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Im Schatten von Corona

Ein Kommentar von Michael Gruber

Corona toppt Caprolactam. Nach dem Ausbruch der Pandemie wurde der Nachbarschaftsstreit bei Ensinger in den Hintergrund gedrängt. Leider. Denn die Luft für viele Anwohner der Elsa-Brandström-Straße ist immer noch nicht rein.

Anwohner wie Petra De Luca werden weiterhin vom Gestank verbrannter Plastiktüten geplagt, der mehrmals in der Woche durch Fenster und Türen dringt. Dazu kamen die Corona-Beschränkungen, die für die Betroffenen zur doppelten Belastung wurden. Bleibts daheim und bleibts gesund, hieß das Gebot der Stunde. Für viele Anlieger, die sich wegen des chemischen Geruchs ohnehin schon um ihre Gesundheit sorgen, eine bittere Ironie.

Die große Hoffnung ist das Landratsamt, das der Ursache jetzt auf den Grund gehen möchte. Die Notizen von 21 Personen dazu, wann es wie gestunken hat und welche Geräusche es wann gab, werde man mit Wetterdaten abgleichen. Hoffentlich kommen die Behörden dann dem Grund auf die Spur, warum es in unmittelbarer Nähe einer Kunststofffabrik immer wieder nach verbranntem Plastik riecht. Vielleicht wegen der Kunststofffabrik?

Sakrosankt bleibt aus behördlicher und juristischer Sicht nämlich eine Sache: Ein „ursächlicher Zusammenhang“ zwischen den Beschwerden der Nachbarn und der Ensinger-Produktion lasse sich nicht nachweisen. Dafür scheint auch der Abgas-Test zu sprechen, den Ensinger jetzt vorgelegt hat.

Immerhin: Mit dem Einbau von sechs Schalldämpfern ist der Konzern auf die Anlieger zugegangen. Und auch Seniorchef Wilfried Ensinger ließ im Januar über den Landrat ausrichten, Ensinger werde den Nachbarn entgegenkommen, selbst wenn die Emissionen innerhalb des gesetzlichen Rahmens liegen. Umso irritierender wirkt es jetzt, wenn Ensinger nach dem Runden Tisch behauptet, bisher noch keine Meldungen über eine Geruchsbelästigung bekommen zu haben.

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