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Wirtschaft

Ideen-Preis für kabelloses Tanken

Der Chamer Innovationspreis 2019 geht an die Firma Zollner. Die hat ein besonderes Ladesystem für E-Autos entwickelt.
Von Michael Gruber

Unternehmer Manfred Zollner (Mitte) und sein Entwicklungsteam nahm den Innovationspreis 2019 für die Entwicklung eines kabellosen Ladesystems in der Stadthalle Cham entgegen. Foto: Michael Gruber
Unternehmer Manfred Zollner (Mitte) und sein Entwicklungsteam nahm den Innovationspreis 2019 für die Entwicklung eines kabellosen Ladesystems in der Stadthalle Cham entgegen. Foto: Michael Gruber

Cham.Elektromobilität ohne Kabelsalat - mit einer Erfindung aus Zandt soll das funktionieren. Mithilfe eines induktiven Ladesystems können einige BMW-Fahrer heute schon ganz bequem Strom zapfen. Es reicht, dass sie ihr Fahrzeug über einer speziellen Plattform abstellen. Für diese Erfindung bekam die Firma Zollner den Innovationspreis 2019 des Landkreises verliehen.

Das System sei weltweit das erste seiner Art, das in Serienreife vom Band läuft und der gültigen Produktnorm entspreche, verkündete die Jury bei der feierlichen Preisverleihung am Donnerstagabend in der Stadthalle Cham, wo sich die Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zur großen Innovationsgala versammelt hatte.

Ideen gegen trübe Konjunktur

Nominiert waren 13 Unternehmen aus dem Landkreis, die mit ihren Einfällen eine herausragende innovative Leistung vollbracht haben, erklärte Landrat Franz Löffler bei seiner Eröffnungsrede. Gerade in Zeiten, in denen sich das Konjunkturklima eintrübe, seien neuen Entwicklungen mehr denn je gefragt, sagte der Landrat und erwähnte dabei auch die geplante Schließung des Conti-Werks in Roding.

Am Nachmittag besichtigte Wolfgang Heckl (Mitte), Chef des Deutschen Museums, das Chamer Radiomuseum. Foto: Michael Gruber
Am Nachmittag besichtigte Wolfgang Heckl (Mitte), Chef des Deutschen Museums, das Chamer Radiomuseum. Foto: Michael Gruber

„Früher waren wir hier die verlängerte Werkbank der Welt. Heute haben wir sehr viele kluge Köpfe, die Konstruktionspläne schaffen, wonach der Rest der Welt arbeitet.“ Der Grundstein für Innovation werde früh gelegt, sagte Löffler mit Verweis auf den Nachwuchspreis, der in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge verliehen wurde. 30 junge Düsentriebs wurden für ihre Erfindungen prämiert: Dabei waren Einfälle, wie ein Bergschubkarren, eine orthopädische Schiene, die per Sensoren Alarm schlägt, wenn der Träger etwa den Fuß zu stark belastet oder eine Brille, auf der zwei Pipettenfläschchen montiert waren: Aufsetzen, zurücklehnen, drücken – und die Augentropfen treffen garantiert das Ziel.

Hier finden Sie ein Video vom Gala-Abend in der Stadthalle Cham mit einem Exklusivinterview mit Ehrengast Prof. Dr. Heckl

Sehen Sie die schönsten Eindrücke des Galaabends im Video

Bauernhofkindergarten und Tauchdrohne nominiert

Nicht weniger kreativ ging es bei den Erfindungen der Unternehmen zu, die in der Auswahl für den Preis standen. Nominiert war zum Beispiel der erste Bauernhofkindergarten „Heimatwichtel“ in Chamerau, wo die Kinder unter der Leitung von Evi Mannhart schon früh mit der Haltung von Tieren und den Prinzipien der Landwirtschaft in Kontakt kommen.

30 junge Erfinder aus dem Landkreis wurden für ihre Einfälle mit dem Nachwuchspreis belohnt. Foto: Michael Gruber
30 junge Erfinder aus dem Landkreis wurden für ihre Einfälle mit dem Nachwuchspreis belohnt. Foto: Michael Gruber

Die Firma all2work aus Cham stand mit der Entwicklung einer Warnweste in der engeren Auswahl, die mit einer Induktionsheizung und LED-Lichtern zur Verkehrssicherheit ausgestattet ist und das Unternehmen Fluglinse trat mit einer ferngesteuerten Tauchdrohne für hochwertige Unterwasseraufnahmen an. Weiterhin standen auch kreative Werbemaßnahmen für die Gewinnung von neuem Fachpersonal auf der Liste der Nominierung: So hat etwa der Wellnesshof Bayerwald mit einer digitalen Personalkampagne Mideinand deutschlandweit für Aufsehen gesorgt.

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Das induktive Ladesystem der Firma Zollner hatte die Jury auch wegen eines laufenden Forschungsprojekts zur Erweiterung überzeugt: Seit 2017 arbeiten die Ingenieure an einem sogenannten bidirektionalen induktiven Ladesystem. Soll heißen: Das E-Auto gibt nach dem Andocken je nach Bedarf Strom ins Netz ab und trägt somit zur Stromnetzstabilisierung bei.

Der Ehrengast Prof. Dr. Wolfgang Heckl

  • Person:

    Der gebürtige Parsberger ist ein deutscher Biophysiker mit dem Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Nanowissenschaften.

  • Pädagogik:

    Seit 2004 engagiert er sich als Generaldirektor des Deutschen Museums in München dafür, Technik auch für den Nachwuchs erlebbar zu machen. 2013 erschien sein Buch „Die Kultur der Reparatur“, mit dem er die Bewegung der Reparatur-Cafés angestoßen hat.

Auf welche Wege es im Kampf gegen den Klimawandel ankommt, stand auch bei der Rede des diesjährigen Ehrengastes im Mittelpunkt. Landrat Löffler hieß den Generaldirektor des Deutschen Museums, Prof. Dr. Wolfgang Heckl willkommen, der für eine „Kultur der Reparatur“ warb, die seiner Ansicht nach nur mit einem Bruch mit der Wachstums- und Wegwerfgesellschaft funktioniere. Das Publikum bekam dabei Ansichten präsentiert, die Heckl auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim G7- Gipfel in Elmau 2015 auch hochrangigen internationalen Vertretern vorgeführt hatte.

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Die Heimat im schwarzen Nichts

Ein winzig kleiner Punkt auf einer schwarzen Leinwand: „Pale Blue Dot“ sei der Titel dieser Aufnahme der Erde, die von einem Satellit aus 6000 Milliarden Kilometer Entfernung entstanden sei, wie Heckl erklärte: „Egal, welcher Raumfahrer nach seiner Reise ins Weltall gefragt wird. Alle berichten davon, dass das bewegendste Erlebnis der Anblick unseres blauen Heimatplaneten in diesem lebensfeindlichen schwarzen Nichts ist.“ Schon jetzt beuten die Menschen den Planeten in einem Maß aus, das mehr als eineinhalb Erden entspricht.

TVA-Chefin Renate Pollinger hielt die Laudatio für den Gewinner 2019. Foto: Michael Gruber
TVA-Chefin Renate Pollinger hielt die Laudatio für den Gewinner 2019. Foto: Michael Gruber

Plastik bezeichnete der Biochemiker dabei als als „Leitsubstanz der Wegwerfgesellschaft“. Plastiktüten seien für ihn das „ikonografische Symbol für die Ressourcenverschwendung auf der Erde.“ Ziel für die Zukunft müsse es zum einen sein, die Kunststoffe über neue Formen des Recyclings zurück in eine Kreislaufwirtschaft zu bringen. Hier plädierte Heckl dafür, die Forschung im Bereich des molekularen Recyclings, etwa über Bakterien, zu verstärken. Die wichtigere Maxime aber laute: „Bevor wir recyceln, müssen wir alles tun, um Sachen so lang wie möglich in Gebrauch zu halten“, sagte Heckl und warb dafür, besonders die Jugend früh mit der Technik vertraut zu machen. „Wer einmal ein Gerät aufgeschraubt und wieder repariert hat, hat ein Erfolgserlebnis, das für das Leben lang hält.“

Sehen Sie hier ein Video vom Besuch des Generaldirektors des Deutschen Museums im Chamer Rundfunkmuseum

Prof. Dr. Wolfgang Heckl besichtigte das Chamer Rundfunkmuseum

Im Vorfeld seines Auftritts stattete der Wissenschaftler und Buchautor dem Rundfunkmuseum in Cham-Janahof einen Besuch ab und lobte die Ausstellung des Trägervereins unter der Leitung von Michael Heller für die Anschaulichkeit und die Erlebbarkeit der Technik. Der Museumschef Michael Heller nannte den Besuch einen „Ritterschlag“ für die Ausstellung.

Technik

Chamer Sender für Deutsches Museum

Team des Rundfunkmuseums installierte Mittelwellensender auf dem 60 Meter hohen Wetterturm und lieferte 100 Radiobausätze aus.

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