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Stadtgeschichte

Identität als Gewinn für alle Chamer

Das „Denkmalnetz Bayern“ traf sich in der Klostermühle. Florian Gruber kämpft um das Chamer Stadtschloss.
Von Andreas May

Nach den Vorträgen fand die angeregte Podiumsdiskussion statt. Mit dabei der Chamer Denkmalschützer Florian Gruber (3. von rechts). Foto: May
Nach den Vorträgen fand die angeregte Podiumsdiskussion statt. Mit dabei der Chamer Denkmalschützer Florian Gruber (3. von rechts). Foto: May

Cham.Das „Denkmalnetz Bayern“ hat zu Tagung und Jahrestreffen unter dem Motto „Historische Kleinstädte im ländlichen Raum – Bedeutung, Potentiale und Chancen“ in die alte Klostermühle in Altenmarkt eingeladen. Achim Schröer gab zunächst einen allgemeinen Einblick in die Struktur des Denkmalnetzes: Die Vernetzung untereinander, aber auch die Unterstützung lokaler Initiativen hinsichtlich der Denkmalpflege, haben demnach höchste Priorität.

Schwerpunkt Denkmalpflege

Die Veranstalter hatten gleich mehrere Experten aus Stadtplanung und Denkmalpflege für inhaltsreiche Vorträge gewinnen können. Den Anfang machte Dr. Thomas Feuerer, Bauforscher und Kreisheimatpfleger aus Regensburg: „Menschen haben sich immer dann um den Erhalt gekümmert, wenn sie um die Bedeutung der Gebäude gewusst haben“, so Feuerer, der deshalb auf die Notwendigkeit der Wissensvermittlung verwies. In Cham seien die Schwerpunkte auf die Denkmalpflege gelegt. Ohnehin habe es die Denkmalpflege im ländlichen Raum schwieriger, so dass Engagement von vielen Seiten unerlässlich sei.

Das Denkmalnetz

  • Das Vorzeigeobjekt:

    Die gastgebende Altenmarkter Klostermühle ist ein Beispiel für ein Abrissobjektes, das durch viel Arbeit in neuem Licht erstrahlt, ohne dabei seinen historischen Charme zu verlieren. DIe Tagungsbesucher nutzten die Räume und dankten Besitzerin Melanie Rauscher für ihre Gastfreundschaft. (cia)

Aus Sicht der deutschen Denkmalstiftung sprach Werner Chrobak über das Bemühen, historische Bausubstanz zu erhalten. Immer wieder werde versucht, alte Substanz unbedenklich zu opfern, mahnte er an. Die Substanzen reichen teilweise bis ins 15. Jahrhundert zurück und ein etwaiger Abriss stelle einen unwiederbringlichen Verlust dar. Identitätsstiftung und Identitätswahrung sei ein Gewinn für alle, auch für die Kommunen.

Dass es in Kleinstädten keine Abgrenzung zwischen städtischen und ländlichen Einflüssen geben muss, zeigte Judith Sandmeier mit ihrem Vortrag über die Verwurzelung mit historischer Umgebung auf.

Als Schlüssel denkmalpflegerischen Handelns präsentierte der nächste Referent, Dr. Kurapkat von der OTH Regensburg, historische Bauforschung anhand von drei Fallbeispielen. Aus den Ausführungen des Experten sowie seines Nachredners Lorenz Schröter, konnte der Zuhörer viele Erkenntnisse gewinnen. Dass Bauwerke als Quelle gesehen werden sollten, Forschung Aufmerksamkeit erzeugt, und die grafische Aufarbeitung eine der größten Stärken der historischen Bauforschung ist, war gerade für den Laien weiterführend.

Die Zukunft des Stadtschlosses

Nicht minder informativ, aber noch lokalbezogener war die nun folgende Präsentation von Mitveranstalter Florian Gruber. Der „Vollblut-Chamer“, der sich neben seines Masterstudiums intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hatte, fragte nach der Zukunft des Chamer Stadtschloss. Gruber sieht das Objekt als geschichtsträchtiges Symbol. Es sei nicht nur das Wahrzeichen, sondern sogar der Ursprung der Stadt.

Gruber setzte mit Informationen zu den Bauteilen, der Mauerkonstruktion, aber auch dem allgemeinen Stadtbild fort. Bautechnisch betrachtet sei es wichtig zu erkennen, dass bei einem möglichen Abriss nicht nur das Fundament, sondern auch Restbestandteile des historischen Mauerwerkes mitgehen. Cham habe dem Gebäude, das mindestens aus 1430, wenn nicht sogar aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stamme, viel zu verdanken: „Ein Abriss wäre fatal“, machte Gruber abschließend nochmals seine klare Position für den Erhalt des Stadtschlosses deutlich.

Nach den Vorträgen kam es zu einer angeregten Podiumsdiskussion unter den Referenten, wobei auch das Publikum die Gelegenheit nutzte, sich mit den Experten auszutauschen. Der Tag war damit aber noch lange nicht vorbei: Nach einem Mittagessen in der Klostermühle zogen die Sprecher des Denkmalnetzes, Meike Gerchow, Bernd Vollmer und Achim Schröer eine Bilanz zur Denkmalpflege und zeigten Perspektiven auf.

Am Ende der Veranstaltung stellten sich einige spezifische Initiativen vor, bevor man zum gemeinsamen Stadtrundgang aufbrach. Der rund 90-minütige Rundgang war der Ausklang eines inhaltsreichen Tages, der in Klostermühle erst am späten Nachmittag seinen Ausklang fand. (cia)

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