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Kommune

Kampf gegen Leerstände in Bad Kötzting

Der Stadtrat sorgt sich ums Stadtzentrum. Ein neues Gutachten soll abhelfen. Zuvor zieht aber noch Takko an den Stadtrand.
Von Stefan Weber und Roman Hiendlmaier

Dieser Leerstand wurde beseitigt: Der Stadtrat gab grünes Licht für einen „Takko“-Markt im ehemaligen Hitchcock-Schlecker-Gebäude. Foto: rh
Dieser Leerstand wurde beseitigt: Der Stadtrat gab grünes Licht für einen „Takko“-Markt im ehemaligen Hitchcock-Schlecker-Gebäude. Foto: rh

Bad Kötzting.Es bewegt sich gerade viel hinter den Kulissen der Einkaufsstadt Bad Kötzting. Grund(Lage) ist das Einzelhandelsgutachten der Markt- und Standortanalysten von Popien und Partner aus München, die sich zum zweiten Mal nach 2009 die Einzelhandelslandschaft in der Badstadt genauer angeschaut haben.

Was dabei herauskam, also wie die Stadt die Empfehlungen von Dr. Ralf Popien umsetzen will, verrät Bürgermeister Markus Hofmann nicht – das soll bei einer Veranstaltung mit den Verfahrensbeteiligten und natürlich auch Dr. Popien publiziert werden.

Klar gesagt hat der Stadtrat am Dienstagabend aber das, was er nicht will: eine weitere Einkaufs-Attraktion außerhalb des Stadtbereichs, ganz besonders nicht weitere Super- oder Fachmärkte mit innenstadtrelevanten Sortimenten.

Bloß keinen Discounter draußen

Genau das hatte beispielsweise die Passat Grundstücksgesellschaft von Investor Josef Saller angestrebt, als sie 2013 das Gelände der ehemaligen Holhut-Möbelfabrik in der Arnbrucker Straße ersteigerte. Zunächst hatte das Unternehmen dort ein mehr als 5000 Quadratmeter umfassendes Einkaufszentrum samt Fastfood-Restaurant geplant – aufgrund der Dimensionierung sagte das Landratsamt schon bei der Bauvoranfrage „Nein“. Daraufhin wurde eine kleinere Version der Pläne mit Super- und Getränkemarkt als Bauantrag vorgelegt. Auch das wollte der Stadtrat 2015 so nicht durchwinken.

So ging’s nicht: Das Saller-Projekt am Holhut-Gelände, Stand 2015 Grafik: MZ
So ging’s nicht: Das Saller-Projekt am Holhut-Gelände, Stand 2015 Grafik: MZ

Grund dafür war, dass damit der damals achte Supermarkt in die Stadt gekommen wäre. Ob dessen Notwendigkeit hegten die Stadträte ohnehin Zweifel, die dezentrale Lage an der Ausfallstraße neben einem Discounter, den man ohnehin gern innenstadtnäher sehen würde, sorgte für das Senken des Daumens nach unten. Ob es an diesem Projekt lag oder an der Erkenntnis, dass ihnen die städtebauliche Planung aus der Hand zu gleiten drohte – die Stadräte griffen zu einem Mittel, das ihnen zumindest Zeit verschaffte: eine Veränderungssperre.

Das einstimmig beschlossene Einfrieren des Status quo – inklusive Bestandsschutz – verschaffte dem Bauamt Zeit, das Stadtgebiet so zu überplanen, dass künftig eindeutig geregelt wird, wer wo was verkaufen darf.

„Wir müssen uns als Stadtrat selbst an der Nase packen“, formulierte das Problem der Bürgermeister 2015. „Wir selbst waren nie städtebau-planerisch unterwegs.“ Das Signal der nun beschlossenen Maßnahmen sei, zu zeigen, „dass die Stadt vorgibt, was sie will“. Manko sei, dass viele Bebauungspläne in der Stadt „30 bis 40 Jahre“ alt seien, „und in der Zeit hat sich einfach vieles geändert“, so Hofmann. Geändert hat sich in Bad Kötzting seit Beginn der Veränderungssperre auch einiges, nicht immer zum Besseren. Zwar ist mit der Norma der nächste Lebensmittel-Discounter näher ans Zentrum gerückt – was Popien ausdrücklich begrüßte –, aber auch die Leerstände rund um den Stadtkern sind mehr geworden, was fast alle Fraktionschefs in ihren Haushaltsreden bedauert haben.

Fürs Zentrum und die Peripherie

  • Innestadtrelevant

    Als innestadtrelevant werden laut IHK Sortimente bezeichnet, die die Attraktivität und das Einkaufserlebnis eines Zentrums stärken, oder bei ihrer Ansiedlung zu mehr Belebung führen können. Dazu gehören Bücher, Schreibwaren, Pharmazeutika, Drogeriewaren, Elektrowaren, Schmuck, Spielwaren, Sportartikel, etc.

  • Nicht innestadtrelevant

    Andere Branchen und Warengruppen sind in zentralen Lagen nicht erforderlich, oder haben andere Anforderungen in puncto Flächenbedarf, An- und Abtransport, etc. Dazu zählen Sanitärerzeugnisse, Kfz und Motorräder, Baustoffe, Küchen, Möbel, Campingartikel, Gartenausstattung, Werkzeuge, etc. (Quelle: IHK)

In der Sitzung am Dienstagabend erfolgte nun einer der letzten Schritte vor einem großen Wurf, den der Bürgermeister präsentieren will. Der Stadtrat schickte den Bebauungsplan „An der Arnbrucker Straße“ in die vierwöchige Auslegung, der klar sagt, was die Stadt dort nicht noch mehr haben will: „innenstadtrelevante Sortimente“ von der Brille bis zum Sportartikel, vom Buch bis zu Uhren und Schmuck. Gehen in diesen vier Wochen keine Klagen ein, kann der Stadtrat nach Pfingsten den Deckel drauf machen.

Was macht Saller?

Dass beispielsweise Holhut-Investor Haller die Pläne nicht gefallen könnten, kann sich der Bürgermeister vorstellen. Es sei aber beileibe nicht so, dass dort gar nichts mehr gebaut oder verkauft werden dürfe. Es gebe Alternativen zu den innenstadtrelevanten Sortimenten – Gewerbe beispielsweise, oder ein Gartenfachmarkt, oder ein Fast-Food-Restaurant ......

Das Augenmerk des Stadtrats aber liegt auf der Innenstadt, um dessen Belebung man sich bemüht, damit die Leerstände weniger werden. Als erstes hatte er am Dienstagabend aber einen Leerstand zu beenden, der seit langem an einer Ausfallstraße besteht: Ins leere Schlecker-Hitchcock-Gebäude an der Lamer Straße zieht mit „Takko“ ein Filialist für Billig-Mode. Als er von diesem Bauantrag erfahren hat, soll Gutachter Popien davon nicht begeistert gewesen sein. Aber der Bestandsschutz der Immobilie plus die Beseitigung eines Leerstands überwogen. „Aber das war’s dann an der Lamer Straße“, zitierte der Bürgermeister den Einzelhandels-Experten ...

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