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Einblick

Jubi-Bufdis haben gut lächeln

Für vier junge Leute geht in Waldmünchen ein Jahr Freiwilligendienst zu Ende. Wertvoll war die Zeit für jeden von ihnen.
Von Petra Schoplocher

Haben ihre Zeit an der Jugendbildungsstätte und die vielen Begegnungen mit Menschen und Mitarbeitern genossen: Die vier Bundesfreiwilligendienstleistenden Miriam Zierer, Christian Decker, Sebastian Lang und Jonas Dietl (von links), deren Jahr nun zu Ende geht. Foto: Schoplocher
Haben ihre Zeit an der Jugendbildungsstätte und die vielen Begegnungen mit Menschen und Mitarbeitern genossen: Die vier Bundesfreiwilligendienstleistenden Miriam Zierer, Christian Decker, Sebastian Lang und Jonas Dietl (von links), deren Jahr nun zu Ende geht. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Bei genauem Hinhören klingt fast ein wenig Entrüstung mit – als ob es überhaupt eine andere Antwort geben könnte. „Auf jeden Fall würden wir es wieder machen“, antworten Miriam Zierer, Michael Dietl, Christian Decker und Sebastian Lang wie aus einem Mund. Und logischerweise könnten sie „so ein Bufdi-Jahr an der Jubi“ nur jedem empfehlen.

Bufdi – das ist der Bundesfreiwilligendienst, den die Bundesregierung 2011 als Ausgleich für den Wegfall der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes. Für Miriam Zierer, Christian Decker und Jonas Dietl, die alle 2017 ihr Abitur an den Chamer Gymnasien bestanden hatten, kam er wie gerufen. „Ich hatte keine Ahnung, was ich studieren sollte“, sagt Miriam Zierer zurückblickend. Jetzt weiß sie es: Soziale Arbeit in Regensburg. In der Zeit an der Jugendbildungsstätte (Jubi) nämlich habe sie ein Gespür entwickeln können für das, was ihr wichtig ist. Und da steht ganz oben: der Umgang mit Menschen. Das Hineinschnuppern in eines der vielen Berufsorientierungsseminare habe ihr sogar so gut gefallen, dass sie sich eine Mitarbeit vorstellen könnte. „Die Jubi wird mich also ziemlich sicher wiedersehen“, schmunzelt die 18-Jährige aus Wiesing bei Roding.

Gleich der Folgejob

Sebastian Lang beim Auffüllen des Automaten, auch eine Aufgabe der „Freiwilligen“. Der 21-Jährige ist der Einzige des Quartetts, der schon eine Ausbildung abgeschlossen hat und „noch einmal etwas anderes sehen wollte“, ehe er ins Berufsleben einsteigt. Foto: ps
Sebastian Lang beim Auffüllen des Automaten, auch eine Aufgabe der „Freiwilligen“. Der 21-Jährige ist der Einzige des Quartetts, der schon eine Ausbildung abgeschlossen hat und „noch einmal etwas anderes sehen wollte“, ehe er ins Berufsleben einsteigt. Foto: ps

Sebastian Lang wird die Jubi nach seiner Zeit als Bufdi gar nicht erst verlassen, sondern gleich einen Ferienjob anhängen. Der 21-Jährige aus Nördlingen hatte nach seiner Ausbildung eine Stelle gesucht, die zumindest irgendwie eine Schnittmenge zu seinem gelernten Beruf als umweltschutztechnischer Assistent aufweist. Besonders positiv sei ihm aufgefallen, dass alle im Haus die Bufdis auf Augenhöhe sehen würden, gleichzeitig aber gesehen werde, dass man nicht alles könne oder können müsse.

Wie viele Betten Miriam Zierer in den vergangenen Monaten bezogen hat, vermag sie nicht mal zu schätzen. „Eine Menge“, schmunzelt sie. Es sei aber ein gutes Gefühl gewesen, die Zimmer für die Gäste herzurichten. Foto: ps
Wie viele Betten Miriam Zierer in den vergangenen Monaten bezogen hat, vermag sie nicht mal zu schätzen. „Eine Menge“, schmunzelt sie. Es sei aber ein gutes Gefühl gewesen, die Zimmer für die Gäste herzurichten. Foto: ps

Auch Miriam Zierer spricht vom Jubi-Team ganz selbstverständlich als große Familie, die zusammen hilft: „Du gehörst einfach dazu.“ Zwar gebe es Instanzen, aber das Zusammenspiel funktioniere gut. So gut, dass die jungen Mitarbeiter auch Wünsche zu ihren Einsatzgebieten äußern durften. „Das hat fast immer geklappt.“

Natürlich habe es aber auch Wochenenddienste („die ersten waren ganz schön hart“) und Überstunden an den Abenden gegeben. Doch trotz dieser und der Größe des Hauses – bei voller Belegung sind 160 Gäste da – sei die Arbeit (angelegt sind 39 Wochenstunden) „entspannt“.

Neben der alltäglichen Arbeit vom Bettwäschewechseln über Hilfe für den Hausmeister habe es auch immer wieder Highlights gegeben. Jonas Dietl erzählt von einem CAJ-Zeltlager vor einigen Wochen. Auch eine Fahrt mit einem unbegeleiteten minderjährigen Flüchtling, den er nach München fahren sollte, damit er dort seine Familie wiedertreffen kann, war „ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde“.

Zwar galt schon eher die Aufteilung „Mädchen an die Rezeption, Jungs zur Haustechnik“ festgelegt, der Dienst am Empfang blieb aber auch den männlichen Bufdis – hier Christian Decker – nicht erspart. Was auch nicht nötig gewesen wäre, auch das machte Spaß. Foto: ps
Zwar galt schon eher die Aufteilung „Mädchen an die Rezeption, Jungs zur Haustechnik“ festgelegt, der Dienst am Empfang blieb aber auch den männlichen Bufdis – hier Christian Decker – nicht erspart. Was auch nicht nötig gewesen wäre, auch das machte Spaß. Foto: ps

Christian Decker wusste gar nicht, dass es an der Jubi Bufdis gibt. „Mein Vorgänger ist auch aus Schönthal, der hat mir davon erzählt“, berichtet der 19-Jährige, der im Herbst ein duales Studium in Straubing beginnen wird. Auch er sagt, dass ihm diese Zeit zur Orientierung sehr gutgetan habe. Für Jonas Dietl hat sich das Jahr in doppelter Hinsicht gelohnt: Zum einen nehme er „viel mit“, zum anderen aber hat er nun die Lehrstelle als Industriekaufmann bekommen, die er sich gewünscht hatte.

Nach Dienstschluss auseinanderströmen bis zum nächsten Morgen? Mitnichten! Den ein oder anderen Abend haben die Bufdis mit verschiedenen Gruppen im Schlosskeller verbracht, auch sonst haben sie einiges miteinander – manchmal zusammen mit anderen jungen Leuten, die ein Freiwilliges Soziales oder Ökologiesches Jahr oder ein Praktikum absolvierten – unternommen. Deswegen sind sie sich auch sicher, dass sie sich nicht aus den Augen verlieren werden.

Miteinander auf allen Ebenen

Dann also doch die Haustechnik. Michael Dietl wechselt eine Glühbirne und ging somit, wie auch seine Kollegen, dem Hausmeister zur Hand. „Zu tun war eigentlich fast immer etwas“, meint der 19-Jährige aus dem Waldmünchener Ortsteil Höll. Foto: ps
Dann also doch die Haustechnik. Michael Dietl wechselt eine Glühbirne und ging somit, wie auch seine Kollegen, dem Hausmeister zur Hand. „Zu tun war eigentlich fast immer etwas“, meint der 19-Jährige aus dem Waldmünchener Ortsteil Höll. Foto: ps

Für Sebastian Lang, der wegen der Entfernung auch an den Wochenenden selten nach Hause gefahren und in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, passt(e) auch Waldmünchen sehr gut. Nein, langweilig sei es ihm nicht geworden. „Es ist schön hier“, sagt der 21-Jährige. Miriam Zierer war nicht zuletzt von der Altersspanne der Gäste überrascht. Sogar eine 90-Jährige habe sie kennengelernt. Diese Gespräche und überhaupt das Miteinander auf allen Ebenen sei wunderbar und etwas, „das ich schon vermissen werde“.

„Die Bundesfreiwilligendienstleistenden sind eine wichtige Stütze in unserem Alltag“, streicht Geschäftsführer Alois Nock heraus. Dies und der Anspruch der Jubi, jungen Menschen Etwas fürs Leben mitzugeben, motivierten sein Haus, immer wieder „Bufdis“ einzustellen. Aktuell sind noch Stellen mit Arbeitsbeginn nach Absprache frei. Wer Interesse hat, kann sich bei Alois Nock erkundigen und sich auf der Homepage Informationen holen. Die Kontakte: office@jugendbildungsstaette.org und www.jugendbildungsstaette.org.

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