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Kultur

Im Chamer Theater muss jeder Mitfühlen

Auf der Kleinkunstbühne im RAUM brachte Regisseur Franz Bauer ein neu konzipiertes Episodentheater zur Aufführung.
von Elisabeth Angenvoort

Die Mitglieder von sCATCHit und „Ahornstraßler“ mit Regisseur Franz Bauer (Mitte) nach der Vorstellung Foto: Lisa Montag/Franz Bauer Pantografie
Die Mitglieder von sCATCHit und „Ahornstraßler“ mit Regisseur Franz Bauer (Mitte) nach der Vorstellung Foto: Lisa Montag/Franz Bauer Pantografie

Cham.Ein bis auf den letzten Platz besetzter Saal bot sich am Samstagabend den beiden Theatergruppen sCATCHit und „Ahornstraßler“ im RAUM. Die zehn Akteure hatten sich zusammengetan, um unter der Regie von Franz Bauer erstmals gemeinsam die Kleinkunstbühne zu beleben. „Zuerst war nichts“, erläuterte Bauer die Entstehung seines neues Projekts: weder ein Text, noch eine Geschichte und auch keine Dramaturgie. Jeder der Darsteller musste zunächst anhand einer Mini-Biografie seine Rolle selbst erfinden. Orte und Handlungen ergaben sich aus dem spontanen Zusammenspiel der Charaktere, die einander flüchtig oder schicksalhaft begegnen: die Bühne als Schaufenster für mögliche Lebenssituationen.

Wie das Leben so lebt: Friederike Rapf alias Uschi Böckelmann Foto: Angenvoort
Wie das Leben so lebt: Friederike Rapf alias Uschi Böckelmann Foto: Angenvoort

Mangels Bühnenbild appellierte Bauer an die Zuschauer, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und sich mit zu freuen, mit zu leiden und vor allem: mit zu lachen. So trifft Regina Hausladen als ebenso schräge wie resolute Raumkosmetikerin Therese Meier auf die sich zu Porsche und Frauen bekennende Automechanikerin Elke Wild (Ute Pohl). Beide werden mit der Frustration von Amtsvorsteher Bruno Gschwendner konfrontiert: Roland Raum überzeugt in der Rolle des übellaunigen Beamten, ohne lächerlich zu sein. Rührend gutgläubig und verklemmt spielt Beate Schröders-Eck die neue Mesnerin Henriette van Aaaken, die dank der quirligen Französin Marie Chérie (bezaubernd: Martina Hornauer) eine Wandlung zur Weiblichkeit erlebt. Dann ist da noch Michael Dietl als einsamer Rentner Herbert Blume, der es den Zuschauern überlässt herauszufinden, warum seine Frau das Leben in einem indischen Ashram seiner Gegenwart vorzieht. Umwerfend komisch und zugleich absolut sympathisch in ihrem naiven Bemühen, einen Partner zu finden, ist Friederike Rapf alias Uschi Böckelmann. Nur in scheinbarem Gegensatz zu ihr steht Sven-Rene Kleeberg, harter Geschäftsmann mit weichem Kern (souverän gespielt von Stefan Eiselt). Zwischendurch wirbelt immer wieder Franzi Blitz (Annamaria Irlbeck) über die Bühne. Und dann ist da noch Andy Montag in der Rolle des liebenswert extravaganten Paul von Hohenstein. In Summe: eine Menge Spaß und ein klein wenig Nachdenklichkeit.

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