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Region Cham
Freitag, 25. Mai 2018 23° 8

Städtebau

In Brunnendorf herrscht nun Teilfriede

Der Gietl-Neubau in Cham wurde so verkleinert, dass der Bauabschnitt 1 ohne Unterschriften von Nachbarn möglich wird.
Von Johannes Schiedermeier

Die Konturen des geplanten Neubaus sind derzeit durch die angrenzenden Bau- und Nachbarzäune sichtbar. Foto: Schiedermeier

Cham.Es ist zumindest ein Brunnendorfer Teilfriede und damit ein Baubeginn in Sicht. Das Landratsamt hat öffentlich gemacht, dass der Bauabschnitt 1 nun genehmigt werden konnte. Die Firma Gietl habe die Planung so geändert, dass keine Unterschrift der Nachbarn notwendig war. „Wir haben den Bau auf einer Seite um sechs Zentimeter und auf der anderen um 60 zurückgesetzt. Außerdem haben wir das Obergeschoß leicht nach innen verschoben und so mehr Spielraum für unsere Baugrenzen erhalten. Dadurch haben wir keine Unterschriften gebraucht“, bestätigt Hans Gietl jun. auf Anfrage.

Allerdings läuft die Frist für Einsprüche erst am 23. April ab. Das ist am Montag. Vorher will Gietl den Tag nicht vor dem Abend loben. Schließlich läuft mit dem benachbarten Bauherrn des Brunnenhofs, Matthias Altmann, immer noch ein Rechtsstreit vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg. Doch Altmann winkt ab. Er bestätigt zwar, dass er Akteneinsicht beantragt hat, wird aber keinen Einspruch gegen die Pläne einlegen.

„Dann soll er bauen!“

„Wenn Gietl sich an die Bauordnung hält – und das tut er offensichtlich, weil er sonst keine Genehmigung des Landratsamtes hätte – dann soll er auch bauen. Ich bin ja interessiert, dass dort was passiert. Alles ist besser als dieser Zustand mit der toten Baustelle. Wenn sich dieser Platz belebt, dann ist das auch gut für meine Mieter im Brunnenhof“, sagt Altmann.

Die Baugeschichte in Brunnendorf

  • Die Ursprünge

    Zwei Bauträger hatten sich ursprünglich beim Projekt eines neuen Geschäfts-, Büro- und Wohnzentrums im Chamer Stadtteil Brunnendorf zusammengetan: Matthias Altmann und Hans Gietl jun. mit Vater Hans.

  • 1. Bauabschnitt

    Der Bau von Dipl. Ing. Matthias Altmann steht schon länger als ein Jahr und bildet mit dem „Brunnenhof“ längst eine neue Vorzeigeecke für die Stadt. Die Bauträger-Partnerschaft ist inzwischen längst geplatzt. Altmann hat Gietl verklagt. Vorwurf: Gietl habe sich nicht an Vereinbarungen gehalten.

  • 2 . Bauabschnitt

    Der Bau von Hans Gietl jun. und sen. soll auf dem Gelände der ehemaligen Bäckerei Brückl entstehen mit insgesamt 2200 Quadratmetern Nutzfläche (EG: 720 Quadratmeter + drei OG, je 500 Quadratmeter).

  • 3. Bauabschnitt

    Gietls dritter Streich mit 2300 Quadratmetern Gesamtfläche soll an der Floßhafen-Ecke gegenüber dem Parkdeck entstehen.

  • Aktuelle Situation

    H&M war zunächst als Hauptmieter angedacht im Erdgeschoss (950 Quadratmeter) und 1. OG (850 Quadratmeter). Ganz aktuell will sich niemand zu potenziellen Mietern äußern.

  • Zweiter Diskussionspunkt

    Keine Einigung gibt es auch im Tauziehen zwischen Gietl und Bürgermeisterin Karin Bucher. Weil Bucher bei den potenziellen Mietern mitreden will, um Innenstadt-Umzüge zu vermeiden, hat Gietl das Problem auf Eis gelegt. „Wir werden sicher auf die Stadt zukommen, wenn wir soweit sind. Wir haben ja gar kein Interesse daran, die Altstadt leer zu machen. Aber ein Kompromiss sollte es schon sein.“

Eine andere Sache ist der Streit vor dem Verwaltungsgericht. Den will Altmann ausfechten. „Da geht es um privatrechtliche Vereinbarungen, die Gietl mit mir vor dem Notar getroffen hat. Ich bin der Ansicht, dass er die nicht eingehalten hat. Und das muss das Gericht entscheiden. Mit dem Bauabschnitt 1 hat das nichts zu tun“, stellt Altmann klar.

Inzwischen berichtet Gietl von Betriebsamkeit. „Sobald der Antrag sicher durch ist, schreiben wir aus. Wir sind bereits mit Baufirmen in Kontakt, aber derzeit muss man aufgrund der Hochkonjunktur einfach sehen, wie man da hinkommt“, sagt Hans Gietl jun.

Die Planung des Gietl-Neubaus zwischen Brunnenhof und Parkdeck am Floßhafen hat sich um einige Zentimeter nach hinten verschoben und das Obergeschoss wurde zurückgesetzt. Nun soll es gebaut werden.Plan: Gietl

Der Plan: Baubeginn noch heuer. Darauf hoffen alle Beteiligten, weil die fertige Planung des Neubaus schon seit 2016 auf den Amtstischen verschimmelt. Deswegen, so Gietl, könne er auch immer noch nichts über die Mieter sagen. „Wir haben natürlich Hauptmieter, aber wir können mit denen auch erst fertig verhandeln, wenn wir wissen, wann die einziehen können.“ Selbst mit H&M sei man immer noch in Gespräch. – Aber bauen die derzeit nicht sogar Filialen ab? – Ja, sagt Gietl, die Verhandlungen seien zwar nicht vom Tisch, aber H&M habe derzeit wohl auch andere Sorgen. Ohne einen Fertigstellungstermin und Unterschriften auf den Mietverträgen habe es auch keinen Sinn über Interessenten zu spekulieren. Es werden Verkaufsflächen da sein, Arztpraxen, Büros und Wohnungen. Und es ist noch was frei“, so Gietl.

Die Haken des Bauabschnitts 2

Auch den Bauabschnitt 2 hat Gietl weiter im Blick. Der solle bereits kurz hinter dem Abschnitt 1 in Angriff genommen werden. Allerdings hat der noch ein paar Haken mehr. Die Stadt und Bürgermeisterin Karin Bucher wollen von Gietl eine Zusicherung, dass er für zehn Jahre keine Mieter aus der Innenstadt absaugt und keine innenstadtrelevanten Sortimente auf seinen Verkaufsflächen vertreibt.

Die Stadt hat deswegen Zugriff, weil Gietl durch einen Flächentausch mit Altmann einige Quadratmeter übernommen hat, für die Altmann diese Vorgaben unterschrieben hatte. Außerdem gehört der Stadt das letzte Grundstück vorne an der Brunnendorfer Kreuzung – ungefähr 200 Quadratmeter. Und das soll Gietl nach dem Willen der Bürgermeisterin auch nicht kriegen, solange er nicht die Vorgaben unterschreibt. Gespräche mit Gietl gebe es aber aktuell keine, so Bucher.

Hans Gietl jun. bestätigt das. „Wir werden aber sicher auf die Stadt zukommen, wenn wir soweit sind. Wir haben ja gar kein Interesse daran, dass wir die Altstadt leer machen. Aber ein Kompromiss sollte es schon sein.“

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