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Szene

Ist die Luft wieder rein fürs Blubbern?

Für die Betreiber der Chamer Shisha-Bars gelten künftig verschärfte Standards. Die müssen zum Teil aufwendig nachrüsten.
Von Michael Gruber

Sie bauen auf eine moderne Lüftungsanlage und Expertenwissen: Marc Steiger (22), Betreiber der Shisha-Bar „Inhale“ und sein Vize-Geschäftsführer Leon Müller-Weßling (20). Fotos: Gruber
Sie bauen auf eine moderne Lüftungsanlage und Expertenwissen: Marc Steiger (22), Betreiber der Shisha-Bar „Inhale“ und sein Vize-Geschäftsführer Leon Müller-Weßling (20). Fotos: Gruber

Cham.Im Hintergrund läuft arabische Musik, der fruchtige Duft von Mango, Apfel und Kiwi liegt noch in der Luft. Nur bleiben die Shishas in der Judenstraße fürs Erste aus und es wäre kein Wunder, wenn Ahmad El Zaim jetzt als einziger glüht. Am Samstagabend bekam der Betreiber der Shisha-Bar Pyramide Besuch von Polizeibeamten, die mit einem Mitarbeiter des Landratsamtes für dicke Luft zwischen den Wasserpfeifen seines Lokals gesorgt hatten. Genauer genommen ist ihnen diese von den Messgeräten angezeigt worden: Die Kohlenstoffmonoxid-Belastung in seiner rund 100 Quadratmeter großen Bar lag nach der Messung der Behörden weit über 30 Partikel pro Quadratmeter und damit über dem zulässigen Grenzwert. Dafür muss der Inhaber jetzt ein Bußgeld zahlen – und weil auch Stoßlüften nichts half, ist für die Pyramide vorerst Schicht im Schacht.

In der Pyramide in der Judenstraße werden vorübergehend nur Getränke ausgeschenkt. Fotos: Gruber
In der Pyramide in der Judenstraße werden vorübergehend nur Getränke ausgeschenkt. Fotos: Gruber

„Wir hatten auch Pech, weil ausgerechnet am Samstag besonders viel los war“, sagt El Zaim, als er uns am Montagabend durch seine Bar führt, „dann kam auch noch eine spontane Geburtstagsfeier mit 25 Leuten dazu.“ Auf rund 70 Plätzen serviert er seinen Gästen orientalische Tabakmischungen mit passender Musik. Nach Vorgabe des Landratsamts dürfen die Shishas dort erst wieder rauchen, wenn El Zaim entsprechend Maßnahmen getroffen hat, damit der Kohlenstoff-Monoxidwert den Grenzwert von 30 ppm nicht mehr überschreitet. Dafür hat der Betreiber nun vorgesorgt: „Ich habe diese Woche schon zwei Angebote für den Einbau eines Absaugesystems eingeholt,“ sagt El Zaim und zeigt sich ganz gelassen.

Verschärfte Standards geplant

Neben drei CO-Messgeräten wartet eine zusätzliche Absaugepumpe in seiner Küche auf den Einbau. Dort heizt er die Kohlen an, die den Shisha-Tabak in der Wasserpfeife zum Qualmen bringen. Vorerst schenkt El Zaim nur Cocktails und Getränke aus: „Hilft ja nix“, sagt er. Frühestens in einer Woche soll die Pyramide auf die verschärften Standards umgerüstet sein, die das bayerische Gesundheitsministerium derzeit ausarbeitet, nachdem es in letzter Zeit zu mehreren Zwischenfällen in deutschen Shisha-Bars gekommen war. Immer wieder klagten Gäste in Bayern über Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit und Kopfschmerzen – in Bremerhaven müssten 16 Besucher einer Shisha-Bar in die Notaufnahme wegen Symptomen einer Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Am Kohleofen im Inhale wurden bei der Kontrolle die Grenzwerte überschritten. Fotos: Gruber
Am Kohleofen im Inhale wurden bei der Kontrolle die Grenzwerte überschritten. Fotos: Gruber

In einem Schreiben wies Gesundheitsministerin Melanie Huml vor wenigen Wochen auf einen verstärkten Handlungsbedarf der Staatsregierung hin, was für das Landratsamt auch den Anlass zur Kontrolle geliefert habe, wie Pressesprecher Friedrich Schuhbauer erklärt. Der Betrieb einer Shisha-Bar ist danach nur erlaubt, wenn sichergestellt ist, dass die Kohlenmonoxidkonzentration den gesetzlichen Grenzwert von 30 ppm einhält. „Dazu hat der Betreiber geeignete Maßnahmen, wie etwa die Installation von CO-Meldern und den Betrieb einer ausreichend dimensionierten Lüftungsanlage, zu ergreifen.“ In der Fuhrmannstraße 22 scheint die Luft nach dem spontanen Kontrollbesuch der Behörden wieder rein zu sein. Am Montag glühen die Kohlen im kleine Metallofen der Shisha-Bar „Inhale“ wieder, der versteckt vor dem Gästebereich im Lagerraum steht und dem Betreiber Marc Steiger am meisten Ärger gemacht hatte. „Hier war die einzige Stelle, an der die Messwerte bei rund 35 ppm lagen“, sagt der Betreiber des Shisha-Cafes.

Gelbe Kohle: Alarmstufe Rot

Den Grund für den Mangel habe er bereits beseitigt: „Wir haben den Staubfilter in der Abluftanlage erneuert und die Rohre gereinigt. Dort hatte sich mit der Zeit einiges festgesetzt“, sagt Steiger. Im vorderen Gästebereich und dem anschließenden VIP-Abteil seien die Grenzwerte im Inhale nicht überschritten worden.

„Im Fall einer CO-Vergiftung ist bei den Betroffenen Schicht im Schacht“

Dominik Lommer, Stellvertretender Rettungsdienstleiter

Dem Aufruf zur besseren Kontrolle will Steiner mit drei CO-Messgeräten nachkommen, die in allen Bereichen der Bar die Belastung mit Kohlenmonoxid überwachen sollen. Zwischenfälle habe es bei seinen Gästen noch nicht gegeben, erklärt der Barbetreiber, der weiß, worauf es bei der Auswahl der Kohle ankommt: „Glüht die Kohle gelb, ist höchste Vorsicht geboten“, gibt Steiger den Shisha-Rauchern auf den Weg. „Das ist ein deutliches Anzeichen für Kohlenmonoxid. Naturkohle eignet sich am besten, da sollte man nicht sparen.“

Die Absauganlage im Inhale befördert den stickigen Shisha-Qualm nach draußen. Fotos: Gruber
Die Absauganlage im Inhale befördert den stickigen Shisha-Qualm nach draußen. Fotos: Gruber

Einsätze wegen Vergiftungserscheinungen an der Shisha tauchen bisher auch nicht in der Statistik der Chamer Rettungskräfte auf, wie Dominik Lommer, stellvertretender Einsatzleiter, berichtet. Dennoch, so warnt er, verhalte es sich mit den Giftstoffen beim Shisha-Rauchen wie mit dem Autosmog in geschlossenen Räumen: „Kohlenmonoxid kann im schlechtesten Fall den Sauerstoff im Blut verdrängen, Du wirst bewusstlos und dann ist Schicht im Schacht.“ Vom Rauchen muss Lommer aus gesundheitlicher Sicht komplett abraten - wer auf die Pfeife nicht verzichten will, sollte auf ausreichend Frischluft von draußen achten.

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