MyMz
Anzeige

Vortrag

„Ich wusste alles über sie!“

Das Internet eröffnet viele Möglichkeiten. Birgit Zwicknagel von den Computermäusen schätzt das, warnt aber vor den Gefahren.
Von Elisa Schmaderer

Birgit Zwicknagel veranschaulicht in ihren Vorträgen, wie leicht Menschen im Internet auszuspähen sind. Foto: Schmaderer
Birgit Zwicknagel veranschaulicht in ihren Vorträgen, wie leicht Menschen im Internet auszuspähen sind. Foto: Schmaderer

Cham.„Ich wusste innerhalb einiger Tage alles über sie“, erklärt Birgit Zwicknagel. Sie erzählt gerade die Geschichte einer 14-Jährigen, die sie im Netz ausspioniert hat, um zu beweisen, wie durchsichtig man dort ist.

Sie habe sich ihr mit einem Fake-Profil vorgestellt. Das Foto eines jungen Mädchens als Bild, ein nettes „Hi“ mit einem lachenden Emoji und schon gehörte Birgit Zwicknagel das Vertrauen des Teenagers. Nachdem sie ihr bei Snapchat, Facebook und Instagram gefolgt war, wusste sie innerhalb kurzer Zeit, wo die Jugendliche wohnte, was sie am Nachmittag tat, und mit wem sie sich traf. Niemals hätte sich der Teenager gedacht, dass hinter ihrer coolen Internetfreundin tatsächlich eine erwachsene Frau stecken könnte. Sie hatte dabei aber noch Glück.

Birgit Zwicknagel vom Verein Computermäuse Stamsried weist mit Vorträgen regelmäßig Schüler auf die Gefahren des Internets hin. Sie wollte dem Mädchen mit ihrer Aktion also nichts Böses, im Gegensatz zu vielen anderen, die im Internet unterwegs sind. Es kommt nicht selten vor, dass der vermeintlich süße Internetfreund, in den man ganz verknallt ist, auf einmal mit dem Auto vor der Schule auftaucht und um einiges älter ist, als erwartet. Die Kinder und Jugendlichen, denen so etwas passiert, leiden oft noch Jahre später unter Angstzuständen oder Panikattacken.

Die Tatsache, dass ein Fremder alles über einen weiß, dem die Polizei aber, solange er kein Verbrechen begeht, nichts anhaben kann, lässt jungen Menschen keine ruhige Minute mehr. Oft gehen solche Online-Bekanntschaften nicht glimpflich aus. Häufig sitzen Pädophile hinter solchen Profilen und die vermeintliche Freundschaft könnte sogar mit Vergewaltigung oder Tod enden.

Mittlerweile nutzen sogar Einbrecher die Durchsichtigkeit der Menschen im Netz aus. Es gibt Roboter, sogenannte Bots, die auf Spieleplattformen tätig sind. Sie verhalten sich dort wie echte Menschen. Die Opfer teilen ihren Mitspielern mit, wann sie in den Urlaub fahren, da sie dann meist mehrere Tage nicht online sind und bei anstehenden Spielen keine Unterstützung sein können. Die Bots filtert Worte wie Italien oder Urlaub und die Kriminellen, die dahinter stecken, wissen sofort, dass der Spieler für einige Zeit nicht zuhause sein wird. So haben Einbrecher dann ein leichtes Spiel, die Familie zu bestehlen.

Eine weitere Geschichte, die Birgit Zwicknagel erzählte, handelte von einem 13-jährigen Mädchen. Sie war Teil einer WhatsApp-Gruppe und fing sich durch das Downloaden von Abnehmrezepten einen Trojaner ein. Dieser übernahm ihr Handy und sendete unangebrachte Nachrichten an ihre Kontakte, die nach dem Öffnen ebenfalls infiziert wurden. Der Virus hackte sich unter anderem in Amazon-Accounts, mit denen verschiedene Dinge auf Kosten der Accountbesitzer gekauft wurden. Zum Beispiel wurden über die Accounts ihrer Lehrer Kondome bestellt. Letztendlich wurden die Handys als Abhörgeräte benutzt und die Betroffenen mit ihren eigenen Worten erpresst.

Bei ihren Vorträgen ist es Birgit Zwicknagel vor allem wichtig, den Schülern wertvolle Tipps für die Zukunft zu vermitteln. Zuerst einmal ist es wichtig, die Standortangaben auszuschalten, sagt sie, sonst kann jeder herausfinden, wo du dich aufhältst. Beim Download einer App sollte man sich im Klaren sein, ob diese so wichtig ist, dass man die Bedingungen in Kauf nehmen will. Social-Media-Accounts sollte man auf privat schalten und Posts nur mit bekannten Profilen teilen. Die Zwei-Stufen-Authentifizierung schützt außerdem vor der Nutzung der Accounts durch Fremde. Eines liegt Birgit Zwicknagel besonders am Herzen. „Wendet euch an mich, wenn ihr Probleme habt, und versucht nicht, alleine mit allem zurechtzukommen.“

Schülerstimmen

  • erzählt, dass es sie sehr überrascht hat, wie viele Fälle und Opfer es vor allem in unserer Nähe gibt. Sie möchte nach diesem Vortrag in Zukunft im Netz besser aufpassen.

  • Franziska , Schülerin am RSG,

    gefiel der Vormittag sehr und sie war begeistert von der Art und Weise, wie Birgit Zwicknagel auf das Thema hinführte. Auch sie möchte in Zukunft vorsichtiger sein im Umgang mit Social Media.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht