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Nachruf

Lindner-Bräu Heinz Kolbeck ist gestorben

Heinrich Kolbeck führte die Traditionsbrauerei in Bad Kötzting zu neuer Blüte. Sie wurde durch ihn ostbayernweit bekannt.
Von Alois Dachs

Am Zapfhahn war der Lieblingsplatz des Lindner-Bräu, der in jungen Jahren auch als Kreisrat, Stadt- und Pfarrgemeinderat für die Allgemeinheit aktiv war. Politisiert wurde immer an seinem Stammtisch, wo alle Fraktionen vertreten waren. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Am Zapfhahn war der Lieblingsplatz des Lindner-Bräu, der in jungen Jahren auch als Kreisrat, Stadt- und Pfarrgemeinderat für die Allgemeinheit aktiv war. Politisiert wurde immer an seinem Stammtisch, wo alle Fraktionen vertreten waren. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Bad Kötzting.Hunderte Stammgäste bangten mit der Familie seit Tagen um das Leben des Kötztinger Lindner-Bräu Heinrich Kolbeck, der seit Wochen das Bett hüten musste und nicht mehr an seinen geliebten Stammtisch zurückkehren konnte. Am Donnerstagmorgen erlöste Gott, dem er als gläubiger Katholik und Marienverehrer, als Vorbeter und Pfingstreiter über viele Jahre verbunden war, den „Lindner-Heinz“ – wie er im Volksmund weitum genannt wurde – im Alter von 67 Jahren von seinem schweren Leiden.

Ein Leben „links des Regens“

„Links des Regens“ war zeitlebens die Heimat von Heinrich Kolbeck, der in Kötzting geboren und gemeinsam mit seinem älteren Bruder Karl aufgewachsen war. Seine Eltern, Braumeister Heinrich Kolbeck und seine Frau Kreszenz, die beide aus der Gemeinde Hohenwarth stammten, hatten nach dem Krieg das Lindner-Anwesen mit Brauerei, Gastwirtschaft, Sägewerk und Wasserkraftnutzung erworben und zu einer beliebten Adresse für viele Urlauber und Einheimische ausgebaut.

Das Bierabfüllen brachte stets Stress für die Brauerei-Mitarbeiter. Das Verschließen der Bügelflaschen war für den „Bräu“ stets Chefsache, niemand konnte sein Tempo an der Abfüllanlage überbieten. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Das Bierabfüllen brachte stets Stress für die Brauerei-Mitarbeiter. Das Verschließen der Bügelflaschen war für den „Bräu“ stets Chefsache, niemand konnte sein Tempo an der Abfüllanlage überbieten. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Lindner-Bier wurde damals wie heute nur in einige Gastwirtschaften der Umgebung geliefert, der größte Teil des gebrauten Gerstensaftes kam in der eigenen Gaststätte zum Ausschank. Der Generationswechsel im Hause Kolbeck veränderte vor über 25 Jahren den Geschäftsbetrieb grundlegend. Nach seiner Heirat mit Inge Hirtreiter aus Haibach, die ebenfalls in der Gastronomie aufgewachsen und ausgebildet worden war, löste Heinrich Kolbeck einen Investitionsschub aus, der mit dem Umbau der ehemaligen Säge zu einer Bierhalle begann, mit dem Ausbau eines Bräustüberls, eines kleinen Saales im 1. Stock und der kompletten Umgestaltung von Küche, Gastzimmer und Nebenzimmer seine Fortsetzung fand. Sohn Heinz und Tochter Evi wurden geboren und sind nach entsprechender Ausbildung inzwischen beide im elterlichen Betrieb tätig.

Dem rasch ansteigenden Geschäft in den verschiedenen Gasträumen folgte als logische Konsequenz ein kontinuierlicher Ausbau der Brauerei mit modernen Kühlanlagen und Lagertanks. Der „Chostingator“, das legendäre Starkbier des Lindner-Bräu, sein „Kaitersberg-Gold“ als bekömmliches Festbier und schließlich das „Pfingstbraut-Pils“, das er im Jubiläumsjahr „600 Jahre Pfingstritt“ speziell braute, als seine Tochter Evi mit Bernd Huber das Pfingstbrautpaar bildete, festigten den guten Ruf des kleinen Brauhauses mit dem großen Bierausstoß.

Seine Musikalität stellte der Lindner-Heinz nicht nur als Sänger unter Beweis, sondern auch als Dirigent bei den Burschen- und Brautzügen. Hier sorgte er stets dafür, dass die Altburschen mit einer eigenen Musikkapelle am zweiten Festtag mitmachten. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Seine Musikalität stellte der Lindner-Heinz nicht nur als Sänger unter Beweis, sondern auch als Dirigent bei den Burschen- und Brautzügen. Hier sorgte er stets dafür, dass die Altburschen mit einer eigenen Musikkapelle am zweiten Festtag mitmachten. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Begünstigt wurde diese enorme Aufwärtsentwicklung durch das Internet und die sozialen Medien, die dazu beitrugen, dass der gute Ruf des Lindner-Bieres bald den ganzen Landstrich zwischen Regensburg und Passau erreichte und den „Lindner-Bräu“ zu einem Begriff machte. „Bad Kötzting kenn i net! Is des do, wo da Lindner-Bräu is?“, war oft zu hören, wenn Auswärtige mit dem Namen der Stadt konfrontiert wurden. Ein Herzstück des gesamten Geschäftsbetriebs ist der weitläufige Biergarten am ehemaligen Baumweiher, den Heinz und Inge Kolbeck durch kontinuierlichen Ausbau zu einem der schönsten Biergärten Ostbayerns entwickelten, der heute in einem Atemzug mit Weltenburg oder dem Regensburger Spitalgarten genannt wird.

Stadtentwicklung mit geprägt

Für 60-malige Teilnahme am Pfingstritt zeichnete Kaplan Florian Rein im Jahr 2017 Heinrich Kolbeck mit einem Ehrenband aus. Als Vorbeter war der Lindner-Bräu eine markante Figur im Pfingstritt. Fotos: Christa Rabl-Dachs
Für 60-malige Teilnahme am Pfingstritt zeichnete Kaplan Florian Rein im Jahr 2017 Heinrich Kolbeck mit einem Ehrenband aus. Als Vorbeter war der Lindner-Bräu eine markante Figur im Pfingstritt. Fotos: Christa Rabl-Dachs

„Heinz Kolbeck hat als Brauereibesitzer, Gastronom und engagierter Bürger die Entwicklung unserer Stadt wesentlich geprägt und mitgestaltet“, schreibt Bürgermeister Markus Hofmann in einer Würdigung seiner Lebensleistung. Der „Lindner-Bräu“ sei „ein gastronomisches Aushängeschild für unsere Stadt und weit über die Grenzen unserer Heimat hinaus ein Begriff“, so Hofmann. Als Stadtrat (1990 bis 1996) und als Kreisrat (1978 bis 1984) habe sich Heinz Kolbeck für seine Mitbürger engagiert. Mit seiner Pfingstbraut Evi Früchtl habe er 1974 als Pfingstbräutigam das Festgeschehen mit geprägt. „D’Hauptsach is da Ritt“, hieß die Maxime des begeisterten Pfingstreiters, der als Vorbeter und mit einer Gruppe seiner Noriker-Pferde viele Jahre in der Wallfahrt aktiv war. 2017 durfte er die verdiente Auszeichnung für 60-malige Teilnahme am Pfingstritt in Empfang nehmen.

An den Leinen seiner Noriker-Pferde war der Lindner-Bräu (li.) beim Kötztinger Rosstag jedes Jahr in seinem Element. Fotos: Christa Rabl-Dachs
An den Leinen seiner Noriker-Pferde war der Lindner-Bräu (li.) beim Kötztinger Rosstag jedes Jahr in seinem Element. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Den Kötztinger Rosstag hatte Heinz Kolbeck vor über 25 Jahren mit aus der Taufe gehoben. Ebenso wie den Kaltblut- und Haflingerzüchtern war er vielen Vereinen ein Freund und Förderer, so auch den Jägern, Fischern, den Feuerwehren Weißenregen, Bad Kötzting und Arndorf. Trotz seiner vielen Arbeit, auch in der Landwirtschaft und mit der Versorgung seiner bis zu 15 Noriker-Pferde, blieb Heinrich Kolbeck „mit Leib und Seele Wirt“. Er war ein guter Gastgeber, der gerne mit den zahlreichen Musikanten ein Lied anstimmte, die zu den Stammgästen seines Lokals gehörten. „Ach Himmel, es ist verspielt, ich kann nicht mehr lang leben“, hießen die ersten Zeilen des Andreas-Hofer-Liedes, das er früher gerne mit Freunden anstimmte.

Sein Leben aber ist nicht verspielt, der „Lindner-Bräu“ wird als eine herausragende Persönlichkeit, als Gastgeber im besten Sinne des Wortes in die Bad Kötztinger Geschichte eingehen. Pfüat di Gott, Heinz!

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