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Kunst

Liebenswertes Bild zurück in der Heimat

Miltach hat ein Gemälde mit einer früheren Ansicht der Gemeinde erworben. Schöpfer ist der Maler Ludwig Dieß aus Roding.
Von Erwin Vogl

Die Dorfansicht hat sich in 77 Jahren stark verändert. Foto: kvg
Die Dorfansicht hat sich in 77 Jahren stark verändert. Foto: kvg

Miltach.Vor vier Wochen hat die Gemeinde ein Gemälde mit der Ansicht des Dorfes erworben. Es ist aus dem Besitz der Nachkommen von Familie Dattler, die in Miltach am Perlbach eine Säge betrieben hatte. Bei dem ausführenden Künstler handelt es sich um Ludwig Dieß, dem die Stadt Roding für die Bebilderung der Stadtchronik die Ehrenbürgerrechte verliehen hat.

Sofort zugegriffen

Bürgermeister Johann Aumeier griff sofort zu. Er erwarb für die Gemeinde das Ölgemälde mit der Darstellung Miltachs (1940). Der Kaufpreis kann wirklich als sehr günstig bezeichnet werden. Die Vorbesitzerin wohnte zuletzt in Roding. Das etwa 60 mal 80 Zentimeter messende Werk in einem goldgefassten Rahmen, ist mit der Signatur von Ludwig Dieß versehen. Der stadtbekannte Künstler wurde 1896 geboren und erlernte in München das Malerhandwerk. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg bauten sie in Roding ein Malergeschäft auf und erweiterten es um die Dekorations- und Kirchenmalerei. Als Standort wählte der Maler eine Stelle mit der Flurbezeichnung „Hochweg“, jetzt eine Siedlung mit dem gleichen Namen. Vom äußersten linken Bildrand ist die „Maria-Hilf-Kapelle“ an der Kötztinger Straße zu erkennen. Weiter nach rechts die sogenannte „neue Schule“ (1907 gebaut), jetzt im Besitz von Leo Welter, weiter in Richtung Dorf das Anwesen Hosbach und die „alte Schule“ (1877 gebaut), jetzt Rathaus. In der Mitte steht, die Dachlandschaft beherrschend, die Kirche, dessen Zwiebelturm noch mit schwarzem Schiefer gedeckt ist. Bei den weiteren Häusern ist eine Übereinstimmung mit der Wirklichkeit kaum erkennbar. Interessant ist das kleine Haus schräg über der „neuen Schule“, das allein in der Wiese steht. Es war das „Wudihaus“, das bald nach 1940 verschwand. Das Grundstück wird noch jetzt die „Wudipoint“ genannt. Von ganz rechts beginnend steht das lange Brauereigebäude, dann das erhöht über dem blauen Regen stehende Schloss, Besitzer war Dr. Richard Oertel, und das weißleuchtende „Gendarmhaus“ an der Perlbachstraße. Auf der „Breiten“, das sind Wiesen und Felder im Bogen des Regens, steht allein eine Feldscheune mit Pultdach, das zum Anwesen Welter gehörte. Bei der Bahnhofstraße fehlt die zweite Reihe der Lindenbäume, die Straßenwärter Karl Lanzinger 1922 gepflanzt hat.

Maler aus Roding

  • Ludwig Dieß:

    Er lebte von 1896 bis 1981 und war ein begnadeter Maler.

  • Betriebsinhaber:

    Der „Wack“ führte einen Malerbetrieb und war als Rodings Hofmaler im Stil eines Romantikers bekannt.

  • Werke:

    Er bepinselte unter anderem Bildstöcke, Wegkapellen, Totenbretter, Schränke, Schützenschreiben und Faschingswägen.

  • Ehrenbürger:

    Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Roding wurde ihm 1978 zuteil. (bs)

Reise zurück ins Jahr 1940

Längst sind Scheune und Haus der Familie Miedaner sowie der alte Bahnhof, der Bahnwirt mit Austragshaus, von anderen Gebäuden umgeben. Das kleine weiße Gebäude ist das Fahrdienstleiter-Stellwerk, das zum Fahrplanwechsel am 30. Mai 1940 in Betrieb ging. Die Darstellung der Dampfzüge durch Dieß scheint nicht ganz realistisch zu sein. Obwohl es am Bahnhof regen Zugverkehr gab, kam es wohl in der Praxis eher selten vor, dass sich ein Zug aus Straubing Miltach näherte, ein zweiter hat Einfahrt aus Blaibach kommend, ein Dritter steht abfahrbereit in Höhe des Stellwerkes. Liebenswert ist die Darstellung der Personengruppe am linken Bildrand, die offenbar mit der Kartoffelernte beschäftigt sind, wie der Weidenkorb und der prall gefüllte Sack beweisen.

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