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Tradition

Kötzting hatte viel Spaß beim Rosstag

Schon zum 31. Mal lockten „Landwirtschaft und Handwerk von damals“ Tausende aus Ostbayern und viele Urlaubsgäste an.
Von Alois Dachs

Hufschmied Thomas Miethaner hatte charmante Unterstützung von seiner „Aufhalterin“ und der Praktikantin (links).  Foto: Christa Rabl-Dachs
Hufschmied Thomas Miethaner hatte charmante Unterstützung von seiner „Aufhalterin“ und der Praktikantin (links). Foto: Christa Rabl-Dachs

Bad Kötzting.Ist der Bad Kötztinger Rosstag noch eine Attraktion? Diese Frage beantwortete sich am Samstag und Sonntag von selbst, denn bereits beim Gedenkgottesdienst am 1. Pfingstritt-Evangelium und dem anschließenden Einzug durch die Stadt zur Lindner-Festhalle hatten sich mehrere Hundert Einheimische und einzelne Urlaubsgäste eingefunden, um sich auf das besondere Ambiente bei dieser Großveranstaltung für Fuhrleute und ihre Pferde einstimmen zu lassen.

Als der „Jäger aus Kurpfalz und seine Original Bixnputzer“ am Abend in der Lindnerhalle aufspielten, war auch der Biergarten gut gefüllt, nachdem sich der Gewitterschauer vom Spätnachmittag verzogen hatte.

Die gute Stimmung vom ersten Veranstaltungstag fand am Sonntag eine nahtlose Fortsetzung. Aus allen Richtungen strömten schon am Vormittag die Gäste in die Stadt und vor allem für die Besucher von auswärts war das Lindner-Brauereigelände erste Anlaufstation, wo Vorführungen von Handwerkern zu bestaunen waren.

Sehen Sie hier Impressionen vom Festzug beim Rosstag

Das war der Rosstag 2019 in Bad Kötzting

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Die Erntekrone auf dem liebevoll gestalteten Erntewagen und der „Sofeiler“ mit musikalischer und gesanglicher Begleitung durch Tom Swing.  Foto: Christa Rabl-Dachs
Die Erntekrone auf dem liebevoll gestalteten Erntewagen und der „Sofeiler“ mit musikalischer und gesanglicher Begleitung durch Tom Swing. Foto: Christa Rabl-Dachs

Mitten im Getümmel trafen wir auf eine Gruppe von Besuchern, die in einem ungewohnten österreichischen Dialekt eifrig über die Vorführungen diskutierten. „Wo kommt ihr denn her?“, war natürlich unsere Frage und einer der Gäste erklärte, dass sie extra die weite Strecke von Lemberg (in der Südost-Steiermark, nahe der Grenze zu Slowenien gelegen) nach Bad Kötzting auf sich genommen haben, um den Festzug zu sehen. „Unsere Nachbarn waren voriges Jahr hier und haben davon geschwärmt, jetzt wollten wir das auch einmal sehen“, begründeten die Lemberger, warum sie mehr als 500 Kilometer gefahren waren, um dabei zu sein.

Nur mit Zuschauen begnügten sich die meisten Besucher bei den Handwerkervorführungen nicht. Viele ließen sich von den Dreschern der Freiwilligen Feuerwehr Sperlhammer genau erklären, warum bei der Arbeit mit den Dreschflegeln genau der Takt gehalten werden muss, oder beobachteten ganz genau, wie der „Sofeiler“ Zahn für Zahn an seiner Baumsäge scharf macht und mit der richtigen Schränkung dafür sorgt, dass die Säge auch genügend Späne auswirft, um erfolgreich zu arbeiten. Andere schauten Stefan Nass und Korbinian Kühlmeyer genau auf die Finger, wie sie nach handwerklicher Tradition einen Strick herstellten. An der entsprechenden Technik hat sich im Laufe der Jahrhunderte nichts geändert, auch wenn heute moderne Maschinen diese Arbeit in Sekunden automatisch erledigen können.

Festzug-Nachklang

  • Biergarten:

    Alle Teilnehmer erreichten trocken den Auflösungspunkt bei der Ludwigsberg-Kreuzung. Kaum war der Festzug vorbei, ging ein heftiger Gewitterregen nieder. Die vielen Besucher, die im Biergarten mitfeierten, ließen sich aber nicht vertreiben und hielten unter großen Sonnenschirmen aus.

  • Unterhaltung:

    Am Sonntagabend waren noch einmal viele Gäste gekommen, um gemeinsam mit den Rosserern zur Musik der Blaskapelle Weißenregen zu feiern.

Die kleinen Ziegen und ihre Führerinnen waren Publikumslieblinge.  Foto: Christa Rabl-Dachs
Die kleinen Ziegen und ihre Führerinnen waren Publikumslieblinge. Foto: Christa Rabl-Dachs

In Fünferreihen umstanden die Zuschauer zeitweise die Feldschmiede von Thomas Miethaner, der es nicht bei theoretischen Erklärungen beließ, sondern gemeinsam mit seiner Praktikantin Monika Zinsmeister einen kompletten Hufbeschlag vorführte. Dass auch Frauen diese schwierige Arbeit beherrschen, zeigte die Praktikantin beim fachgerechten Aufnageln des Hufeisens, während Maria Schedlbauer als „Aufhalterin“ das Bein ihrer Stute sicher fixierte.

Musik in der ganzen Stadt

Ab 11 Uhr waren dann die „Einlassstellen“ zum Festzug mit Kassieren besetzt und die meisten Besucher entrichteten ohne große Diskussionen ihren Obolus von vier Euro. Wer nachfragte, bekam freundliche Erklärung, dass eine Großveranstaltung dieser Art schließlich mehrere Tausend Euro verschlingt. Dafür bekamen die Besucher über Stunden zünftige Unterhaltung geboten, denn bereits bei der Anfahrt zur Aufstellung ließen die Musikanten auf den verschiedenen Festwägen ihre Instrumente erklingen. Rund um Kurpark und Bahnhof konnten sich die Gäste so problemlos orientieren, wo der Festzug beginnen würde.

Pferdetreffen

Ein Kötztinger Rosstag wie im Bilderbuch

Über 500 Vierbeiner waren bei Traumwetter Hauptdarsteller beim großen Festzug „Landwirtschaft und Handwerk von damals“.

Viele hatten sich auch bereits einen Schattenplatz gesucht, denn bei hochsommerlichen Temperaturen kamen nicht nur die Festzugsteilnehmer und die Pferde gewaltig ins Schwitzen. Mit Pauken und Fanfaren verkündeten dann die Akteure des Feuerwehr-Spielmannszuges pünktlich den Start in der Bahnhofstraße, nachdem auch mehrere Kutschen mit Ehrengästen eingetroffen waren. In der Bahnhof- und der Unteren Marktstraße kamen die Fuhrwerke problemlos voran. Beim Anstieg zum Alten Rathaus und in den oberen Markt mussten sich Pferde und Fuhrleute gewaltig „einspreizen“, um zum Beispiel den Langholzwagen, die schwere Dreschmaschine und ähnliche Lasten an der Veitskirche vorbei in Richtung Schattenau zu bewegen. Viele Gespanne legten an der Steigung auch Tempo zu, so dass auch die Fuhrleute mithasten mussten. Wie bereits im vergangenen Jahr führte der Festzug heuer durch die Jahn- und Müllerstraße, vorbei am Kammmacherhaus, in die Ludwigstraße zurück.

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