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Naturkatastrophe

Landkreis: hoher Schaden nach Unwetter

Am Montag sind heftige Unwetter über Furth im Wald und Waldmünchen gezogen. Straßen waren überflutet. Augenzeuge berichtet.
Von Wolfgang Baumgartner und Martin Hladik

  • Am Bayplatz hieß es wieder einmal „Land unter!“ Foto: wb
  • Enorme Schäden richtete der Hagel unter anderem auch in der Gärtnerei Hofmann an. Foto: wb
  • In der Bischofteinitzer Straße lagen die Hagelkörner rund 30 Zentimeter hoch. Foto: wb
  • Viele Fenster - hier im ehemaligen Amtsgericht - zerbrachen. Foto: wb
  • Die Bahnunterführung war innerhalb kurzer Zeit dicht. Foto: wb
  • Unmittelbar nach dem massiven Hagelniederschlag begannen die Menschen mit den Aufräum- und Reparaturarbeiten. Foto: wb
  • Häuserfassaden wurden ebenso arg demoliert. Foto: wb
  • Ein Maisfeld in Richtung Voithenberghütte -“Floriani“- ist total zerstört. Foto: wb

Landkreis. Tischtennisball große Hagelkörner und Starkregen haben gestern Nachmittag weite Teile von Furth im Wald heimgesucht und enorme Schäden verursacht. „Die Bereiche Furth und Eschlkam sind am schlimmsten betroffen“, lautete die erste Schadensanalyse der Polizeiinspektion gegen 17 Uhr.

Und Christian Scheuer, Kommandant der Further Stadtfeuerwehr, ergänzt: „Der gesamte Bereich Glaserstraße ist überflutet, die Flabeg steht unter Wasser, Fenster an Häusern und Autos gingen zu Bruch!“ Ein Bild der Verwüstung zeigte sich auch wieder am Bayplatz. Zentimeterhoher Hagel verwandelte innerhalb von wenigen Minuten Straßen, Wege und Gärten in eine Eislandschaft. Die Gullys verstopften und an den üblichen Gefahrenstellen wie Bayplatz und Bahnunterführung hieß es wieder einmal „Land unter!“

Kabarettist Toni Lauerer erlebte den Hagelsturm hautnah. Seine zwei Autos wurden schwer beschädigt von den hühnereigroßen Hagelkörnern.

Die Hagelkörner zerstörten Autoscheiben. Foto: wb
Die Hagelkörner zerstörten Autoscheiben. Foto: wb

Angebahnt hatte sich die Katastrophe gegen 15 Uhr, als pechschwarze Wolken den Himmel über der Drachenstich-Stadt verdunkelten. Mit massiven Sturmböen begann es dann gegen 15.40 Uhr zu regnen. Innerhalb von wenigen Minuten arteten die Niederschläge in Starkregen aus und gegen 16 Uhr prasselte der Hagelschauer auf die Drachenstichstadt nieder. Die Hagelkörner hatten einen Durchmesser von rund drei Zentimeter! Bäume stürzten um, Fenster- und Autoscheiben gingen zu Bruch, Feuerwehren und Bauhof waren im Großeinsatz. Ähnlich wie vor rund zwei Wochen, als ebenfalls ein Starkregen weiter Teile von Furth überflutete, war nach rund 30 Minuten der Spuk wieder vorbei. Allerdings nicht, ohne enorme Schäden hinterlassen zu haben. „Ich will es gar nicht wissen, wie es im Dachgeschoss aussieht“, klagt die Baywirtin. Den Tränen nahe steht sie im Biergarten, der völlig verwüstet ist. Ihr Mann konnte einem vom Dach herabfallenden Ziegel nicht mehr ausweichen und versucht mit blutender Oberlippe zu retten, was noch zu retten ist. In der Grabenstraße steht eine Frau völlig niedergeschlagen vor ihrem total verbeulten Auto mit gebrochenen Scheiben.

Bei der Familie Krämer in Schäferei stürzte der Giebel einer Scheune ein. Die Trümmer durchbrachen ein Nebengebäude mit Garage.Foto: ik
Bei der Familie Krämer in Schäferei stürzte der Giebel einer Scheune ein. Die Trümmer durchbrachen ein Nebengebäude mit Garage.Foto: ik

Ein heftiger Gewittersturm hat am Montag kurz nach 16 Uhr Waldmünchen und insbesondere den Stadtteil Schäferei getroffen. Schon kurz nach Einsetzen des Gewitters wurden die Waldmünchner Wehren alarmiert. Wegen einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes waren die Feuerwehrleute auf einen Einsatz vorbereitet. Erster Einsatzort war beim Nachbarn, den Stadtwerken. Hier war Wasser in den Keller eingedrungen.

Wenig später kristallisierte sich Schäferei als Einsatzschwerpunkt heraus. In der Erstmeldung hieß es, dort sei „ein Haus eingestürzt!“ Tatsächlich war der Giebel einer Scheune eingestürzt und auf ein Nebengebäude mit Garage gefallen. Unter dem Schutt wurde ein dort abgestellter Ford begraben.

Johann Krämer, der Gebäudeeigentümer, erzählt, dass er im Wald gewesen sei, als das Unwetter losging. Er sei mit dem Traktor kaum nach Hause gekommen, weil der Sturm überall Äste herumgewirbelt hatte. Zuhause habe er dann das Unglück gesehen.

Das kleine Gewächshaus der Fischers wurde komplett zerstört. Foto: ik
Das kleine Gewächshaus der Fischers wurde komplett zerstört. Foto: ik

Schräg gegenüber bei den Fischers sind zwei Frauen dabei, die gut kirschgroßen Hagelkörner im Hof zusammenzukehren. Welche Wucht die Körner zusammen mit dem Sturm hatten, sieht man am Dach und an den Jalousien. Teilweise sind Ziegel zerschlagen und fast alle Lamellen der Plastikjalousien haben Löcher und sind durchschlagen. Anna Fischer schickt den Reporter in den Garten: Dort ist ein kleines Gewächshaus von Sturm und Hagel völlig zerstört worden. „Das war mein Lieblingsgewächshaus“, sagt sie bedauernd und fügt an, die Gurkenernte könne sie heuer wohl vergessen. Aber zum Glück sei niemand verletzt worden.

Ihr Nachbar erzählt, dass er am Morgen noch überlegt habe, was er mit den vielen Kirschen anfangen soll, jetzt liegen sie mit den gleichgroßen Hagelkörnern am Boden. So gibt es in Schäferei in fast jedem Haus Schäden: vom abgedeckten Dach, über den zerbrochenen Obstbaum bis hin zu kaputten Scheiben und Getreidefeldern, deren Ähren vom Halm geschlagen wurden.

Der Ford wurde in der Garage unterm Schutt begraben. Foto: ik
Der Ford wurde in der Garage unterm Schutt begraben. Foto: ik

Schon auf der Fahrt an den Einsatzort hatte die Feuerwehr mehrere umgefallene Bäume von der Straße entfernen müssen. Durch die Äste wurden auch Telefonleitungen beschädigt. Der Wind war sogar so stark, dass er ein massives, hölzernes Bushäuschen umkippte. Wegen dieser Schäden sei in Schäferei hatte die Feuerwehr auch eine feste Anlaufstelle für Bewohner geschaffen, um nach und nach alle Schäden abzuarbeiten. Insgesamt waren 20 Wehren aus dem KBI-Bereich Waldmünchen eingesetzt gewesen, berichten die beiden Kommandanten Stefan Nachtmann und Michael Bierl gegen 18 Uhr, als sich die Lage im Raum Waldmünchen etwas beruhigt hatte. Dafür war zu dieser Zeit die Region Furth im Wald betroffen. Weil das Unwetter diese landkreisweiten Ausmaße angenommen hatte, war auch die Kreiseinsatzzentrale in Cham besetzt, um die Kräfte zu koordinieren.

Toni Lauerer: Hagelkörner größer als Hühnereier.

Der Further Kabarettist Toni Lauerer war Augenzeuge des verheerenden Hagels. Seine beide Autos wurden stark beschädigt. Ein Wagen hat keine Frontscheibe mehr. „Das war wie ein Bombenangriff“, sagte er am Abend zur Mittelbayerischen. Acht Minuten habe der Hagelsturm gedauert. Die Hagelkörner seien größer als Hühnereier gewesen. Bauern berichteten ihm, der Hagel habe die Ernte vernichtet. Besonders schlimm sei es in Dieberg gewesen. Dort wohnt auch der Further Bürgermeister Sandro Bauer.

Das Polizeipräsidium Regensburg meldete am Montagabend kurz vor 21 Uhr, dass im Stadtgebiet von Furth schwere Hagelschäden an Dächern, Fassaden und Fahrzeugen entstanden seien. Zahlreiche Fahrzeugenscheiben wurden durchschlagen. Personen kamen glücklicherweise nach Kenntnisstand vom Abend nicht zu Schaden. Eine genaue Schadensübersicht war aktuell nicht möglich. Bei der PI Furth im Wald war zeitweise zusammen mit der Stadt und der Feuerwehr eine kleine Koordinierungsgruppe gebildet worden.

Vereinzelt gab es auch in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf überflutete Straßen und geknickte Bäume.

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