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Verkehr

Inmitten von Kindern und Kurierdiensten

Am Kötzinger Schinderbuckel wollten Eltern Packerl-Fahrer mit einer Spielstraße einbremsen. Doch das ist nicht einfach.
Von Roman Hiendlmaier

Eine Spielstraße hätten Anlieger am Gehsbergweg gern gehabt. Foto: rh
Eine Spielstraße hätten Anlieger am Gehsbergweg gern gehabt. Foto: rh

Bad Kötzting.Ein kniffliges Problem stellte sich dem Verkehrsausschuss in seiner Sitzung am Donnerstagabend im Baugebiet am Schinderbuckel. Am Gehsbergweg hatte sich eine Reihe von Eltern zusammengetan, um für ihre insgesamt neun kleinen Kinder eine Spielstraße zu erwirken.

„Verkehrsberuhigter Bereich“ nennen solche Zonen Fachleute wie Polizei-Verkehrsexperte Martin Wanninger und Bauamts-Mitarbeiter Michael Weiß. Beide erläuterten beim Termin vor Ort den Stadträten und den teilweise anwesenden Antragstellern, was es mit einer Spiel- oder Wohnstraße zur Verkehrsberuhigung.

Innerhalb dieses Bereiches gilt unter anderem, dass Fußgänger die Straße in ihrer ganzen Breite benutzen dürfen, Kinderspiele sind überall erlaubt. Der Fahrzeugverkehr muss Schrittgeschwindigkeit einhalten. Die Fahrzeugführer dürfen die Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig müssen sie warten.

Soweit die für die Antragsteller positive Seite. Aktuell ist die Auf Seite der Anforderungen gehört dazu, dass ein solcher „verkehrsberuhigter Bereich“ ganz besondere bauliche Voraussetzungen haben muss. Dazu gehört zum Beispiel eine „Aufenthaltsqualität“, also große Flächen zum Sitzen oder Spielen, kaum Verkehr, sowie Parkplätze. Damit kann der Schinderbuckel nicht dienen: zu schmal, zu steil, zu viel Verkehr – bei einer Messung im März fuhren den Gehsbergweg täglich zwischen 120 und 150 Fahrzeuge.

Spielstraße

  • Regeln:

    In Spielstraßen haben Kinder und Erwachsene, die zu Fuß unterwegs sind, Vorrang. Alle anderen Verkehrsteilnehmer, also Autos, Motorräder und auch Radfahrer, müssen auf sie Rücksicht nehmen.

  • Auflagen

    : Unter anderem dürfen Geh- und Fahrwege nicht voneinander abgetrennt sein. Außerdem muss klar sein, dass in diesem Bereich die „Aufenthaltsfunktion“ gegenüber der überwiegt.

  • Überprüfung:

    In Karlsruhe hat ein Verwaltungsgericht angeordnet, mehrere Bereiche, die die Auflagen nicht erfüllen, in Tempo-30-Zonen umzuwandeln. Grund war die Klage eines geblitzten Autofahrers.

Als die beiden Spezialisten den Anwohner die daher bescheidenen Aussichen für ihr Vorhaben schilderten, rückten diese mit dem eigentlichen Problem heraus: „Eigentlich geht es um wenige Nutzer der Straße, die die Tempo-30-Zone ignorieren. In erster Linie handelt es sich um Kurierfahrer.“

Das Problem und der Lösungsvorschlag war für den Ausschuss des Stadtrats nichts Neues. „Nachvollziehbar,“ sagte etwa Günther Hofmann, „aber ich glaube nicht, dass wir das Anliegen unter diesen Voraussetzungen hinbekommen.“ Bürgermeister Hofmann pflichtete bei: „Selbst wenn wir uns über die Vorschriften hinwegsetzen, und etwas in der Richtung beschließen würden: eine Klage, und die Maßnahme wäre Geschichte.“ Da der Antrag der Eltern-Initiative nach Informationen der Anlieger wie der Stadträte unter Gehsbergweg-Nutzern nicht nur Befürworter hat, wurde nach einer Kompromiss-Lösung gesucht.

Diese lautete: Hinweisschild und Straßenmarkierung, plus permanente Geschwindigkeits-Messanlage. Der Verkehrsausschuss gab für knapp 3000 Euro ein digitales Panel in Auftrag, dass an dem neuen Hinweisschild „Vorsicht, spielende Kinder“ dauerhaft angebracht werden soll. Den Wermutstropfen formulierte Fahrerlehrer Dieter Schmidt, der dem Ausschuss als Berater zur Seite steht: „Ich fürchte nur, dass diejenigen, die mit der Maßnahme in erster Linie angesprochen werden sollen, sich daran nicht halten.“

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