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Fasching

Julia Meister ist die Königin in Roding

Beim Burschenball am Rosenmontag wurde das Geheimnis um die Ballkönigin endlich gelüftet — zuvor gab es noch eine Finte.
Von Peter Nicklas

  • Burschenvorstand Rudolf Heinz mit der charmanten Ballkönigin Julia Meister Foto: Nicklas
  • Julia Meister hat an die 140 Ballorden per Hand gefertigt. Foto: Nicklas

Roding.„Die kann’s nicht sein – oder doch?“ Noch kurz vor dem Eintreffen der Burschenkutsche vor der Stadthalle in Roding wurde gerätselt, wer denn nun heuer die Ballkönigin sein könnte — nach dem Kronenklau und der Runde durch die Stadt in der Kutsche mit einer winkenden „Königin“.

Burschenvorstand Rudolf Heinz hatte sich nämlich am Rosenmontag noch einmal eine Finte ausgedacht. Die abendliche Ballkönigin hatte sich unter die Mädchen gemischt, die erwartungsvoll der Dinge harrten, die da kommen — und tat so, als würde sie mitfiebern. Auch ihr späteres Ballkleid hatte sie nicht an. Als es Zeit war, entschwand sie durch den Hinterausgang, um dann mit der Kutsche erneut zu erscheinen, diesmal mit Burschenvorstand und Brettlhupfer nach altem Brauch.

Polonaise in die Stadthalle

In einem Traum ganz in eisblau aus dem Modehaus Ebnet in Stamsried, der Rock in Tüll und das Oberteil paillettenbesetzt, zog Julia Meister an der Spitze der Polonaise in die Stadthalle ein. Sie war eine attraktive und charmante Königin der Ballnacht, und „Königin“ war sie schon einmal vor nicht allzu langer Zeit. Der Obst- und Gartenbauverein Obertrübenbach/Kalsing hatte sie im Herbst des vergangenen Jahres zu seiner Weinkönigin gekürt.

Julia Meister, Tochter von Josef und Marlies Meister, zählt 22 Lenze und gibt „Tanzen und Ausgehen“ als Hobbys an. Etliche Bälle hat sie heuer schon absolviert und sie tanzt nicht nur dabei gern, sondern auch in einer Chamer Tanzgruppe. Julia Meister arbeitet in einem Straubinger Autohaus. Bald nach seiner Wahl zum Vorstand des Burschenvereins Roding im Herbst vergangenes Jahres hat Rudolf Heinz Julia zunächst gefragt, ob sie Lust auf einen Kaffee hätte und dann, ob sie Ballkönigin beim Burschenball sein möchte — und sie hat begeistert Ja gesagt.

Und warum keine Rodingerin? „Diese Frage musste kommen“, so Rudolf Heinz. Kalsing gehöre nun einmal auch zu Roding und Julia sei „die perfekte Ballkönigin“. Jeder kenne sie in Roding, sie sei beliebt und auch ihr Freund Dominik gehöre zum Burschenverein, war schon drei Jahre lang Mitglied der Vorstandschaft. „Ich bin doch eine gebürtige Rodingerin“ ergänzt Julia, denn immerhin ist sie noch im Rodinger Krankenhaus zur Welt gekommen und wurde auch am Standesamt Roding beurkundet.

Und auch der Burschenball ist Julia seit früher Jugend ein Begriff. Sie war gerade süße 15 Jahre alt, als sie ihn das erste Mal besuchte, weil ein Bursche dringend eine Partnerin für den Einzug brauchte. Wann sie damals nach Hause kam? Immerhin war ihre Mutter mit dabei und es soll weit nach Mitternacht gewesen sein.

140 Ballorden

Zur Aufgabe der Ballkönigin beim Burschenball gehört es nicht nur, gut auszusehen, am Rosenmontagsball mit dem Burschenvorstand einzumarschieren, fleißig zu tanzen und auszuhalten bis in die frühen Morgenstunden, sondern die Vorbereitungen beginnen schon eine ganze Zeit vorher. Das Ballkleid muss ausgesucht und angepasst werden, vor allem müssen die Ballorden gefertigt werden. Denn anders als bei den übrigen Damen des Abends ist es für die Ballkönigin guter Brauch, nicht nur den Burschen des Herzens und einige Freunde mit einem Ballorden zu beglücken, sondern möglichst viele an die Revers zu heften, sind sie doch auch Erinnerungsstücke.

„Schon eine Zeit lang“, ist die Antwort von Julia Meister auf die Frage, wie lange sie denn an ihren Ballorden gearbeitet habe. Fast 140 Stück sind es geworden, die sie beim Abklatschwalzer verteilen will. In der Farbe sind sie dem Ballkleid angepasst und mit ihrem Namen und der Aufschrift „Burschenball 2015“ versehen.

Ein 110 Jahre alter Ballorden

  • Tradition

    Die Ballorden sind äußeres Zeichen der Verehrung der Mädchen gegenüber den Burschen. Sie gehen zurück auf eine lange Tradition und werden jeweils im Laufe des Abends beim Abklatschwalzer vergeben.

  • Arbeit

    Die Ballkönigin selbst wappnet sich mit über 100 Exemplaren. Auch Julia Meister hat sie in mühseliger Arbeit selber gefertigt. Alle Mädchen, die am Anfang mit einem Partner an ihrer Seite einziehen, sollten an die 20 Ballorden in ihrem Körbchen haben.

  • Am Frack

    Sie werden den Burschen an den Frack geheftet und je schöner einer am Faschingsdienstag dekoriert ist, desto lieber zieht er durch die Straßen.

  • Initialen

    Wie weit die Tradition dieser Ballorden mindestens zurückgeht, darüber kann Waltraud Schmid ein gutes Zeugnis vorweisen. Im Familienbesitz befindet sich ein Ballorden, der 1904, also vor über 110 Jahren, angefertigt wurde. Neben der Jahreszahl trägt er die Initialen AS, die für Anna Schmid stehen dürften. (pn)

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