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Bildung

Kinder drehen gemeinsam Trickfilme

Die Grundschulen Furth im Wald und Domazlice haben den Zuschlag für ein grenzüberschreitendes Projekt bekommen.
Von Evi Paleczek

Die deutschen und tschechischen Kinder gaben ihren Freunden gemeinsam Regieanweisungen und nahmen Szenen auf. Foto: Paleczek
Die deutschen und tschechischen Kinder gaben ihren Freunden gemeinsam Regieanweisungen und nahmen Szenen auf. Foto: Paleczek

Furth im Wald.Nicht Deutsch und Mathe haben am Dienstagvormittag am Stundenplan einiger Further Grundschüler gestanden, sondern Trickfilm. Die Schule hatte den Zuschlag für ein grenzüberschreitendes Projekt bekommen, und Philipp Reich vom Grenzüberschreitenden Jugendmedienzentrum Oberpfalz Nord war vor Ort, um mit den Kindern lustige Sequenzen zu drehen.

Philipp Reich wies die deutschen und tschechischen Mädchen und Buben in die Technik ein und zeigte ihnen, wie sie verschiedene Filmsequenzen aufnehmen können und worauf sie achten sollen. Die Kinder waren interessiert und begeistert bei der Sache. Foto: Paleczek
Philipp Reich wies die deutschen und tschechischen Mädchen und Buben in die Technik ein und zeigte ihnen, wie sie verschiedene Filmsequenzen aufnehmen können und worauf sie achten sollen. Die Kinder waren interessiert und begeistert bei der Sache. Foto: Paleczek

Und zwar mit deutschen und tschechischen Kindern. Insgesamt 17 Kinder in zwei Gruppen – Anfänger und Fortgeschrittene – lernen an der Further Grundschule Tschechisch. 14 von ihnen sowie elf Mädchen und Buben aus dem Nachbarland, von der Nova Skola in Domazlice, lernten einander bei der Gruppenarbeit kennen und verständigten sich mit dem, was sie bereits von der Nachbarsprache können, und mit Händen und Füßen.

Trickfilm braucht keine Sprache

Der Bereich Trickfilm eignet sich für ein solches Projekt, weil man da keine Sprache braucht, erklärte Reich. Er funktioniert über Bewegung und sei etwas für jede Altersgruppe. Die Projekte seien einfach und führten schnell zu einem lustigen Ergebnis, das beide Seiten verstehen.

Die deutschen und tschechischen Grundschüler arbeiteten in Kleingruppen und wandten sich immer wieder mit verschiedenen Fragen an Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum Oberpfalz Nord sowie an ihre Lehrerinnen und Schulleiter Gerald Fide. Foto: Paleczek
Die deutschen und tschechischen Grundschüler arbeiteten in Kleingruppen und wandten sich immer wieder mit verschiedenen Fragen an Philipp Reich vom Jugendmedienzentrum Oberpfalz Nord sowie an ihre Lehrerinnen und Schulleiter Gerald Fide. Foto: Paleczek

Die beiden Schulen in Furth im Wald und Domazlice sind seit kurzem Partnerschulen und haben sich gemeinsam beim CeBB, dem Centrum Bavaria Bohemia, für den Zuschlag für das Projekt beworben, erklärte Schulleiter Gerald Fide. Im vergangenen Jahr hatte es nicht geklappt, deshalb habe man sich heuer umso mehr gefreut.

Philipp Reich schlug den Kindern Bewegungen vor, die sich im Trickfilm gut in lustige Sequenzen umwandeln lassen. Die Mädchen und Buben schwammen zum Beispiel am Boden und ließen sich von den Mitschülern Regieanweisungen geben. Foto: Paleczek
Philipp Reich schlug den Kindern Bewegungen vor, die sich im Trickfilm gut in lustige Sequenzen umwandeln lassen. Die Mädchen und Buben schwammen zum Beispiel am Boden und ließen sich von den Mitschülern Regieanweisungen geben. Foto: Paleczek

Die Mädchen und Buben der Further Schule, die die Arbeitsgruppe Tschechisch besuchen, sind aus der ersten bis vierten Klasse, die tschechischen Teilnehmer am Projekt aus der dritten und vierten Klasse. Sie haben noch keinen Deutschunterricht, erklärten die Lehrerinnen Katka Krutinova und Dana Trefancova, können aber durch Bekannte oder Verwandte der Eltern in Deutschland oft ein paar Worte. Und auch einige der deutschen Kinder, die die AG Tschechisch besuchen, kennen die Sprache schon ein wenig durch etwa eine tschechische Mutter oder Freunde der Eltern im Nachbarland, informierte Gerald Fide. Dass es immerhin 17 Kinder der Grundschule sind, die derzeit Tschechisch lernen, freut ihn, es könnten natürlich mehr sein, meinte er.

Für einen der Trickfilme wollten es die Schüler so aussehen lassen, dass eine Flasche wie von Zauberhand durch einen Strohhalm leer wurde. Die Mädchen und Buben waren begeistert davon, was sie mit einfachen Methoden so darstellen konnten, dass es im Film lustig wirkt. Foto: Paleczek
Für einen der Trickfilme wollten es die Schüler so aussehen lassen, dass eine Flasche wie von Zauberhand durch einen Strohhalm leer wurde. Die Mädchen und Buben waren begeistert davon, was sie mit einfachen Methoden so darstellen konnten, dass es im Film lustig wirkt. Foto: Paleczek

Die Further Grundschule sei auch die einzige Schule der Grenzstadt, die Tschechisch anbiete. Dass es zwei Partnerschulen in Domazlice gibt, und so viel gemeinsam gemacht wird, ist schon besonders, lobte Philipp Reich, der seit zehn Jahren deutsch-tschechische Schulprojekte in der Oberpfalz begleitet. An einer Grundschule hat er sogar bislang noch nie Projekt geleitet, bei dem deutsche und tschechisch Kinder gemeinsam mit dabei waren.

Ostern etwa war die Further Grundschule eingeladen in Domazlice, um Osterbräuche und die Chodenkultur kennenzulernen und Eier zu bemalen, erzählte Gerald Fide. Im Mai hatten die tschechischen Kinder dann die Further anlässlich ihres Schulfestes besucht, in der vergangenen Woche waren sie bei ihren Waldjugendspielen zu Gast.

„Sprachbox“ im Herbst

Und sogar für ein weiteres CeBB-Projekt haben die beiden Schulen in diesem Jahr den Zuschlag bekommen. Im Herbst werden die deutschen Kinder wieder in Domazlice vor Ort sein, zur Sprachbox. Dabei erarbeiten die Mädchen und Buben gemeinsam deutschen und tschechischen Wortschatz – und ergänzen diese Sprachbox bei ihren weiteren Treffen.

Es ist toll, wenn deutsch-tschechische Begegnungen schon so früh beginnen, betonte Philipp Reich. Oft würden nämlich Vorurteile der Eltern noch automatisch weitergegeben an die jüngere Generation. Deshalb hätten deutsche Kinder und Jugendliche häufig noch Vorbehalte gegenüber dem Nachbarland, obwohl sie selbst noch gar keine Erfahrungen gemacht haben. Aus diesem Grund seien regelmäßig Treffen wichtig, damit die jungen Leute sehen: Die sind wie wir.

Das Jugendmedienzentrum versuche deshalb auch, viel mit den Kindern und Jugendlichen in tschechische Städte zu fahren, damit die jungen Leute sehen, wie es dort ist. Das Medienzentrum will durch aktive Medienprojekte Medienkompetenz auch über Ländergrenzen hinweg vermitteln. Gemeinsam mit den tschechischen Kooperationspartnern soll mehr Offenheit und Toleranz erreicht werden.

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