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Bergung

Lastzug stürzt über B 20-Böschung ab

Der Lenker eines Lastzuges geriet auf das Bankett und schmierte samt schlafender Beifahrerin und 20 Tonnen Einweckgläsern ab.
Von Johannes Schiedermeier und Philipp Froschhammer

Kothmaissling.Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die Rettungskräfte an der Unfallstelle auf der B 20 bei Kothmaißling. Unfallzeugen nahmen zunächst offensichtlich das Schlimmste an. Sie meldeten bei der Polizei einen Lkw-Unfall mit zwei eingeklemmten Personen. Vor Ort trafen Rettungsdienst und Feuerwehr auf einen abgestürzten polnischen Lastzug, dessen Fahrer gegen 11 Uhr mit seinem Truck nach rechts über die tiefe Böschung der B 20 zwischen den Anschlussstellen Runding und Chammünster hinabgestürzt war. Kurz darauf schaffte es aber der Fahrer samt seiner Beifahrerin, die in der Schlafkoje gelegen hatte, aus eigener Kraft, das Führerhaus zu verlassen, das auf die Beifahrerseite gekippt war.

Dann eskalierte die Situation

Rund 100 Meter schlitterte der LKW an der Kante der Böschung entlang, bis er umkippte.
Rund 100 Meter schlitterte der LKW an der Kante der Böschung entlang, bis er umkippte.

„Die muss es aber ordentlich gebeutelt haben“, meinte Rettungsdienstleiter Mich Daiminger angesichts der Unfalllage. Er war mit Notarzt und zwei Fahrzeugen an den Unfallort geeilt. Er riet beiden Unfallopfern, die sichtlich unter Schock standen, sich untersuchen zu lassen, weil der Unfallhergang doch heftige Auswirkungen vermuten ließ. Beide verweigerten jedoch rundweg jede Untersuchung. So lautete zunächst die erste Diagnose: Keine sichtbaren Verletzungen.

Gegen 14 Uhr, als bereits die Bergungsfahrzeuge am Unfallort eingetroffen waren, eskalierte die Lage jedoch plötzlich. Der polnische Fahrer kollabierte und seine Beifahrerin klagte ebenfalls über Schmerzen. Der Zustand des Fahrers führte dazu, dass Rettungsdienstleiter Mich Daiminger einen Hubschrauber anforderte, der diesen in die Klinik nach Straubing flog. Er galt zu diesem Zeitpunkt als schwer verletzt. Eine Beifahrerin, die sich zum Zeitpunkt des Unfalles in der Schlafkoje befunden hatte, wurde mit mittelschweren Verletzungen in die Notaufnahme der Sana-Klinik in Cham eingeliefert.

Am Nachmittag eskalierte die Lage. Beide Unfallopfer, die sich zunächst nicht untersuchen lassen wollten, kollabierten. Der Fahrer wurde mit schweren Verletzungen vom Rettungsdienst versorgt und nach Straubing geflogen, die Beifahrerin mit mittelschweren Verletzungen ins Chamer Krankenhaus gebracht.
Am Nachmittag eskalierte die Lage. Beide Unfallopfer, die sich zunächst nicht untersuchen lassen wollten, kollabierten. Der Fahrer wurde mit schweren Verletzungen vom Rettungsdienst versorgt und nach Straubing geflogen, die Beifahrerin mit mittelschweren Verletzungen ins Chamer Krankenhaus gebracht.

Inzwischen hatte die Feuerwehr alle Hände voll zu tun. Die Wehren aus Kothmaißling, Chammünster, Runding, Cham, Weiding und Chameregg mussten zunächst den schnell anwachsenden Stau durch Ableitungen und Sperrungen an den B 20-Abzweigungen Runding und Chammünster bekämpfen. Allerdings saßen zu diesem Zeitpunkt bereits zahlreiche Lastwagen auf der ohnehin verengten Fahrbahn der dreispurigen Bundesstraßen-Baustelle fest. Erst als die Unfallstelle gesichert war, ließ die Polizei gegen Mittag den Verkehr zwischen den Anschlussstellen abfließen.

Als wesentlich problematischer erwies sich die Tatsache, dass beim Sturz über die Böschung einer der beiden Dieseltanks am Lastzug aufgerissen worden war und der Diesel in ein kleines Bächlein und in die angrenzende Wiese floss. Die Feuerwehr trennte den intakten Tank von dem aufgerissenen und pumpte den restlichen Diesel in Kanister ab. Die beiden Tanks fassen rund 1500 Liter Treibstoff. Gleichzeitig ließ Kreisbrandrat Mike Stahl vorsorglich eine Wasserversorgung aufbauen.

Die Einsatzkräfte

  • Das BRK:

    Rettungsdienstleiter Mich Daiminger war mit zwei Rettungstransportwagen und einem Notarzt vor Ort. Der Grund: in der Erstmeldung hatte es geheißen: Fahrer und Beifahrer eingeklemmt. Letztlich waren beide unverletzt und verweigerten eine genauere Untersuchung in der Sana-Klinik Cham. Sie wurden vor Ort untersucht.

  • Die Polizei:

    Die Polizei war mit einer Streife vor Ort, ermittelte und verantwortete die nötigen Sperrmaßnahmen.

  • Die Feuerwehr:

    Kreisbrandrat Mike Stahl hatte aufgrund der Erstmeldung ebenfalls starke Kräfte im Einsatz. Das erwies sich als notwendig. Die Feuerwehren aus Kotmaißling, Chammünster, Runding, Cham, Weiding und Chameregg hatten alle Hände voll zu tun. Sie leiteten den Verkehr ab, pumpten den Diesel aus den 1500 Liter-Tanks, sicherten ein verseuchtes Bächlein und übernehmen den vorsorglichen Brandschutz.

  • Die Straßenmeisterei:

    Die Straßenmeisterei sogre bis in die Nachtstunden für die komplette Absperrung der Unfallstrecke zwischen den Anschlussstellen Chammünster und Runding. Das war nötig, weil auf der verengten Baustellen-fahrbahn die ausgefahrenen Stützen der Bergungs-Kräne nicht passierbar waren.

  • Das THW:

    Das Technische Hilfswerk wurde beauftragt, den Graben auszubaggern, in den mehrere hundert Liter Treibstoff aus dem aufgerissenen Dieseltanks gelaufen waren. Das verseuchte Erdreich muss als Sondermüll entsorgt werden.

Erde als Sondermüll abgebaggert

Es stellte sich heraus, dass bereits mehrere hundert Liter Diesel in das Bächlein und die angrenzende Wiese gelaufen waren. Der Untergrund an der Unfallstelle war schlammig. Kreisbrandrat Mike Stahl bat die Untere Wasserschutzbehörde im Landratsamt um Fachpersonal, um den Umfang der notwendigen Maßnahmen festzustellen. Einstweilen sicherte die Feuerwehr den Bach durch große Vliese, die den Diesel aufnehmen sollten und stoppte den Abfluss.

Der Aufprall schlug ein Leck in die Dieseltanks des LKWs. Fotos: Schiedermeier
Der Aufprall schlug ein Leck in die Dieseltanks des LKWs. Fotos: Schiedermeier

Zwei Umweltingenieur aus dem Landratsamt ordneten an, dass die Erde am Unfallort abgebaggert und als Sondermüll entsorgt werden muss. Das brachte auch noch das THW zum Einsatz, das am frühen Nachmittag mit schwerem Gerät anrückte.

Die Spezialfirma Bauer aus Steinach fuhr gegen 14 Uhr schwere Kräne auf, um den Lastzug zu bergen. Allerdings mussten aus dem völlig zerstörten Aufleger vorher die 20 Tonnen Einweckgläser gehoben werden. Bereits zu diesem Zeitpunkt ging man in der Polizeiinspektion Cham davon aus, dass sich die Bergung bis in die späten Nachtstunden hinziehen würde. Der Lastzug musste zuerst auf die Räder gestellt und anschließend auf die Straße gehoben werden, wo er transportfähig gemacht werden sollte.

Knapp 10 Meter stürzte der LKW in die Tiefe.
Knapp 10 Meter stürzte der LKW in die Tiefe.

Bis dahin wurde die B 20 total gesperrt, weil ein Passieren der Kräne mit ausgefahrenen Stützen auf der verengten Fahrbahn nicht möglich gewesen wäre. Die Polizei schätzt den Totalschaden am Lastzug auf rund 60 000 Euro.

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