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Historie

Kapelle mit 200-jähriger Geschichte

1780 wurde das Kleinod am Ortseingang von Miltach durch die Schönprunner erbaut. Heute wird sie von den Nachbarn gepflegt.

Auf dem ältesten Foto (1917) sind viele Totenbretter zu sehen. Repro: Vogl
Auf dem ältesten Foto (1917) sind viele Totenbretter zu sehen. Repro: Vogl

Miltach.Der Bau der Marien-Kapelle am Ortseingang von Miltach geht höchstwahrscheinlich auf das Jahr 1780 zurück, wie aus einer Kalksteinplatte über dem Eingang zu erfahren ist. Das steinerne Dokument enthält neben dem Wappen der damaligen Schlossbesitzer folgende Inschrift:

„I. N. W. F. v. S. V. M. H. et K. A. 1780“. Diese Buchstaben stehen für „Johann Nepomuk Wenzel Freiherr von Schönprunn auf Miltach, Heitzelsberg und Krailing“. In „Kunstdenkmäler Bayern, Bezirksamt Kötzting“, wird 1922 für den Sakralbau ein kleiner rechteckiger, flachgedeckter Innenraum mit Rundchor angegeben. Die Einrichtung bestand damals hauptsächlich aus einem Rokokoaltärchen aus der Zeit um 1780. Neben einigen kleinformatigen Apostelbildern befand sich hier das Holzrelief „Mariens Tod“, eine Arbeit der Spätgotik um 1520.

Kapellen-Kunst für die Kirche

Diese kunsthistorisch wertvolle Darstellung befindet sich jetzt im Chorraum der Pfarrkirche. Das Deckenfresko zeigt die Heilige Familie bei der Rückkehr aus Ägypten. Vier Fenster erhellen den Innenraum. Bis zum Zweiten Weltkrieg befanden sich in dem sechseckigen Türmchen noch zwei kleine Glocken, von denen die ältere nach den Aufzeichnungen von Expositus Holzgartner einen kunstgeschichtlich hohen Wert besaß. Der untere Durchmesser betrug 27 Zentimeter. Die weiter oben hängende Glocke ohne Inschrift war neueren Datums. Sie wog 18 Kilogramm. Allem Anschein nach goss sie 1837 Josef Anton Spannagl in Regensburg.

Rund um den Sakralbau

  • Bedeutung:

    Jedes Jahr finden sich im Monat Mai Marienverehrer in der Maria-Hilf-Kapelle zu Maiandachten ein. Die Organisation übernehmen die Nachbarn. Sie sind es auch, die sich für die Pflege der Kapelle einsetzen. Sie mähen den Rasen und sorgen für frischen Blumenschmuck am Altar. Neben den Maiandachten hat die Kapelle keine weitere liturgische Funktion, außer am Kirchweihfest, wenn der Martiniritt hier eine geistliche Station einlegt.

  • Entwicklung:

    Bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Kapelle noch allein an der Kötztinger Straße, etwa 300 Meter vom Miltacher Ortsrand entfernt. Erst 1948 begann die Bautätigkeit in der inzwischen auf etwa 30 Wohngebäude angewachsenen Kapellensiedlung.

  • Bau:

    Bemerkenswert ist, dass Sattlermeister Adolf Neumeier als erster Bauherr für sein Haus noch tausende Ziegelsteine selbst anfertigte. (kvg)

Der Eingangsbereich zur Straße hin wurde von einer hölzernen Vorhalle geschützt. Hier und im weiteren Außenbereich standen bis 1935 zahlreiche Totenbretter, wie auf alten Fotos zu sehen ist. Nicht unerwähnt soll der Brunnenauslauf links des ehemaligen Treppenaufganges sein, der selbst in niederschlagsarmen Jahren Wasser spendete. Inzwischen ist der Brunnenauslauf verschwunden. Eine Chronik berichtet, dass die Kapelle irgendwann durch Blitzschlag abbrannte. Da sich Freiherr von Schönprunn in finanziellen Schwierigkeiten befand und sich nicht um den Wiederaufbau kümmerte, übernahmen die Ortsbewohner die Instandsetzung. In der Pfarrregistratur gibt es folgendes Protokoll über den Vorgang: „Michl Zankl von Schwarzendachsberg sagte am 28. Oktober 1895 aus. Die Kapelle wurde 1831 wieder erbaut und im Advent 1831 durch Pfarrer Xaver Eibl aus Chamerau eingeweiht. Das benötigte Holz schenkte Baron Schönprunn. Die Steine brachten die Einwohner von Miltach, Höhenried, Kreuzbach und Oberndorf unentgeltlich. Den Kalk kaufte Matthias Zankl, ein gebürtiger Miltacher, der bei Graf Preysing, Moos, als Hausmeister angestellt war“.

Mehrmals renoviert

Auch danach waren laufend größere Renovierungen und kleinere Ausbesserungen notwendig, so zum Beispiel 1938 und 1975. Bei der letzten Renovierung wurde ein Glasbehälter entdeckt, in dem sich ein Schriftstück mit folgendem Text befand: „Im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Im Jahre des Heils, im 17. Jahr der glorreichen Regierung Sr. Heiligkeit des Papstes Pius XI., als Exzellenz Dr. Michael Buchberger, Bischof von Regensburg, Gottfried Wensauer, Expositus in Miltach war, als Adolf Hitler Kanzler des Deutschen Reiches, Karl Griesbeck kommissarischer Bürgermeister von Miltach war, konnte im Juli und August Mariahilf-Kapelle bei Miltach dank des Opfersinns der Expositurangehörigen gründlich restauriert werden. (...) Kirchenverwaltung Miltach: Alois Wanninger, Oberndorf; Johann Früchtl, Eben; Xaver Holzfurtner, Miltach; Paul Vogl, Oberndorf; Ludwig Breu, Miltach.“

Bei diesen Arbeiten bekam das sechseckige Türmchen vermutlich auch seine Blechverkleidung. Auf historischen Fotos sind die Einschusslöcher zu sehen, die von übermütigen US-Soldaten stammten. (kvg)

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