, die noch offen waren, als ich angefangen habe. Die Infrastruktur ist die Zukunftsvorsorge einer Stadt, ohne die Prestigeprojekte wenig Sinn machen.

Für eine Amtsbilanz ist aber „mehr Lametta“ sicher förderlicher, um im Jahreszeiten-Jargon zu bleiben....

Das glaube ich nicht. Meine Erfahrung lautet, dass der Bürger im Zweifelsfall sagt: „Mich interessieren die Schlösser nicht, die du gebaut hast – ich will das Loch vor meiner Haustür geflickt haben...“

Auf der Platte, Westsiedlung, Ziegelgasse ist dahingehend ja einiges passiert....

Wir haben von Anfang an eine Liste aufgestellt, mit Straßenbau-Projekten in der Reihenfolge ihrer Dringlichkeit. Die arbeiten wir konsequent ab. Zu den Hausaufgaben gehört für mich auch, dass wir das Industriegebiet Arnbrucker Straße vorantreiben, bei Baugebieten am Ball bleiben, die Schulen in unserer Verantwortung vorwärts bringen... Aber das alles geht eben nicht von heute auf morgen....

Womit wir wieder beim Eingangsthema wären...

Sportlich: Mit dem Kunstrasenplatz samt neuem Leichathletik-Bereich ging im Sommer ein lang gehegter Wunsch von Sportlern der Stadt in Erfüllung. Foto: Johann Fischer
Sportlich: Mit dem Kunstrasenplatz samt neuem Leichathletik-Bereich ging im Sommer ein lang gehegter Wunsch von Sportlern der Stadt in Erfüllung. Foto: Johann Fischer

Was ich sagen kann, ist: Am Ende meiner ersten Amtszeit sind alle maßgeblichen Themen in Bad Kötzting, die in städtischer Verantwortung sind, angepackt worden. Den Zusatz mit der städtischen Verantwortung betone ich.

Parkhaus, Gehringstraße, barrierefreie Innenstadt, alter Friedhof – der nächste Bürgermeister hat am Ende seiner Amtszeit sehr wahrscheinlich schöne Vorzeigeobjekte.

Wer viel sät, kann viel ernten. Darum ist es doch selbstverständlich, dass ich das sein möchte.

Ein bisschen öfter Spatenstich und Bänder durchschneiden, als bisher...

Spannend: Mit Julian Preidl stieg der Sprecher des Jugendrats im Herbst in den Kommunalwahlkampf ein – als Landratskandidat der Freien Wähler. Im Juli kündigte Markus Hofmann seine erneute Kandidatur an. Foto: Doucelage
Spannend: Mit Julian Preidl stieg der Sprecher des Jugendrats im Herbst in den Kommunalwahlkampf ein – als Landratskandidat der Freien Wähler. Im Juli kündigte Markus Hofmann seine erneute Kandidatur an. Foto: Doucelage

Gerne. Aber wenn ich beispielsweise auf die Schulen blicke, auf das Begegnungszentrum, die Innen- und Außendarstellung der Stadt und natürlich auch die Infrastruktur – es gibt noch viel zu planen und anzustoßen. Die Arbeit wird in den nächsten Jahren nicht weniger.

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