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Tanztheater

Liebe, Mut und fremde Welten

Zehn Gruppen entführten die Besucher in Chams neuer Stadthalle in eine anrührende Welt – mit einer Gratiskarte der Stadt.
Von Monika Kammermeier

Und auf einmal wird fast alles schwarz: Die Angst versucht, alles mit ihrem Gift zu infizieren. Foto: Benjamin Franz
Und auf einmal wird fast alles schwarz: Die Angst versucht, alles mit ihrem Gift zu infizieren. Foto: Benjamin Franz

Cham.Welch eine ungewöhnliche Geste an die Chamer Bürger! Die neue Stadthalle öffnete am Freitag ihre Türen zuallererst für sie, ließ sich von ihnen bestaunen und erleben. Möglich machte das ein Gratisticket für jeden, der sich in die Welt des Tanztheaters entführen lassen wollte. Das Tanzstudio „Tanztraum“ sei dafür von der Stadt zu einem „Probelauf“ gebeten worden, erläuterte Tanzschulleiterin Nicole Wanninger.

Das Bühnenbild kam mit dem Monitor, einem Holzkreuz im Vordergrund, einem Schaukelstuhl, einem Podest und einer weißen Tür aus. Einen Vorhang gab es noch keinen und auch keinen Bühnenausgang. Das tat dem großartigen Geschehen aber keinen Abbruch. Foto: Benjamin Franz
Das Bühnenbild kam mit dem Monitor, einem Holzkreuz im Vordergrund, einem Schaukelstuhl, einem Podest und einer weißen Tür aus. Einen Vorhang gab es noch keinen und auch keinen Bühnenausgang. Das tat dem großartigen Geschehen aber keinen Abbruch. Foto: Benjamin Franz

Die zweistündige getanzte GeschichteMUTopia ihres Studios fesselte das Publikum bis zum Schluss. Die Darsteller zeigten eine Geschichte über Liebe, Mut und fremde Welten. Ein Großteil von Wanningers über 100 Mitglieder zählenden Tanzfamilie war beteiligt. Zehn Tanzgruppen, davon zwei Kindergruppen, entführten in eine fantastische und anrührende Welt.

Und es war wunderbar! Der Zuschauer war fixiert auf die Bühne und immer gespannt, was jetzt kommen mag. Nicht nur der Szenenwechsel hatte ein gutes Tempo, auch das ganze Zusammenspiel passte hervorragend – von der Musik (Michael Jackson, Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, Hip Hop oder „The Rose“ von Bette Midler) über die Hauptdarsteller bis zu den Choreographien und Bildszenen auf dem großen Monitor im Hintergrund. Dazu kamen das einnehmende Bühnenbild und nicht zuletzt die fantastischen Kostüme der Schneidermeisterin und Kostümbildnerin Barbara Menacher.

Der Saal war fast voll

„Tanztraum“ präsentierte in der Stadthalle die dritte Show mit Choreographien aus den Bereichen Tanztheater, Modern und Jazz Dance sowie Hip Hop, Lyrical und Contemporary. Nur sechs Wochen hatten die Darsteller Zeit, sich auf diese Aufführung vorzubereiten. Foto: Benjamin Franz
„Tanztraum“ präsentierte in der Stadthalle die dritte Show mit Choreographien aus den Bereichen Tanztheater, Modern und Jazz Dance sowie Hip Hop, Lyrical und Contemporary. Nur sechs Wochen hatten die Darsteller Zeit, sich auf diese Aufführung vorzubereiten. Foto: Benjamin Franz

800 Menschen fasst der Saal und er war nahezu voll. Es gab keine Ansprachen, Nicole Wanninger begrüßte die Gäste – und schon ging es los. Die Geschichte erzählt von dem Kind Iná (Josefa), das früh die Mutter verloren hat, bei seinem Vater aufwächst und ihn über alles liebt. Die erwachsene Iná stellte Anna Salomon dar. Als der Vater (Rudi Zernecke) eines Tages im Wald arbeitet, scheint seine Lebenszeit abgelaufen. Die Zeit – eine Tanzgruppe mit übergroßen Uhren um die Taille – holt ihn und zieht ihn an einen Ort zwischen den Welten.

Inas Stofffuchs (Nicole Wanninger) erwacht zum Leben und zeigt ihr die Tür in die Welt MUTopia. Da beginnt ihr Abenteuer. Sie trifft auf Magisches, Wildes und Dunkles, taucht in eine zauberhafte Unterwasserwelt ein und erfährt die Zartheit fremder Lüfte. Auch in MUTopia herrscht der immerwährende Kampf: Ängste gegen Mut und Liebe. Die Angst versucht, alles mit ihrem schwarzen Gift zu infizieren. Sie raubt den Unschuldigen ihr Augenlicht, ihr Gehör und ihre Fähigkeit, sich zu bewegen.

Ein treuer Wegbegleiter

Zehn Gruppen tanzten auf der neuen Bühne in der Further Straße: das Wasser, die Schmetterlinge, die Angst, die Uniformierten, wilde Kids, die Uhren sowie bunte und weiße Feen. Dazu kamen am Freitagabend zwei Kindergruppen, die Blumenkinder und die Frösche. Foto: Benjamin Franz
Zehn Gruppen tanzten auf der neuen Bühne in der Further Straße: das Wasser, die Schmetterlinge, die Angst, die Uniformierten, wilde Kids, die Uhren sowie bunte und weiße Feen. Dazu kamen am Freitagabend zwei Kindergruppen, die Blumenkinder und die Frösche. Foto: Benjamin Franz

Nur Iná lässt sich mit ihrem treuen Wegbegleiter nicht von dieser Angst beherrschen. Die Zeit nur kämpft gegen sie und Iná will ihren Vater zurückgewinnen. Da opfert ihr treuer Fuchs seine Lebenszeit, und Iná geht mit ihrem Vater aus der Anderswelt in die Realität.

Ruhig begann die Geschichte mit dem Auftritt des Vaters und Inás. Eine Gruppe schwarz gekleideter Tänzerinnen mit schwarzen Regenschirmen folgte, dann Nebel und die „Zeit“ mit Nathalie Dankerl, eine Gruppe mit den umgehängten Uhren, der Stofffuchs lag im Arm Inás... Der Vater mit einem Rucksack sackte im Wald zusammen. Die weiße Tür zeigte die Schwelle in die Anderswelt.

Herzerwärmende Darbietung

Tanztraum, das Tanzstudio von Nicole Wanninger, präsentierte die erste Vorstellung in der Stadthalle mit dem Stück MUTopia. Die Hauptdarsteller waren Iná (Anna Salomon), der Vater (Rudi Zernecke), der Fuchs (Nicole Wanninger), die Zeit (Natalie Dankerl) und die Angst (Simone Apostolidis). Foto: Benjamin Franz
Tanztraum, das Tanzstudio von Nicole Wanninger, präsentierte die erste Vorstellung in der Stadthalle mit dem Stück MUTopia. Die Hauptdarsteller waren Iná (Anna Salomon), der Vater (Rudi Zernecke), der Fuchs (Nicole Wanninger), die Zeit (Natalie Dankerl) und die Angst (Simone Apostolidis). Foto: Benjamin Franz

Der Fuchs wurde lebendig und eines der Soli von Nicole Wanninger folgte. Dann tanzte Iná mit ihrem Fuchs. Weiße Elfen zeigten ihren vergnügten Auftritt, dann wirbelte eine Gruppe bunter Elfen über den Bühnenboden. Schon kamen die Blumenkinder ins Spiel und die Froschkinder, die in einem dritten Ablauf zusammen tanzten – eine herzerwärmende Darbietung. Eine Frauengruppe in blauen Seidenkostümen stellte das Element Wasser dar, und die Schmetterlinge mit ihren kunstvollen Seidenflügeln das Element der Lüfte.

Irgendwann kam die dunkle Seite ins Spiel mit Simone Apostolidis, die die Angst darstellte mit ihrer Gruppe; dazu die schwarz Uniformierten, die im Gleichschritt bedrohlich auf die Bühne marschierten. Nach der Pause traten alle Gruppen noch einmal auf, diesmal bereits „infiziert“ vom giftigen Schwarz. Die Rhythmen wurden heftiger, eine schwarze Braut tanzte auf dem Podest und eine in dunklen, erdigen Farben gekleidete Gruppe kam hinzu. Viele Figuren, Überschläge und Pirouetten zeigten die große Bandbreite des tänzerischen Könnens an diesem Abend.

Das Publikum applaudierte minutenlang – und freute sich bereits. Denn: Eine nächste „Tanztraum“- Show soll es im Januar oder Februar 2019 geben, wie es am Freitag hieß.

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