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Dienstag, 22. Mai 2018 21° 1

Hegeschau

Jagd befindet sich in bewegter Zeit

Schwarzwildproblematik, Afrikanische Schweinepest und Klimawandel wurden von der Jägerschaft in Waldmünchen thematisiert.

  • Diese Landwirte erhielten die Auszeichnung Silbernes Rebhuhn von Landrat Löffler (M.)Foto: wbf.
  • Bei der Hegeschau wurden Gehörne und Geweihe ausgestellt.Foto: wbf
  • Auch eine Mufflon-Trophäe wurde ausgestellt.
  • Die Bläser eröffneten die Hegeschau.Foto: wbf

Waldmünchen. Waldmünchen. Die Afrikanische Schweinepest und die Schwarzwild-Problematik waren beherrschende Themen bei der Hegeschau im Gaubaldhaus in Waldmünchen. Die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Waldmünchen und die tschechischen Jagdhornbläser aus Taus eröffneten die Veranstaltung, die unter anderem dazu diente, die Arbeit der Jäger in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Neben der Hege und Pflege des Wildes beinhaltet die Jagd nämlich Aufgaben wie den Erhalt eines gesunden und artenreichen Wildbestandes sowie die Vermeidung von Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen Forst-, Land- und Fischereiwirtschaft.

„Die Jagd befindet sich in einer bewegten Zeit. Sie berührt die Menschen“, betonte Landrat Franz Löffler. Die Hegeschau besitze eine Botschaftsfunktion und die Themen bewegten die Gesellschaft. Das Gleichgewicht zwischen Jagd und Natur spiele eine wichtige Rolle.

Wolf und Fischotter

Löffler brachte das Thema Wolf zur Sprache und sagte, diese Tierart sei in der EU geschützt. Wenn allerdings vom Wolf Gefahr ausgehe, müsse eine Entnahme möglich sein, so Löffler. Im Übrigen sei eine Wolfpopulation nur in Reservaten möglich. Auch beim Fischotter, der ganz Weiher ausräume, müsse man noch in diesem Jahr Maßnahmen möglich machen. „Ohne Jagd geht es nicht“, stellte Löffler fest. Die Jäger und Waldbesitzer müssten zusammenarbeiten. Dunkle Wälder würden keine Naturverjüngung zulassen, gesunde Wälder müssten das Ziel sein.

Der Landrat verwies beim Thema Schwarzwild auf die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest. Es müssten alle erdenklichen Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Vor allem müsse der Schwarzwildbestand möglichst gering gehalten werden. Im Landkreis habe man Konfiskat-Sammelstellen sowie 13 Saufänge eingerichtet. die Verwendung von Nachtsicht-Vorsatzgeräten werde auf Antrag von Behörden genehmigt; sie seien ein probates Mittel, um den Schwarzwildbestand zu reduzieren. Löffler versprach an dieser Stelle die finanzielle Unterstützung durch den Landkreis.

Kreisgruppenvorsitzender Hans Bürcky betonte, die Jäger seien Leistungsträger der Gesellschaft in ehrenamtlicher Funktion. Die bayerischen Jäger hätten im letzten Jahr 60000 Schwarzwild erlegt, davon seien 10000 Stück durch die Staatsforsten geschossen worden. Bürcky führte den ständig zunehmenden Schwarzwildbestand auf den Klimawandel zurück. Durch die ständige Erwärmung wandert die Sau immer weiter nach Süden. Zudem gehe der Maisanbau, bedingt durch die vielen Biogasanlagen, bis an die Waldränder. Dies schaffe Deckung und ideale Bedingungen für das Schwarzwild.

Im Einzelansitz wurden etwa 70 Prozent des Schwarzwildes erlegt, so Bürckys Information. Mittlerweile sei auch die Schonzeit verkürzt worden, es gebe auch eine Abschlussprämie. Sollte allerdings die Schweinepest kommen, sei dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Die Nachtzielgeräte müssen kommen“, forderte Bürcky.

Zur Frage „Wann darf der Wolf geschossen werden?“ meinte er, die Politik lasse sich hier treiben. Zum Thema Verbiss merkte er an: „Hauptproblem ist der katastrophale Waldbau.“

Bürgermeister Markus Ackermann sprach den Jägern Dank, Anerkennung und Wertschätzung aus. Sie seien Leistungsträger und Vorbilder. Die Arbeit des Jägers erfordere hohen Arbeitsaufwand und umfasse ein großes Spektrum. Ackermann dankte für den Einsatz im Revier und in der Gesellschaft.

Ronald Burger von der Unteren Jagdbehörde bewertete die Hegeschau als wichtige Informationsveranstaltung rund um das Thema Jagd. Grundlage für die Erhöhung der Abschusspläne seien die forstlichen Gutachten. Es werde die aktuelle Verbisssituation festgestellt, dann gebe es revierweise Aussagen. Die Afrikanische Schweinepest müsse man so gut wie möglich meistern. In der Schwarzwildbejagung habe man heuer Jahr eine Rekordstrecke erreicht. Burger forderte eine revierübergreifende Bejagung, informierte über Saufänge, Nachtsicht-Vorsatzgeräte, die Sammelstellen, die Bayernweite Schonzeitaufhebung und die Aufwandsentschädigung von 20 Euro pro erlegtem Tier.

Veterinärmedizinerin Dr. Stefanie Berg informierte, dass die Afrikanische Schweinepest eine anzeigepflichtige Tierseuche ist. Es sei eine Viruserkrankung der Schweine, bei der innerhalb von sieben Tagen der Tod eintrete. Für den Menschen sei die Schweinepest ungefährlich. Berg wies auf die hohen wirtschaftlichen Schäden hin und zeigte die Übertragungswege auf.

Dr. Arthur Bauer, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, stellte das forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung vor. Es ist nach seinen Worten „eine Inventur wie in einem Betrieb und ein Hilfsmittel zur Erstellung der Abschusspläne“. Bauer ging dabei auf den Klimawandel ein. Hitze, Stürme und Dürreperioden und der Käferbefall nähmen zu. Weil der Wald Lebensgrundlage für alle sei, müsse er geschützt werden. Ein Waldumbau mit verschiedenen Baumarten sei zwingend erforderlich, da die Fichte allein in Zukunft erhebliche Probleme haben werde.

Streckenlisten vorgestellt

Für die Hegegemeinschaft Tiefenbach stellte der Hegeringleiter Christian Pongratz die Streckenliste (Abschusszahlen) im Detail vor. Er forderte Unterstützung für die Jäger, sollte die Schweinepest kommen. Steffi Daiminger berichtete über die Strecke der Hegegemeinschaft Waldmünchen und Josef Prokopetz über die der Hegegemeinschaft Rötz.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden die Landwirte Jakob Preißer, Heinrich Scherr, Mathias Wutz und Gerhard Rohrmüller mit der Auszeichnung Silbernes Rebhuhn geehrt. . Sie haben sich vorbildlich für einen artenreichen und gesunden Wildbestand sowie für die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen eingesetzt. (wbf).

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