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Kirche

Kaplan Rémys Lachen wird bleiben

Nach vier Jahren verlässt Kaplan Rémy Kasanda Traitsching. Er nimmt Freundschaften mit – und lässt viel Herzlichkeit zurück.
Von Frank Betthausen

Kaplan Rémy Kasanda mit Breze, Weißwurst und seinem typischen, herzlichen Lachen: Bei seiner offiziellen Verabschiedung Ende Juli in Wilting hatten seine Ministranten einen Bayerisch-Test für ihn vorbereitet. Foto: Brem
Kaplan Rémy Kasanda mit Breze, Weißwurst und seinem typischen, herzlichen Lachen: Bei seiner offiziellen Verabschiedung Ende Juli in Wilting hatten seine Ministranten einen Bayerisch-Test für ihn vorbereitet. Foto: Brem

Traitsching.Habe d’Ehre, Herr Kaplan!

(lacht) Habe d’Ehre!

Wie gut ist Ihr Bayerisch mittlerweile? Den Test der Ministranten bei ihrer offiziellen Abschiedsfeier in Wilting haben Sie mit ein wenig Nachhilfe bestanden.

Mein Bayerisch ist noch genauso gut wie gestern oder bei meiner Verabschiedung. Ich lerne es immer noch, aber ich beherrsche nicht allzu viel. Bayerisch ist schwerer als Deutsch, das muss man wirklich sagen (lacht).

Wann haben Sie begonnen, Deutsch zu lernen?

Das war noch im Kongo – im Priesterseminar. Dort gab es die Möglichkeit, Englisch zu wählen oder Deutsch. Ich habe mir gesagt: Englisch hast du schon in der Schule gelernt – du möchtest eine neue Sprache kennenlernen. Als ich nach Rom gekommen bin, um Theologie zu studieren, wollte ich mein Deutsch weiter verbessern. Deswegen habe ich Kurse des Goethe-Instituts in Schwäbisch-Hall und Mannheim besucht. Und: Ich habe als Student in den Ferien in deutschen Firmen gejobbt – in Bocholt, in Schweinfurt und in Sindelfingen bei Mercedes. Das hat mir sehr geholfen – die Unterhaltung mit den Leuten war wichtig.

Sie sind ein ungemein fröhlicher Mensch. Was kann Sie überhaupt verärgern?

(lacht) Ich bin sehr voller Respekt den Menschen gegenüber. Umgekehrt möchte ich das aber auch – dass mir die anderen respektvoll begegnen. Wenn ich respektlos behandelt werde, kann mich das ärgern. Oder wenn man mich nicht ernst nimmt.

Haben Sie das erlebt: Dass Sie jemand nicht ernst genommen hat, weil Sie aus einem anderen Land kommen, weil Sie eine andere Hautfarbe haben?

Nein, das muss ich aufrichtig sagen: Hier habe ich diese Erfahrung nicht gemacht. Hier sind und waren alle Menschen voll Respekt.

Wenn man mit den Gläubigen in der Gemeinde Traitsching spricht, hört man oft: „Der Rémy ist so herzlich und authentisch. Das fehlt der Kirche“.

Bevor man Priester wird, muss man zuallererst menschlich sein. Das gehört dazu. Priester zu sein, das ist kein Beruf. Das ist ein Dienst für die Menschen. Und in einem solchen Dienst muss man zuerst einmal menschlich und herzlich sein – sonst geht es nicht.

Aus dem Leben von Dr. Rémy Kasanda

  • Heimatland:

    Dr. Rémy Kasanda ist 55 Jahre alt und stammt aus der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika. Er hat einen jüngeren Bruder, der bis heute in seiner Heimat lebt, und wuchs in armen Verhältnissen nahe Idiofa auf (rund 61 000 Einwohner, südöstlich der Hauptstadt Kinshasa).

  • Studium:

    Kasandas Mutter starb sechs Tage vor seiner Priesterweihe 1992, sein Vater einige Jahre später. Der 55-Jährige besuchte das Priesterseminar im Kongo. Ab 1987 studierte er in Rom Theologie. Seine Doktorarbeit schrieb er über den Schweizer Theologen Hans Urs von Balthasar.

  • Wechsel:

    Zum 1. September 2014 kam er als Priester fest nach Deutschland und übernahm die Stelle als Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Wilting-Sattelpeilnstein-Sattelbogen. Zum 1. September 2018 wechselt er in die Pfarreiengemeinschaft Reinhausen-Sallern nach Regensburg. (bf)

Aber das schafft nicht jeder.

Leider! Aber hier kommt auch der Charakter eines Menschen ins Spiel. Nicht alle können herzlich sein. Jeder Mensch hat seinen Charakter.

Ist das die afrikanische Mentalität, die Sie da beeinflusst?

Nicht unbedingt. Nicht alle Afrikaner sind so (lacht).

Sie sind jemand, der auch seinen Glauben sehr authentisch lebt. Wie weh tut es Ihnen, dass heute immer mehr Kirchenbänke leer bleiben, dass Gottesdienste vor halb vollen Kirchen stattfinden?

Das tut mir wirklich weh, sonntags in die Kirche zu kommen, die Messe zu halten – und die Kirche fast leer zu sehen. Das sind Momente, in denen ich mir viele, viele Fragen stelle. Warum sind die Leute nicht gekommen? Haben sie vielleicht sogar etwas gegen mich? Habe ich jemanden verletzt? Die Gründe dafür kenne ich am Ende des Tages nicht. Ich kann auch nicht jeden Einzelnen fragen oder anrufen: Warum warst Du nicht in der Kirche? Das ist leider ein Trend dieser Zeit. Die Ursache? Liegt es daran, dass es den Menschen so gut geht, dass sie keine Not haben und Gott nur brauchen, wenn es ihnen schlecht geht? Ich weiß es nicht…

Was muss die Kirche tun, um hier gegenzusteuern? Fehlen der Kirche die Rémys?

(lacht) Ich könnte nicht sagen, dass die Leute mehr in die Kirche kommen, seitdem ich hier bin. Was kann die Kirche tun? Ich denke, dass die Kirche mit den und neben den Menschen sein muss. Sie muss den Menschen nahe sein. Ich habe den Eindruck, dass die Kirche vielleicht manchmal ein wenig zu sehr in Abstand zu den Leuten geraten ist. Ich glaube, die Menschen sind einfach froh, wenn der Priester mit ihnen lebt und zu ihnen geht. Oft sehen die Gläubigen den Priester erst einmal als jemanden, der etwas außerhalb steht. Aber das liegt dann am Geistlichen selbst, dass er sich bemüht, bei den Menschen zu sein, dass er mit ihnen redet, lacht, spricht…

Wie sehr wird Ihnen die Pfarreiengemeinschaft Wilting-Sattelpeilnstein-Sattelbogen fehlen?

Viel! Viel!

Abschied von Dr. Rémy Kasanda

Und was wird Ihnen am meisten fehlen?

Die Kinder! Und die Jugendlichen! Als ich hierhergekommen bin, habe ich das in meiner ersten Rede in Wilting gesagt: „Ich bin neu. Ich möchte mit Ihnen leben, lachen, reden, spielen… Und wenn es etwas zu beweinen gibt, dann weinen wir zusammen“. So habe ich meinen Dienst immer gesehen. Das ist meine Vorstellung. Und das gilt besonders für die Kinder. Jesus hat nicht Unrecht, wenn er im Evangelium sagt: Lasst die Kinder zu mir kommen! Die Kinder kommen ja nicht allein – sie kommen mit ihren Eltern. Wenn ich eine gute Beziehung zu den Kindern habe, habe ich sie auch zu den Eltern.

Was nehmen Sie mit aus Traitsching?

Nach Regensburg nehme ich diese Freundschaft und Aufrichtigkeit mit. Die Menschen hier sind wirklich aufrichtig! Das werde ich nie vergessen!

Hand aufs Herz: Wie gern wären Sie geblieben?

Wenn es von mir abhängen würde, wäre ich noch hiergeblieben. Aber Priester und das Militär können in diesem Punkt nicht für sich entscheiden.

Ihr Nachfolger für die Pfarreiengemeinschaft, Pfarrer Johannes Kiefmann, ist mit 37 Jahren überraschend gestorben.

Das hat mir wehgetan. Ich kannte ihn nicht und habe ihn nie getroffen. Ich habe es in der Zeitung gelesen und vorher einen Anruf des Domkapitulars bekommen. Diese Nachricht hat mich getroffen. Das ist sehr tragisch!

All das heißt aber nicht, dass Sie länger bleiben?

Nein, es bleibt bei meinem Umzug zum 1. September.

Was wollen Sie Traitsching zum Abschied sagen?

Bevor ich gehe, sage ich zu Traitsching. Bleib’ wie du bist! Das hat man zu mir zum Abschied auch gesagt (lacht). Erhalte dir diese Offenheit und diese Art, Fremde zu empfangen!

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