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Literarischer Ausflug auf den Goldsteig

Gudrun Müller liest in Waldmünchen aus ihren „Goldsteignovellen“. Die Gegend spielt auch in den Geschichten eine Rolle.
Von Ingrid Milutinovic

Die Goldsteignovellen von Gudrun Müller: Schon das Äußere macht Lust aufs Lesen. Foto: Ingrid Milutinovic
Die Goldsteignovellen von Gudrun Müller: Schon das Äußere macht Lust aufs Lesen. Foto: Ingrid Milutinovic

Waldmünchen.Schade – all denjenigen, die am Freitagabend nicht den Weg ins Mehrgenerationenhaus gefunden hatten, ist ein literarisches Schmankerl entgangen. Die Vorstellung von Gudrun Müllers „Goldsteignovellen“ stand im Programm der VHS. Wer jetzt meinte, es handele sich hierbei (wieder einmal) um eine Art von Reiseführer, hatte sich getäuscht. Und so wurde es eine kleine, interessante, fast schon familiär anmutende Veranstaltung.

Gudrun Müller ist durch und durch Oberpfälzerin. Zum Schreiben sei sie durch das Wandern gekommen, beschreibt sie die Anfänge. In drei Etappen – in drei Urlauben 2015, 2016 und 2017 – hat sie den Goldsteig erkundet. Die erste Strecke führte sie von ihrem Heimatort bis nach Bayerisch-Eisenstein, es folgte die Strecke von Bayerisch-Eisenstein nach Passau und dann auch noch die Route vom Druidenstein bei Kröblitz bei Neunburg vorm Wald nach Passau. Meist war sie dabei allein unterwegs, suchte sich – sie war stets ungefähr zwei Wochen unterwegs – für die Übernachtungen einfache Quartiere.

Alleine unterwegs

Gudrun Müller liest aus dem ersten Teil. Foto: Ingrid Milutinovic
Gudrun Müller liest aus dem ersten Teil. Foto: Ingrid Milutinovic

„Die Stille beim Wandern macht etwas mit einem“, sagt sie und beschreibt damit gleich, warum sie alleine unterwegs ist: die wunderschöne Landschaft genießen, Wanderer für unsere Gegend begeistern, Menschen animieren, die Landschaft mit neuen Augen zu sehen. Der Goldsteig ist schon fast ein Fieber, begeistert sie sich weiter. Wen es einmal gepackt hat, der kommt von ihm nicht mehr fort. Der Goldsteig ist wie eine Pilgerreise, meint sie. Man muss nicht den Jakobsweg gehen, um zu sich zu finden. Auch auf dem Goldsteig kann man sich inspirieren lassen.

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Dieses „Nichtdenken“ mache etwas mit einem. Zuerst sei das Wandern ein Abenteuer gewesen, ihre Erlebnisse habe sie in ein Wandertagebuch eingetragen. Der Spaß kam beim Schreiben, sie eignete sich das technische Handwerkszeug an und machte einen Probeentwurf, den sie einer Lektorin gab. Schnell entstand daraus der erste Teil der „Goldsteignovellen“: Maggies Goldschatz.

Aus diesem Band las Gudrun Müller am Freitagabend einige Geschichten und entführte die Zuhörer in „ihre“ Gedankenwelt. Maggie, Münchnerin und durchaus etwas eigenwillig, ist im Oberpfälzer Wald gestrandet. Etwas mystisch ist es, was ihr gleich im ersten Kapitel widerfährt. Winzige Sonnenstrahlen, die kaum den dichten Wald durchdringen, ein feuchter Waldboden und dann die Erinnerungen, wie sie in diese Situation geraten ist. Eine kleine Menschenkarawane, der Anführer mit Taschenlampe (ob es sich wohl um einen Schleuser mit Flüchtlingen handelt?), hatte sie fliehen lassen, erinnert Maggie sich dunkel.

Rund um das Buch

  • Die Autorin:

    Gudrun Müller ist Oberpfälzerin. Geboren 1962 in Neualbenreuth, wohnt sie jetzt in Tirschenreuth. Ihre Arbeitsstätte als Physiotherapeutin ist die Steinwaldklinik in Erbendorf. In drei Etappen hat sie während ihrer Urlaube den Goldsteig erwandert.

  • Ihre Bücher:

    Maggies Goldschatz, 2018, ISBN 978-3-944648-32-3; Marthas Goldregen, 2018, ISBN 9-783-944648-10-1; Johannes und Wildman, 2019, ISBN 9-783-944648-99-6. Die Bücher bilden die Goldsteignovellen und sind im Masou-Verlag erhältlich.

Ein Baumstumpf machte der Flucht ein Ende. Bei dieser Beschreibung kann man sich unschwer vorstellen, wie Gudrun Müller alleine durch den Wald wandert, die Landschaft (vielleicht befindet sie sich gerade in einem finsteren Wald) auf sich wirken lässt und die verschiedenen Geräusche Bilder vor ihrem inneren Auge entstehen lassen.

Tag für Tag erwandert Müller den Goldsteig, beschreibt Maggie ihre Erlebnisse. Auch in die Gegend um Waldmünchen kommt sie auf ihrem Weg. Eigentlich sollte nach diesem ersten Band auch wieder Schluss sein mit der Schriftstellerei. Schreiben bedeute nämlich auch, oft wie ein einsamer Wolf daheim zu sitzen. Aber es sei damals ein Wink des Schicksals gewesen, dass sie eine Interpretation des Märchens „Eisenhans“ gelesen habe. Ein Märchen, in dem die Erlebnisse eines Königs und seiner Jäger in einem finsteren Wald beschrieben werden.

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In den weiteren Bänden sind es Martha und Johannes, die den Goldsteig erwandern. Martha, die auf dem Bahnhof Bayerisch-Eisenstein auf ihren Geliebten wartet und ihn überraschen will, wird ihrerseits mit einer SMS von diesem überrascht, in der er kurz und bündig die Beziehung beendet. Wütend und frustriert erkundet sie „auf Schusters Rappen“ das Urwaldgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald und lässt dabei in vielen Episoden ihr bisheriges Leben Revue passieren.

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Der selbstständige Johannes, der sich so gemütlich im „Hotel Mama“ eingerichtet hat, kommt im dritten Band auf einer Motorradtour zu einem Druidenstein bei Kröblitz. Während der Rast trifft er einen geheimnisvollen, wild aussehenden Mann, der mit ihm auf dem Goldsteigwanderweg geht.

Erinnerungen an sein bisheriges Leben, seine oft missglückten Liebesaffären bestimmen die verschiedenen Kapitel. Stück für Stück erfährt er eine bisher nie gekannte Freiheit. Vielleicht ein Vorteil der kleinen Runde? Am Ende der Lesung ergab sich eine rege Diskussion, die zeigte, dass Gudrun Müller mit ihren Novellen auf jeden Fall die Leser zu bewegen wusste.

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