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„Jetzt red i“: Die brisanten Themen aus Cham schafften es nicht ins Fernsehen

Volles Haus mit viel Erwartungen: Das Meiste blieb bei der Ausstrahlung im Fersnehen auf der Strecke.

Das Schönste der 45-minütigen „Jetzt red i“-Sendung des Bayerischen Rundfunks am Mittwochabend waren nicht die spannenden Themen und die packenden Antworten vonseiten der Politik, sondern zu sehen, wer so alles dabei war und wie die Chamer im Fernsehen ausschauen. Grundsätzlich haben sie keine schlechte Figur abgegeben, doch mehr als humorvolle Wortmeldungen zu Biber und Deichweg werden nicht übrig bleiben in der Erinnerung. Dabei waren die Themenvorgaben bei der Aufzeichnung in Kothmaißling vielfältig und durchaus provokant, um als Ergebnis etwas Besseres zu erwarten.

Und was ist mit der Berufsschule?

Ein brennendes Problem im Landkreis wie in vielen ländlichen Regionen, das etwa Stefan Mühlbauer als Auszubildender transportierte, war das Thema Berufsschulorganisation. Er forderte wie andere auch eine zentral Berufsschule – die Regie ließ das Thema aber bayernweit nicht zu Wort kommen. Ebenso wenig wie die Wortmeldungen zu Unstimmigkeiten rund um das geplante Naturschutzgebiet Regentalaue Gehör fanden oder der Wunsch von Angelika Sand nach einer Kindernotaufnahme in den hiesigen Kliniken. Nicht berücksichtigt wurde das für die Stadt wichtige und von Bürgermeisterin Karin Bucher vorgetragene Thema der ihrer Meinung nach ungerechten Verteilung der Gelder des Konjunkturpakets II.

Wenig Lösungsmöglichkeiten

Dafür suchten sich die Macher der Sendung zumeist die Themen heraus, bei denen Lösungsmöglichkeiten durch bayerische Politik weit weg sind. Hans Nagl, Chamer Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), etwa durfte den viel zu niedrigen Milchpreis anprangern. Die Antwort von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner fiel erwartungsgemäß aus: Schuld sei die EU-Kommission, die die Milchquote erhöhe, statt sie zu senken. Es gebe zu wenig Binnennachfrage, zu wenig Export und zu viel Milch. „Ich fürchte, die Talsohle ist noch nicht erreicht“, machte Brunner wenig Hoffnung auf Besserung. Er fordere von der EU, für mehr Export zu werben und die Inlandsnachfrage anzukurbeln, fügte Brunner an – um zumindest irgendetwas sagen zu können, was Bayerns Politik tue.

Die Staatsministerin im Umweltministerium, Melanie Huml, durfte auf Jürgen Vogls Deich-Gehweg-Problem am Drachensee in Furth im Wald antworten, dem die Spaziergänger ins Schlafzimmer und in den Garten schauen. Huml versprach, entweder ein Hecke oder eine Gehwegverlegung an den Fuß des Deichs. Bis zur Einweihung durch Minister Söder am 29. Mai solle das geklärt sein, versprach sie.

BRK-Rettungsdienstleiter Michael Daiminger, der die Neuregelung des EU-Führerscheins und damit verbundenen Schwierigkeiten für Retter und Helfer durch die Gewichtsbegrenzung ansprach, bekam eine Antwort von Innenminister Joachim Herrmann. Der gab sich kämpferisch, verwies aber wieder auf Berlin als verantwortliche Stelle. Dort werde man sich einsetzen.

Etwa gleiches bekam Gynäkologe Dr. Jürgen Bornhaupt zu hören, wenn auch zu einem anderen Aspekt. Dr. Bornhaupt hatte die Honorierung von Geburten als zu gering angeprangert und schilderte die Gefahr einer Schließung der Chamer Geburtenabteilung, die von Belegärzten aufrechterhalten wird. Zur Verbesserung der Arzthonorare habe Bayern eine Bundesrats- und eine Bundestagsinitiative in Berlin gestartet, erläuterte Melanie Huml, die auch für Gesundheit zuständig ist. „Ich halte die Belegärzte für wichtig“, so Huml.

Zumindest beim Problem von Alfons Klostermeier, der als Vhs-Vertreter Kurse zum Nachholen oder zur Verbesserung des Hauptschulabschlusses anbietet, gab es eine klarere Antwort. Und die kam vom Staatssekretär für Arbeit und Sozialordnung, dem Rodinger Markus Sackmann. Er versprach Geld aus der Freistaatkasse, falls die Kurse nicht mehr mit EU-Mitteln gefördert werden könnten. Nach den neuen Vorschriften sind nur noch Schüler ohne Abschluss förderbar – dann kämen aber keine Kurse mehr zustande, so die Befürchtung von Klostermeier.

Und wer setzte den Biber aus?

Und auch zur Blauzungenkrankheitsimpfung gab’s Aufklärung. Nämlich, dass sie nachgewiesenermaßen helfe und der Impfstoff jetzt auch zugelassen sei. Im Gegensatz zur Chamer Landwirtin konnte Melanie Huml von keinen Nachteilen berichten. Und den Namen von dem, der den Biber ausgesetzt hat, konnte sie Säp Kiesl auch nicht nennen.

Alles in allem war es eine schwache Vorstellung auf der TV-Bühne. Und das nicht, weil die Chamer sich nicht angestrengt haben, sondern weil das Meiste außen vor blieb, was die Bürger interessiert hätte, und die Politik keine Antwort wusste. Für eine ernsthafte Bürgersendung, die „Jetzt red i“ sein will, heißt das unterm Strich: Thema verfehlt!

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