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Region Cham
Freitag, 25. Mai 2018 23° 8

Kommune

In Michelsneukirchen rumort es gewaltig

Die Zufahrt ins Baugebiet und die Verkehrsführung innerorts erweisen sich als brisante Themen bei der Bürgerversammlung.
Von Thomas Mühlbauer

Ortsdurchfahrt: ab Juli kommt der Verkehr von der B 20 in Richtung Straubing angerollt. Foto: rtn

Michelsneukirchen.Bürgermeister und Gemeinderäte haben es oft nicht leicht, das ist hinlänglich bekannt. Wenn die Gemeindeoberhäupter einmal im Jahr zu einer Bürgerversammlung einladen, ist das Interesse meistens verschwindend gering. In Michelsneukirchen war dies am Freitag aber anders. Es war die erste Bürgerversammlung seit mehreren Jahren, das Interesse daran enorm, wohl verständlich, denn in der 1756-Einwohner-Gemeinde rumort es gewaltig.

Vereinzelte Bürger haben Bürgermeister Gerhard Blab in der letzten Zeit bei zwei grundlegenden Projekten für die Gemeinde dazwischengefunkt, was der Bürgermeister auch deutlich zur Sprache brachte: „Da hast du teilweise überhaupt keine Lust mehr, was zu machen, wenn du nur Prügel zwischen die Beine geworfen bekommst“.

Das Baugebiet „Schmiedwiese“ konnte erworben werden. Insgesamt werden 17 Parzellen in Größen von 520 bis 770 Quadratmeter entstehen. Doch bereits jetzt sind bis auf zwei Parzellen schon alle vergriffen. Der Quadratmeterpreis beläuft sich voll erschlossen auf 63 Euro. Die Erschließung wird Anfang Juni starten, geplant ist die Fertigstellung für Wasser und Kanal bis zum 30. September diesen Jahres. Doch gerade bei diesem Punkt wurde deutlich, welche Spaltung es im Ort anscheinend gibt.

„Viele schlaflose Nächte“

Das Besucheraufkommen bei der Versammlung war enorm. Themen gab es in Hülle und Fülle. Foto: rtn

Blab berichtete davon, dass es bis zur Realisierung ein sehr steiniger Weg gewesen sei. „Das Baugebiet hat mir viele schlaflose Nächte bereitet.“ Denn die vorgeschlagene optimale Zufahrtslösung zum Baugebiet sei, wie es der Bürgermeister formuliert hat, regelrecht bekämpft worden. Die jetzige Zufahrtslösung, die nun entstanden sei, formulierte Blab so: „Die Zufahrt ist ein totaler Witz, doch, was ist uns anderes übrig geblieben, nachdem wir die eigentlich geplante Zufahrt aufgrund der Einwände verwerfen mussten?“ Dem Vernehmen nach wäre die Zufahrt über die Woppmannsdorfer Straße geplant gewesen. Blab wurde deutlich: „Mit dieser jetzigen Zufahrt, mitten zwischen der Bebauung hindurch, geht unglaublich wertvoller Baugrund für immer verloren“. Weiteres großes Thema in der Gemeinde ist die Verkehrsführung in der Ortsmitte. Blab sagte, ab Juli werde der Verkehr von der B 20 aus Richtung Cham über Michelsneukirchen umgeleitet, zusätzlich durchquerten den Ort dabei circa 4500 Fahrzeuge, die an der Kreuzung in der Ortsmitte in Richtung Straubing abbiegen. Erarbeitet worden sei dabei eine optimale Lösung, die auch für Gehbehinderte perfekt gewesen wäre. Doch, so Blab, habe es massiven Widerstand gegen die geplante Verlegung der Bushaltestelle gegeben; für Blab völlig unverständlich, denn es habe keinen Widerstand von direkt betroffenen Anwohnern gegeben, die bei der geplanten Maßnahme sogar Gartenfläche verloren hätten.

Gepflasterter Fahrbahnteiler

Auf Nachfrage unseres Medienhauses sagte Blab: Die Proteste seien nur aus Feindschaft gegen ein unmittelbar in der Nähe befindliches Gasthaus vorgebracht worden. Da sei ein bereits 40-jähriger Streit wieder aufgekocht, denn von der Verlegung hätte nach Ansicht der Widerständler ein Geschäft profitieren können. So seien die Einwände beim Landratsamt vorgebracht worden, die die ursprünglich optimale Lösung so verworfen habe. So werde sich wohl wenig an der bestehenden Ist-Situation ändern, was Bürgermeister Gerhard Blab zu folgender Feststellung veranlasste: „Es hat eigentlich im Grunde keiner einer Chance, bei den Gasthäusern und Kirche die Fahrbahn zu überqueren.“ Einzig solle nun noch erreicht werden, dass ein gepflasterter Fahrbahnteiler in der Nähe der Kurve angebracht werde, der überfahrbar sei; so sei die Hoffnung, dass dadurch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge etwas reduziert werde. Blab: „Das ist hier kein offizieller Übergang.“ Der offizielle Übergang erfolge nun auf Höhe „Untere Schmid“, wo eine Druckknopfampel installiert werde, was zu einem hörbaren Raunen im Raum führte. Vielen, welche die Gegebenheit kennen, sei klar, dass diese Querungshilfe wohl wenige nutzen dürften.

Provisorische Ampel

Wenn der Verkehr ab 23. Juli bis September durch die Ortschaft rollen wird, werde an der Kreuzung eine provisorische Ampel aufgebaut.

Abschließend stellte der Bürgermeister fest: „Wir hatten viel Mühe und Arbeit umsonst investiert, durch die Einwände, die vorgebracht wurden, wurde eine einmalige Chance vertan, die nie mehr kommen wird.“ Auf die immer wieder aufkommende Kritik, dass sich der Gemeinderat mit der ursprünglich geplanten Lösung, die eine Verlegung der Bushaltestelle und Querungshilfe vorgesehen habe, ein Denkmal habe bauen wollen, sagte Blab: „So ein Schwachsinn, wir sind zum Wohle der Bürger da.“ Völlig unverständlich war für Blab, dass gerade die Kritik von Bürgern vorgebracht worden sei, die es überhaupt nicht betroffen habe. „Das ist das Traurige an der Geschichte“.

„Doch ein Witz ...“

  • Feststellung:

    Am Ende der Diskussion stellte Bürgermeister Gerhard Blab noch eines fest:

  • Beispiel:

    „Ich höre immer wieder, wenn sich der Bürgermeister was einbildet, dann reißt der Gemeinderat die Hand in die Höhe. Allein diese Aussage ist doch ein Witz. Ich baue doch zum Beispiel für mich kein Baugebiet, sondern das kommt doch unseren Bürgern zu Gute und unser Gemeinde. Langsam aber sicher, resigniere ich“, sagte Gerhard Blab. (rtn)

Bei der Diskussion drehte sich ein Punkt der Wortmeldungen genau um diesen Punkt. Ein Bürger wollte gerne die Rädelsführer der Einwände genannt haben. „Wer ist Schuld an dieser Situation?“ – „Das nutzt doch jetzt alles nichts mehr, die Sache ist vorbei“, so der Bürgermeister. Aus dem Ruder lief die Diskussion schließlich, als ein Bürger Blab deutlich wahrnehmbar und hörbar als Lügner bezeichnete. Eine weitere Wortmeldung drehte sich darum, dass die aktuelle Bushaltestelle oft auch durch andere Fahrzeuge zugeparkt sei und die Busse so auch oft auf die Straße rausragen würden und man hier doch besser kontrollieren müsste. Blab: „Wir können auch eine kommunale Verkehrsüberwachung wie in einer anderen Stadt engagieren, wenn Euch das lieber ist.“

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