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Tierschutz

Katzenhelfer könnten Hilfe gebrauchen

Dem steigenden Aufwand des Kötztinger Tierfreundekreises nur mit ehrenamtlicher Tierliebe zu begegnen, wird immer schwerer.
Von Roman Hiendlmaier

Ein paar mehr könnten’s schon noch werden: Die Ehrenamtlichen im Tierfreundekreis um Vorsitzenden Karl Wartha (r.) bräuchten noch Verstärkung.
Ein paar mehr könnten’s schon noch werden: Die Ehrenamtlichen im Tierfreundekreis um Vorsitzenden Karl Wartha (r.) bräuchten noch Verstärkung.

Bad Kötzting.Es ist ruhig an diesem Mittwoch im Miltacher Katzenhaus. Rund ein Dutzend Samtpfoten döst zwischen Fensterbrett und Kratzbaum vor sich hin. Für Betrieb sorgen lediglich Katja Heitzer und Carola Kiefl. Die beiden Schülerpraktikantinnen des Schuman-Gymnasiums kümmern sich diese Woche ums Wohlergehen der Stubentiger und erfahren darüber hinaus von Kassierin Annemarie Rosenlehner einiges über die Vereinsarbeit im und ums Katzenhaus des Tierfreundekreises.

Seit sieben Jahren ist das kleine gelbe Häuschen am Ortsrand von Miltach die gute Stube für bis zu 30 Samtpfoten und natürlich Treffpunkt der Vereinsmitglieder und Freunde des 2002 gegründeten Vereins. Der hat sich seitdem einen guten Ruf erarbeitet: Es hat sich herumgesprochen, dass die Katzen aus der Ringstraße 19 sehr gepflegt sind – und so kommen Tierliebhaber aus ganz Bayern nach Miltach, um sich hier einen Stubentiger abzuholen. 200 bis 300 Tiere werden jedes Jahr vermittelt.

365 Tage pro Jahr für Tiere da

So gut es den Vierbeinern im Katzenhaus geht, bei den für sie verantwortlichen Zweibeinern sind dagegen gewisse Sorgenfalten nicht zu übersehen: „Über die Praktikantinnen Carola und Katja sind wir sehr froh. Wir brauchen aber auch darüber hinaus dringend Verstärkung“, sagt Karl Wartha. Der Vorsitzende des Tierfreundekreises ist stolz auf seine Truppe, die aber immer wieder an die Grenzen ihrer Leistungsbereitschaft stößt, schließlich sind alle Ehrenamtler.

„Unser hoher persönlicher Aufwand gilt den Tieren ja an 365 Tagen im Jahr,“ sagt der Chef von rund einem Dutzend Engagierten, die den engen Kreis der Tierfreunde bilden.

Für die gibt es jede Menge zu tun: Von Pflege- und Versorgungstätigkeiten im Katzenhaus - dazu gehören auch Hausputz, Rasenmähen und Heckenschneiden - bis hin zu den Transporten von und zu den Tierärzten fällt viel Arbeit an. Dann müssen die Tiere natürlich laufend gefüttert und ihre Hinterlassenschaften entsorgt werden.

Helferinnen auf Zeit: Die Schülerpraktikantinnen Carola Kiefl (r.) und Katja Heitzer des Schuman-Gymnasiums bei der Arbeit im Katzenhaus.
Helferinnen auf Zeit: Die Schülerpraktikantinnen Carola Kiefl (r.) und Katja Heitzer des Schuman-Gymnasiums bei der Arbeit im Katzenhaus.

Mit ein bisschen Füttern und Streicheln ist es also nicht getan, das haben Katja Heitzer und Carola Kiefl schon nach zwei Tagen gelernt. Und dann läuft ja noch parallel dazu die Zusammenarbeit mit den 13 Gemeinden im Altlandkreis, denen die Tierfreunde Fundtiere abnehmen. Karl Wartha: „Unterm Strich brauchen wir jedes Jahr im Schnitt 45 000 Euro, um unsere Kosten zu decken.“

Eine stattliche Summe für eine Organisation aus Freiwilligen. „Unser größter Wunsch wäre, dass wir uns eine 450-Euro-Kraft leisten könnten, damit die Ehrenamtlichen etwas entlastet würden,“ sagt Wartha. Doch davor hat die Kassenchefin ausreichende Einnahmen gesetzt.

Grundsätzlich ist man in Miltach mit dem Ist-Zustand sehr zufrieden: Mit über 1000 Mitgliedern sei man fest unter den Tierfreunden des Landkreises verankert, sagt der Vereinschef. Mit aktuell 20 Euro Jahresbeitrag sind diese auch die Säule des Vereins.

Großzügige Gönner füllen dazu immer wieder das Spendenkonto - auch von Unternehmen oder Vereinen werde man immer wieder bedacht. Dann gibt es Aktionen, wie die Übernahme einer Tierpatenschaft für ein nicht mehr vermittelbares Tier, dem jeweils im halbjährlichen Zyklus ein gutes Plätzchen gesichert wird.

Und dennoch wäre mehr möglich. „In Bayern ist der Tierschutz Staatsziel und wir helfen in unserer Freizeit gerne, diesem Anspruch gerecht zu werden“, so Karl Wartha. Das grundsätzliche Problem ist die immense Zahl an Katzen, zum Teil verwildert. Kastrationsaktionen wären dringend vonnöten, um das Katzenelend zumindest einzudämmen. Eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen wie in Österreich sei aber leider nicht in Sicht.

Gesucht werden

  • Helfer

    für die Pflege und Versorgungstätigkeiten im Katzenhaus, auch Männer zum Rasenmähen, Heckenschneiden usw.

  • Tierpaten:

    für nicht mehr vermittelbare Katzen jeweils im halbjährlichen Zyklus

  • Spenden:

    Sparkasse im Ldk. Cham DE11 7425 1020 0240 3953 35

  • Weitere Infos

    über E-Mail: info@tierfreundekreis.de oder www.tierfreundekreis.de

Dann wäre jeder Tierbesitzer zu angehalten, Katze oder Kater zu sterilisieren - unter Aufsicht des Veterinäramts: „Nicht nur die Population würde sich entspannen, wie das Vorbild Österreich zeigt. Auch andere Probleme, wie das Markieren der Kater oder das Gemaunze im Sommer würden eingedämmt.“ Allerdings habe sich der Freistaat einen schlanken Fuß gemacht und bei der Umsetzung der Verordnung die Zuständigkeit auf die Landratsämter delegiert. Folge: Die wenigsten Landkreise und Gemeinden hätten die Verordnung umgesetzt, auch der Landkreis Cham nicht.

Per Gesetz zuständig sind die Gemeinden jedoch für die Unterbringung und Betreuung von Fundtieren. In Bad Kötzting beispielsweise hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, künftig 142,80 Euro pauschal pro Fundkatze an den Tierfreundekreis zu zahlen. Was für die Kommune eine große Erleichterung ist, denn mit jedem Tier, das im Gemeindebereich gefunden wird, stellt sich die Frage: Wohin damit? Noch dazu, wenn es verletzt ist? Bei Fundkatzen hat sich das Thema laut Kämmerer Florian Heigl erledigt: „Der Vertrag mit dem Tierfreundekreis ist für uns eine große Erleichterung.“ Im Stadtgebiet von Bad Kötzting wurden im vergangenen Jahr 31 Katzen eingesammelt. Kostenpunkt für die Stadt: 4400 Euro.

Ohne Spenden geht es nicht

Für die Tierfreunde ist die Pro-Tier-Pauschale eine Alternative zur Pro-Einwohner-Pauschale, wie eine Art Versicherung. Auf der einen Seite die Beiträge, auf der anderen das Kostenaufkommen, am besten mit mehrjähriger Laufzeit, damit die „Viecherlfreunde“ sich darauf einstellen können. Ohne Spenden und 24-Stunden-Ehrenamt geht nichts. Schließlich habe man noch die Betriebskosten für Haus, Versicherungen, Fahrtkosten und natürlich die Tierversorgung an der Backe.

Entlastet werden die Budgets auch von den Tierliebhabern, die bereit sind, für ein kastriertes, untersuchtes und gechiptes Tier 100 Euro zu bezahlen. Oder natürlich von den Besitzern der Fundtiere. Nur lauert hier schon das nächste Problem: Hundebesitzer holen fast immer ihren Gefährten aus einer Auffangstation ab, Katzenbesitzer kaum.

Wenn andere Tiere gefunden werden, dann helfen die Katzenfreunde natürlich auch und vermitteln Hilfe. So etwa im Januar bei einem Zwergkaninchen, dss in einer Wohnung in Bad Kötzting ohne Wasser und Futter sich selbst überlassen wurde. Die Polizei befreite das arme Viecherl, der Tierfreundekreis kümmerte sich um ein neues Zuhause - bei Daniela Thebuss in Blaibach hat die kleine Häsin nun nicht nur wieder zu Kräften, sondern auch Anschluss gefunden - nicht einmal an eine Katzen-, sondern an eine Nagerfamilie.

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