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Gericht

Lange Haftstrafe für Messerstecher

Ein 52-jähriger Mann aus Cham wurde wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung seiner Ehefrau verurteilt.
Von Marion von Boeselager

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Foto: David Ebener/dpa
Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. Foto: David Ebener/dpa

Cham.Trotz der Unschuldsbeteuerungen eines 52-jährigen Arbeiters aus Cham waren die Regensburger Richter am Ende von seiner Schuld überzeugt: Für die Bedrohung und Vergewaltigung seiner Ehefrau (39) und einen Stich in ihre Brust verurteilte das Landgericht den eifersüchtigen Mann am Montag zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis. Die Bluttat geschah auf offener Straße vor der Chamer Polizeiinspektion.

Der Angeklagte hatte bis zuletzt versichert, die Vorwürfe seiner Frau seien „nur Theater“. Er liebe seine Frau. Der Messerstich sei aus Versehen passiert. Das Gericht folgte jedoch den „glaubwürdigen“ Angaben der 39-Jährigen. Das Opfer erlitt einen gefährlichen Pneumothorax und kam ins Krankenhaus.

Wie berichtet hatte sich das Paar – sie eine in Russland lebende studierte Psychologin, er ein Arbeiter mit kasachischer Staatsangehörigkeit – über das Internet kennen gelernt. Die junge Frau zog zu ihm nach Cham. 2011 fand die Hochzeit statt. Allerdings, so die Geschädigte, sei es zuletzt häufiger zu Streit gekommen, da der Ehemann stark dem Alkohol zusprach. Außerdem hatte sie von der Polizei erfahren, dass ihn eine Nachbarin wegen versuchter Vergewaltigung angezeigt hatte.

Mann bezichtigte sie der Untreue

Einmal habe er sie mit einem Messer verfolgt und habe ihr mit „Umbringen“ gedroht. Die Frau flog zu Verwandten in ihre Heimat. Doch als ihr Mann über WhatsApp sah, dass sie mit ihrem Onkel nackt in der Sauna saß, bezichtigte er sie der Untreue. Er drohte am Telefon, er werde ihr den Bauch aufschneiden und „den Darm um ein Messer wickeln“. Sie entschloss sich zur Scheidung.

Als ihr Mann sie alkoholisiert am Flughafen abholte, teilte sie ihm ihren Entschluss mit. Doch auf der Fahrt erklärte er ihr, er werde keine Scheidung zulassen: „Entweder du lebst mit mir, oder du landest auf dem Friedhof.“

Zurück in der Wohnung soll es dann zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Es gelang ihr, den Mann ins Bad einzuschließen. Mit einer Verwandten verabredete sie sich vor der Polizei. Dort kam es zu der Attacke des Mannes.

Mann weist Absicht von sich

Der wies jedoch eine böse Absicht weit von sich: Er habe mit dem Messer ein Streichholz zum Zahnstocher schnitzen wollen, sagte er zunächst vor Gericht. Er sei gestolpert, habe sich an seiner Frau festgehalten und sie dabei wohl verletzt. Später meinte er, er habe seine Frau beruhigen wollen, sie umarmt und dabei sei wohl das mit dem Messer passiert.

Diese Darstellungen seien „an den Haaren herbei gezogen“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Die Angaben der Ehefrau seien dagegen konstant und glaubwürdig gewesen. Sie forderte für den bisher nicht vorbestraften Angeklagten sechseinhalb Jahre Haft. Verteidigerin Irina Beer bezweifelte dagegen die Aussagen der Ehefrau in Hinblick auf die Vergewaltigung. Sie beantragte zwei Jahre mit Bewährung, lediglich für den Messerstich. Zugunsten des Ehemannes wertete die Kammer die angespannte emotionale Situation und seine alkoholbedingte Enthemmung, zu seinen Lasten jedoch das Fehlen von Einsicht und Reue.

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