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Gesundheit

Konzept-Suche am Medizin-Standort Roding

Landkreis und Stadt wollen stationäre und ambulante Versorgung stärker verzahnen. Wo der Plan umgesetzt wird, ist offen.
Von Bastian Schreiner

Was passiert mit dem Sana-Krankenhaus in Roding? Bislang scheint nur klar, dass es künftig Klinik oder Ärztehaus geben wird. Foto: Josef Kerscher
Was passiert mit dem Sana-Krankenhaus in Roding? Bislang scheint nur klar, dass es künftig Klinik oder Ärztehaus geben wird. Foto: Josef Kerscher

Roding.Entweder Krankenhaus oder Ärztezentrum. Beides – obwohl wünschenswert – wird es am Gesundheitsstandort Roding nicht geben. Daraus machen Landrat Franz Löffler und Bürgermeister Franz Reichold keinen Hehl. Um am Schluss nicht mit leeren Händen dazustehen, müsse man unter Berücksichtigung der medizinischen Entwicklung ein Konzept entwickeln. Wichtig seien dabei die Verzahnung von stationärer und ambulanter Versorgung sowie Kooperationsmodelle, um den Patienten ein ordentliches Angebot in der Region bieten zu können.

Hohe Spezialisierung, kürze Verweildauer, Steigerung des ambulanten Bereichs – der Wandel in der Branche erfordert laut Reichold ein Umdenken, wie er beim Pressegespräch am Dienstag sagte. Einerseits poche die Stadt auf die stationäre Versorgung im Krankenhaus der Sana Kliniken, andererseits würden sich bei der ambulanten Versorgung neue Chancen ergeben. „Wir stehen vor einer schweren Aufgabe, wollen aber einen Weg finden, um das Problem zu lösen“, so Reichold. Man sei in Gesprächen und Verhandlungen, trete derzeit aber etwas auf der Stelle.

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Da in den vergangenen Wochen vermehrt Fragen zum Klinik-Standort Roding bei ihm aufgeschlagen sind, hat der Landrat nun den aktuellen Stand, aber auch die möglichen Varianten für die künftige Entwicklung des Gesundheitsstandorts Roding aufgezeigt. „Wir leben in einer Zeit, in der die Medizin so viel kann wie noch nie zuvor“, so Löffler. Ziel sei, dass die Spezialisierung den Menschen auch zugute kommt. Man müsse aber konstatieren, dass das ambulante Spektrum an Bedeutung gewinnt. Löffler: „Die Frage ist, wie wir diesen Bereich für uns reklamieren können.“

Wandel bringt Herausforderung

Wohin Rodings Weg führt, ließ die Politik offen.Foto: Bastian Schreiner
Wohin Rodings Weg führt, ließ die Politik offen.Foto: Bastian Schreiner

Man müsse aufpassen, damit der Region keine Arztsitze weggeschnappt werden. Ein Problem sei die klein strukturierte Krankenhauslandschaft in Bayern. Je kleiner die Einheit, desto höher die Defizitquote, sagte der Landrat. Zudem sei es für kleine Häuser schwierig, Mediziner zu bekommen. „Das spüren wir auch im Landreis“, so Löffler. Die Herausforderung sei, die Steigerung der medizinischen Möglichkeiten mit dem Versorgungsauftrag unter modernsten Strukturen zusammenzuführen. Ein wesentliches Merkmal der Entwicklung sei, dass sich bislang rein stationäre Strukturen für den ambulanten Bereich öffnen. Daraus folgert der Landrat integrierte Versorgungskonzepte.

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Wie geht es weiter? Die erste Botschaft ist laut Löffler, dass sich auch der Krankenhaus-Träger Sana in die Weiterentwicklung einbringen muss. Das sei vertraglich geregelt, so Löffler. Im Gegensatz zur Situation in Riedlingen (Baden-Württemberg), wo Sana das Krankenhaus im Sommer 2020 schließen will. Gleichzeitig müsse sich etwas weiterentwickeln: „Wer sich dem verschließt, der wird insgesamt mehr verlieren, als er im Bestand erhalten kann“, betonte er.

Ist-Zustand

  • Struktur:

    Im Landkreis Cham führt der Sana-Konzern die drei Krankenhaus-Standorte Cham, Roding und Bad Kötzting.

  • Vertrag:

    Die Sana Kliniken sind Partner in der Gesellschaft mit dem Landkreis, der einen Anteil von 25 Prozent hat. Diese Sperrminorität ist im Vertrag festgelegt.

  • Kreistag:

    Der Landkreis hat laut Landrat ein Mitspracherecht, was die Standorte und Fachrichtungen anbelangt. Der Kreistag kann in Grundsatzfragen mitstimmen.

Im Fall Roding werde dem ambulanten Bereich eine stärkere Gewichtung zukommen – egal in welcher Fachrichtung. Wenn man im Landkreis schon die Drei-Häusigkeit aufrechterhalten will, müsse man sich die Frage stellen, ob man nicht an einem Standort, an dem das stationäre Spektrum möglicherweise ein anderes Gesicht bekommen wird, im gleichen Zug die ambulante Versorgung ausbaut. Das heiße nicht, so Löffler, dass sich Sana deshalb verdünne. Im Gegenteil. Man müsse die Chancen nutzen. Das habe sich auch beim MVZ gezeigt, das mit dem Zutun der Politik in Roding angesiedelt werden konnte. Drei Arztsitze – chirurgisch, orthopädisch und internistisch – seien dort mittlerweile integriert.

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Ein weiteres Thema sei, dass sich gesundheitsnahe Dienstleister – wie Apotheke, Physiotherapie oder Tagesklinik – um den ambulanten Bereich herum ansiedeln könnten, so Löffler. Ambulante Operationen werden künftig eine große Rolle spielen, weshalb man Abwanderungen tunlichst verhindern sollte. Über die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks möchte er mit der Neurologie und der Psychiatrie zwei weitere Sitze nach Roding holen.

Beim Notfallangebot gehe es darum, dass die Leute dahin kommen, wo ihnen am besten geholfen werden kann. Was im Landkreis behandelt werden kann, müsse man definieren. „Wir sind interessiert, dass durch einen ambulanten Bereich, unter Beteiligung des Sana-Konzerns, ein Notfall-Konzept bereitsteht“, erklärte er.

Tagesklinik oder Patientenhotel

Beim stationären Angebot komme man nicht herum, das Thema „Bett“ neu zu denken. Dabei sei eine Angliederung an das ambulante Spektrum geplant. Als Beispiele nannte der Landrat Tagesklinik, Patientenhotel oder Kurzzeitpflege, wo Patienten zwischen OP und Reha betreut werden.

Sana, Stadt, Kreis – und in Roding das Gesundheitsforum mit Dr. Manuel Fichtlscherer – müssten kooperieren. „Wenn sich das Ärztehaus an der B 85 unter den genannten Voraussetzungen verwirklichen lässt mit diesem Anspruch, dann ist das eine ernstzunehmende Alternative“, betonte Löffler. Klar sei, dass die Umsetzung nur an einem Standort möglich ist. Man müsse aber die Option am jetzigen Klinik-Standort im Vergleich dazu bewerten.

„Man muss neu denken.“

Landrat Franz Löffler

Nun geht es laut Löffler darum, ein Konzept zu fertigen, die beiden Alternativen abzuwägen und dann umzusetzen mit Sana sowie den weiteren Partnern. Auch der Kreistag werde sich demnächst mit dem Thema beschäftigen. Auf die Frage, ob das Ärztezentrum – Sana sei als Ankermieter vorgesehen – ein Ersatz für das Krankenhaus sei, meinte Löffler: „Das ist eine Weiterentwicklung. Man muss neu denken.“ Zum Zeitplan konnten die Politiker keine Angaben machen. „Die Zeit drängt jedenfalls“, sagte Reichold. Man wolle in Roding eine Versorgung, die das Angebot im Landkreis ergänzt.

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