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Politik

Kaum Zuhörer für Waldmünchens Sprachrohr

Die Auftaktveranstaltung der Altlandkreisliste war zwar schlecht besucht, der Appell für eine starke Vertretung aber laut.
Von Petra Schoplocher

In gewisser Weise war es ein trostloses Bild: Landrat Franz Löffler hielt eine flammende Rede und schnitt viele Themen an, die den Altlandkreis bewegen. Nur wollte dies außer den Kandidaten nur rund eine Handvoll Bürger hören. Foto: Schoplocher
In gewisser Weise war es ein trostloses Bild: Landrat Franz Löffler hielt eine flammende Rede und schnitt viele Themen an, die den Altlandkreis bewegen. Nur wollte dies außer den Kandidaten nur rund eine Handvoll Bürger hören. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Die Mission ist klar: Im Kreistag weiterhin ein gewichtiges Sprachrohr für den Altlandkreis Waldmünchen sicherstellen. Dafür braucht es Wählerstimmen – und Wähler. Die aber waren am Montag Abend bei der Auftaktveranstaltung der Gemeinsamen Liste des ehemaligen Landkreises Waldmünchen Mangelware. Nur rund 40 Interessierte hatten den Weg ins Gaubaldhaus gefunden – inklusive Kandidaten.

„Die Leute gehen wohl eher zu ihren eigenen Parteiveranstaltungen“, formulierte Landrat Franz Löffler (CSU) einen Erklärungsversuch für den mauen Besuch. Außerdem sei die 1972 erstmals formierte Liste aus Grenzlandunion und Parteiloser Wählergruppe ein Erfolgsmodell. „Die läuft ohnehin“, betonte er. Auf anderen Wegen als über diese Liste wäre es nicht gelungen, in all den Jahren eine ordentliche Vertretung für den Altlandkreis hinzubekommen, machte er deutlich.

Im Idealfall sieben Mandate

Bürgermeister und Listenführer Markus Ackermann (CSU) erinnerte an die Anfänge: Bei einer Brotzeit in Herzogau auf dem Rückweg von Furth im Wald, wo Heinrich Eiber die Landrats-Abstimmung gegen Ernst Girmindl verloren hatte, wurde die Idee einer gemeinsamen, überfraktionellen Liste geboren. Als Interessensvertretung der Region, was immer noch gelte. Sechs bis sieben Kreisräte seien das Ziel, die Liste „die wahre Option“.

Am Ende der Versammlung ging es noch heiß zur Sache. Udo Fiedler forderte eine politische Aussage der Liste gegen das Rodinger Ganzjahresbad. Sollte dies gebaut werden, ist seiner Meinung nach das AquaFit gefährdet. Foto: Schoplocher
Am Ende der Versammlung ging es noch heiß zur Sache. Udo Fiedler forderte eine politische Aussage der Liste gegen das Rodinger Ganzjahresbad. Sollte dies gebaut werden, ist seiner Meinung nach das AquaFit gefährdet. Foto: Schoplocher

Ackermann skizzierte die „Erfolgsgeschichte Landkreis Cham“, der unter anderem von einer Wegzugs- zur Zuzugsregion wurde. Dass sich Global Player hier wohlfühlen, sei nicht zuletzt auf passende politische Rahmenbedingungen zurückzuführen. „Da wurden ein paar intelligente Stellschrauben gedreht“, betonte er. Auch das Thema Bildung griff er heraus. Dazu müsse die Botschaft lauten: „Wir haben alles getan, um die Bildungschancen zu erhöhen.“

Scharmützel am Rand

  • Kritik:

    Die Dauer von zweieinhalb Stunden veranlasste Udo Fiedler zu der Vermutung, dass „man wohl keine Diskussion oder Aussprache wünscht“. Der Waldmünchner sah sich von Landrat Franz Löffler als ahnungsloser Dilettant hingestellt, weil er zu den Arbeiten am Perlsee eine andere Meinung vertrete. Auf der anderen Seite lobte er Löffler als Vollblutpolitiker.

  • Anliegen:

    Fiedler konzentrierte sich dann aber auf „nur ein Anliegen“, die Sorge um das AquaFit. Vor dem Hintergrund, dass Roding für 15 Millionen ein neues Erlebnisbad baut, hätte er sich von den Kreisräten und der Liste erwartet, klare Kante zu zeigen. „Es ist unser Interesse, dass dieses Bad nicht gebaut wird.“ Fiedler begründete dies mit den Besuchern aus dem westlichen Bereich, die dann wegbrechen.

  • Konter:

    „Was hätten wir gesagt, wenn sich die Rodinger damals in unsere Diskussion eingemischt hätten?“, machte Franz Löffler seinem Unmut Luft. Der Landkreis werde den Betrag in Roding zuschießen, den die Sanierung des Kreisschwimmfelds gekostet hätte, vier Millionen. Er befürwortete die Grundidee Schwimmen und Wellness und zollte den Menschen Riesenrespekt, die seinerzeit die Entscheidung für das AquaFit getragen hätten.

Diesen Ball griff Landrat Löffler gerne auf, zeigten doch sowohl die Gründung der Realschule als auch die („nicht selbstverständliche“) Übernahme der Trägerschaft für die Jugendbildungsstätte durch den Bezirk, dass „nur auf der Hauptstraße fahren einfach ist, auf Nebenstrecken musst du erst mal Leitplanken suchen“. Nicht auszudenken, wenn die Existenz der Jubi auf dem Spiel gestanden hätte, deutete er an.

Politik

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Drei Bürgermeister führen die parteibergreifende Liste an. Die Wähler kommen längst auch „von außen“.

„A Stauern hat da im Wasser einfach nix verloren“, sagte Löffler zu der Diskussion rund um die Pflegemaßnahmen am Perlsee und wandte sich damit an die „lauter Experten“. Das Gewässer diene dem Hochwasserschutz, machte er deutlich, am Ufer gehe es natürlich um Biodiversität und den richtigen Bewuchs. Den einzigen Vorwurf, den er dem Wasserwirtschaftsamt machen könne, ist, dass deren Vertreter den Bewuchs so hoch werden ließen. Er regte Führungen durch das WWA an, um für Aufklärung zu sorgen. Ihm komme es so vor, dass „jedes Kind was weiß und irgendwie keiner“.

„Dass die nicht rechnen können, hätte ich nie gedacht. Das war die größte Enttäuschung meiner beruflichen Laufbahn.“

Landrat Franz Löffler zu M-Net

Beim bewussten Blick durch die Brille des nördlichen Landkreises betonte er, dass „wir die Hausaufgaben beim Straßenbau gemacht haben“. Weil sich die Menschen aber weniger für die Erfolge der Vergangenheit interessieren, sondern dafür, wie das Lebensumfeld weiter entwickelt werden kann, stellte der Landrat auch in Waldmünchen sein Fünf-Punkte-Programm für die Wahl vor (wir berichteten). Mit Blick auf seine sechs Gegenkandidaten sagte Löffler, dass es nicht reiche, Gesetze aus dem Lehrbuch zu kennen. Man müsse wissen, wie man für die Bürger das Beste herausholen könne und sich dafür mitunter an den Rand trauen. „Die Frage ist doch, wie weit traust du dich an den Rand?“

Bekenntnis zum Landrat

Das Lehrbuch bemühte auch Wolfgang Kürzinger, einer der 15 Freien Wähler auf der Liste. Die Entscheidung, miteinander anzutreten, habe man sich nicht leicht gemacht, gefällt worden sei sie aber schließlich aus großer Überzeugung. Die jahrzehntelange Erfahrung und die gute Zusammensetzung garantiere ein großes Problemlösungs-Potential, das sicher nicht zum Schaden des Altlandkreises gereichen werde. „Wir stehen hinter unserem Landrat“, ergänzte FW-Vertreter Siegfried Wagner.

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„Brauchen uns nicht verstecken“

Ludwig Prögler (CSU), Tiefenbacher Bürgermeister, forderte ein Umdenken bei der Bürokratie. Den nördlichen Landkreis sieht er zwar immer noch ein bisschen abgehängt, meinte aber, dass „wir uns nicht verstecken brauchen“. Bei der Kandidatenvorstellung ging es um den Erhalt von Lebensqualität ebenso wie das Bestreben, jungen Menschen die Liste näher zu bringen. „Viele können sich da gar nichts vorstellen“, meinte Jürgen Lampatzer (CSU). Seine Waldmünchner Stadtratskollegin brachte es schließlich auf den Punkt: „Wer den nördlichen Landkreis nach vorne bringen will, muss diese Liste wählen.“

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