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Menschen

Kickern mit der Jugendsozialarbeiterin

Seit diesem Schuljahr ist Marion Kuck an der Further Mittelschule tätig – und freut sich über das Vertrauen der Schüler.
Von Evi Paleczek

Marion Kuck sitzt nicht nur in ihrem Büro und wälzt mit den Schülern Probleme, sie schaut auch einfach mal durchs Schulhaus, mischt sich unter die jungen Leute und sucht das Gespräch. Foto: Paleczek
Marion Kuck sitzt nicht nur in ihrem Büro und wälzt mit den Schülern Probleme, sie schaut auch einfach mal durchs Schulhaus, mischt sich unter die jungen Leute und sucht das Gespräch. Foto: Paleczek

Furth im Wald.Sie will Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, dass sie einen guten Start ins Leben haben und ihnen zeigen, dass ihnen alle Türen offenstehen. Aus diesem Grund hat sich Marion Kuck für ihren Beruf entschieden. Und an der Further Mittelschule eine schöne Arbeitsstelle gefunden, um genau das zu tun, sagt sie im Gespräch mit unserem Medienhaus. Seit dem neuen Schuljahr ist sie die neue Jugendsozialarbeiterin und Ansprechpartnerin und vor allem Vermittlerin bei sämtlichen Problemen von und zwischen Schülern, Eltern und Lehrern.

Marion Kuck hat ihr eigenes Büro, in dem Schüler, Lehrer und Eltern willkommen sind. Foto: Paleczek
Marion Kuck hat ihr eigenes Büro, in dem Schüler, Lehrer und Eltern willkommen sind. Foto: Paleczek

Prävention ist der Grundgedanke, der hinter der Jugendsozialarbeit an Schulen steckt, erklärt Bernhard Nagelschmidt, stellvertretender Leiter des Jugendamts am Landratsamt als Träger. Kürzlich seien im Jugendhilfeausschuss sinkende Fallzahlen bekanntgegeben worden; das hänge auch direkt mit der Jugendsozialarbeit an Schulen zusammen. Hier werde Geld investiert, um Probleme gleich im Kleinen und vor Ort zu lösen, damit sie nicht zu großen, teuren Fällen führen, sagt Nagelschmidt.

Rolle der Vermittlerin

Und die Kinder und Jugendlichen kommen mit allen möglichen Problemen zu ihr, erzählt Kuck. Da geht es um Streits mit Klassenkameraden, um Probleme daheim, wenn die Eltern viel streiten, um die Angst vor schlechten Noten oder um Lehrer, die man nicht mag. Sie versucht dann, zu vermitteln, sagt die 23-Jährige. Und Lehrer und Eltern auf schwierige Situationen anzusprechen. Grundsatz dahingehend ist allerdings immer, dass die Gespräche mit der Jugendsozialarbeiterin vertraulich sind, und sie sich nur an Eltern und Lehrer wendet, wenn die Schüler dem zustimmen, betont Kuck. Manchmal reicht es auch schon, wenn sie nur zuhört, sagt sie. Die Kinder und Jugendlichen freuen sich, dass sich jemand 15 Minuten Zeit nimmt für ihr Problem. Manche wollen es nur mal loswerden – nicht mehr und nicht weniger. Sie versucht dann, zu beruhigen und einfach nur da zu sein, erzählt die 23-Jährige.

Die Kinder kommen nicht nur zu ihr, wenn sie Probleme haben, freut sich Marion Kuck. Sie schauen auch einfach mal vorbei, um ihr „Hallo“ oder „Guten Morgen“ zu sagen. Oder sie bringen ihr Dankesbilder vorbei, weil sie sich über ihre Hilfe gefreut haben. Foto: Paleczek
Die Kinder kommen nicht nur zu ihr, wenn sie Probleme haben, freut sich Marion Kuck. Sie schauen auch einfach mal vorbei, um ihr „Hallo“ oder „Guten Morgen“ zu sagen. Oder sie bringen ihr Dankesbilder vorbei, weil sie sich über ihre Hilfe gefreut haben. Foto: Paleczek

Immer wieder Thema sind auch die neuen Medien, Handy und Facebook etwa. Gerade im Hinblick auf Anfänge von Mobbing. Da werden schon mal Extra-Gruppen gegründet, um einen Einzelnen fertigzumachen, berichtet Kuck. Obwohl das Handy an der Schule verboten ist, wird es in den Pausen auf der Toilette schon mal rausgeholt, und nach Schulschluss hat man eh keinen Einfluss mehr, sagt die Jugendsozialarbeiterin.

Wenn Marion Kuck nicht da ist, oder jemand erst schriftlich Kontakt aufnehmen will, dafür befindet sich ein großer, bunter Briefkasten vor ihrem Büro. Da können die Schüler schriftliche Botschaften hinterlassen. Foto: Paleczek
Wenn Marion Kuck nicht da ist, oder jemand erst schriftlich Kontakt aufnehmen will, dafür befindet sich ein großer, bunter Briefkasten vor ihrem Büro. Da können die Schüler schriftliche Botschaften hinterlassen. Foto: Paleczek

Migrationsprobleme gibt es eigentlich nicht, meint sie. Viele der Kinder kennen sich schon aus der Grundschule, ansonsten haben die jungen Leute aus anderen Ländern die gleichen Probleme wie ihre deutschen Mitschüler. Lediglich am Deutsch-Verständnis hapert es häufig noch. Da wird es schon mal langweilig im Unterricht, und die Kinder werden unruhig.

Eigene Projekt anstoßen

Derzeit kommen noch eher die Kinder aus den unteren Klassen zu ihr, erzählt Marion Kuck, meint aber, dass bald jedes Alter etwa gleich vertreten sein wird an ihrer Tür. Allgemein müsse es sich erst verbreiten bei Schülern und Eltern, dass wieder eine Jugendsozialarbeiterin vor Ort ist an der Mittelschule. Vor ihrer Ankunft zum neuen Schuljahr war die Stelle eine Zeit lang nicht besetzt. Der Anteil Mädchen und Jungen, die das Gespräch mit ihr suchen, verhält sich etwa 60 zu 40.

Gleich im Eingangsbereich der Further Mittelschule befindet sich eine große Tafel, auf der für die Kinder und Jugendlichen erklärt wird, was Jugendsozialarbeit an Schulen eigentlich ist, und in welchen Fällen sie sich an Marion Kuck wenden können. Foto: Paleczek
Gleich im Eingangsbereich der Further Mittelschule befindet sich eine große Tafel, auf der für die Kinder und Jugendlichen erklärt wird, was Jugendsozialarbeit an Schulen eigentlich ist, und in welchen Fällen sie sich an Marion Kuck wenden können. Foto: Paleczek

Die 23-Jährige wollte sich erst einfinden, will aber in Zukunft auch eigene Projekte anstoßen, kündigt sie an. So wird sie sich für den Beginn des kommenden Schuljahres etwas zum Kennenlernen für die fünften und siebten Klassen überlegen – weil dort Schüler neu zusammengewürfelt werden. Außerdem plant die junge Frau einen Elternabend, um sich und ihre Arbeit vorzustellen. Soziale Kompetenztrainings in den Klassen ergeben sich aus schwierigen Situationen; da holen Lehrer die Jugendsozialarbeiterin immer wieder mal zu bestimmten Themen in den Unterricht.

Die Probleme an der Further Mittelschule sind die ganz normalen wie an anderen Schulen auch, bilanziert Kuck. Und oft sind sie zum Glück gar nicht groß. Häufig kommen die Schüler nach den Pausen mit Freundschaftsstreitigkeiten, bei denen sie genau weiß, dass sich die Kinder in fünf Minuten schon wieder vertragen haben. Aber sie schätzen es, dass jemand zugehört hat. Ein anderer Schüler etwa kommt regelmäßig und vereinbart Termine mit ihr, die er dann nie wahrnimmt, erzählt sie schmunzelnd. Weil das Problem am nächsten Tag schon wieder verschwunden ist.

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