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Politik

Lob für die, die für die Heimat ackern

Albert Füracker wurde seinem Ruf als Stargast und Wahlkampfhelfer beim Aschermittwoch der CSU in Waldmünchen gerecht.
Von Petra Schoplocher

„Wir müssen endlich aufhören, unsere Produkte schlecht zu reden“: Staatsminister Albert Füracker hielt eine leidenschaftliche Rede beim politischen Aschermittwoch der CSU Waldmünchen. Foto: Schoplocher
„Wir müssen endlich aufhören, unsere Produkte schlecht zu reden“: Staatsminister Albert Füracker hielt eine leidenschaftliche Rede beim politischen Aschermittwoch der CSU Waldmünchen. Foto: Schoplocher

Waldmünchen.Samthandschuhe statt verbaler Keule, Lob statt Kritik und flammende Appelle statt bissiger Fastenpredigt: Von Angriffsmodus war beim Politischen Aschermittwoch der CSU Waldmünchen nahezu nichts zu spüren. Maßgeblichen Anteil daran hatte Festredner und Staatsminister Albert Füracker, der einen anderen Fokus setzte als auszuteilen. Er versuchte vielmehr, den rund 100 Zuhörern „Unbegreifnisse“ zu erklären, allen voran das, „warum wir es uns selber so schwer machen und alles schlecht reden“.

Für den bayerischen Minister für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat ist die Gleichung einfach: Die wirtschaftliche Entwicklung ist der wesentliche Faktor für Stabilität und den Sozialstaat. Und: „Wenn die Wirtschaft kaputt ist, kann sich auch niemand mehr Umweltschutz leisten“, mahnte der CSU-Politiker.

Vieles geht für ihn nicht zusammen. In Zeiten historisch-höchster Steuereinnahmen höre er aus Berlin fortwährend Vorschläge für Steuererhöhungen. „Lasst das Geld doch bei den Leuten“, rief er der Regierung zu.

Die Gebrüder Barnabas alias Jonas Dietl (links) und Benjamin Schlegl lasen dem ein oder anderen die Leviten, zeigten sich aber am Ende versöhnlich. Foto: Schoplocher
Die Gebrüder Barnabas alias Jonas Dietl (links) und Benjamin Schlegl lasen dem ein oder anderen die Leviten, zeigten sich aber am Ende versöhnlich. Foto: Schoplocher

Statt das Auto schlecht zu reden, sollte sich Deutschland auf seinen Innovationsgeist verlassen. „Als wir das Waldsterben hatten, haben wir den Katalysator erfunden und nicht das Autofahren eingestellt“, polterte er.

Unverständlich sei, wie mit Infrastrukturmaßnahmen umgegangen werde. „Wenn einer ein Loch gräbt, kommen zehn und schütten es zu.“ Dabei habe Wohlstand doch mit Infrastruktur zu tun. Im Übrigen auch als Folge der Digitalisierung: „Durch Glasfaserkabel gehen nämlich keine Packerl von Amazon“. An die Adresse der „Bremser“ richtete Füracker die Frage: „Ist denn der Landkreis total zubetoniert und die Natur zerstört?“

Die Gebrüder Barnabas

  • Premiere:

    Zum ersten Mal gönnte sich die CSU zwei Fastenprediger, Benjamin Schlegl und Jonas Dietl. Die beiden schrieben auch den Text.

  • Dezenz:

    Zwar stellten die Gebrüder in Aussicht, „so manchem zu nehmen seinen Heiligenschein“, allerdings hielten sie sich beim Austeilen zurück. Eher augenzwinkernd merkten sie an, dass die anwesenden Kandidaten der vier Listen doch „letztlich von der gleichen Partei“ kommen.

  • Gegenwind:

    Bei Franz Löffler sei ein Mikrofon so gut wie überflüssig, konstatierten sie, und schoben das auf dessen Körpervolumen. Dieses sei aber auch nötig, um den ein oder anderen Gegenwind aus Roding auszuhalten.

  • O′ zapft is′ :

    Albert Füracker war schon weg, als ihm Schlegl und Dietl in Reimform noch einmal einen missglückten Bieranstich im Hofbräuhaus aus dem Jahr 2018 vorhielten, sogar der Ministerpräsident sei nass geworden.

  • Luftnummer:

    Mit der Windkraft im Stadtgebiet sei das „so eine verzwickte Geschichte“.

  • Sorgenkinder:

    Die Wasserleitungen „zerreißt es wie am Bande, die Stadtwerke kommen schon gar nicht mehr zurande“. TV-und Festhalle „machen es nicht mehr lange“.

  • Wahlkampf:

    Die Streitereien, wer denn nun eine zündende Idee hatte, „verkommt schon fast zum Kommunal-Kabarett“. Im Netz herrschen nach Meinung der Prediger noch schlimmere Zustände, nämlich „wie im Krieg“

  • Appell: Die Bürger sollten bedenken, dass „alle am gleichen Strang ziehen und auch mal einlenken“, schlossen die Gebrüder Barnabas – nicht, ohne jedem zehn Vater Unser aufzuerlegen.

Er habe sicher keinen Hang, Schlechtes herbeizureden, dennoch sei er „tief besorgt“ über wirtschaftliche Rückwirkungen von Corona, Trump und Brexit. „Es darf keiner glauben, dass das an uns vorbeigehen wird.“ Während man aber gegen diese vermeintlichen „Naturgewalten“ schwerlich etwas tun könne, habe es jeder selbst in der Hand (und die Pflicht), sich so zu verhalten, dass deutsche Produkte gestärkt würden.

Füracker weiß, was er wählen würde

Mit einer Danktüte voller regionaler Produkten gratulierte CSU-Ortsvorsitzender Martin Frank dem Fastenprediger-Duo Jonas Dietl (links) und Benjamin Schlegl. Foto: Schoplocher
Mit einer Danktüte voller regionaler Produkten gratulierte CSU-Ortsvorsitzender Martin Frank dem Fastenprediger-Duo Jonas Dietl (links) und Benjamin Schlegl. Foto: Schoplocher

Dank des Ministers, den die Zuhörer für seine Rede mit Applaus überschütteten, wurde Markus Ackermann zum großen Gewinner des Abends. Erst ein ministerliches Lob für die „Musterkommune“ Waldmünchen , dann das Zeugnis für den Bürgermeister, der „das alles wunderbar hinbekommen hat“. Füracker sah sich auch als ein „Ackermann“, Ackermänner würden für ihre Heimat ackern. „Lassen Sie ihn weiterackern für Ihre wunderbare Heimatstadt Waldmünchen“, rief er ins Publikum.

Er jedenfalls wüsste, wo er am 15. März sein Kreuz machen würde, wenn er hier wählen dürfte. Auch zum amtierenden Landrat gebe es keine Alternative. Launig fügte er an, dass „der Hopp, der Löffler und ein gewisser Ackermann“ immer wieder in München vorstellig wurden: Realschule, Umgehungsstraße, Behördenverlagerung, bisweilen habe es schon geheißen, „Was kriegen die denn noch alles?“.

Nicht ohne (meine) Musik: Zünftig spielte der Blechscho′n wieder auf. Und das genauso oft, wie es die Veranstaltung gibt: zum 18. Mal. Foto: Schoplocher
Nicht ohne (meine) Musik: Zünftig spielte der Blechscho′n wieder auf. Und das genauso oft, wie es die Veranstaltung gibt: zum 18. Mal. Foto: Schoplocher

Markus Ackermann hatte korrespondierend zum Ehrengast in seiner Rede den Schwerpunkt auf die Finanzen gelegt. 6,5 Millionen Euro habe Waldmünchen seit 2013 vom Freistaat als Stabilisierungshilfe erhalten, hinzu kämen die Förderprogramme, die finanzschwache Kommunen damit einhergehend abgreifen könnten. „Ich sehe es als Pflicht und Kür eines Bürgermeisters, solche Möglichkeiten zu nutzen und so aus einem Euro viele zu machen“, betonte er. Die Stadt bekomme eine Million Euro für die Investitionen in die Wasserversorgung. Ackermann verwies auf den gleichzeitigen Schuldenabbau. Der Schuldenstand wird zum Jahresende 2020 unter zwei Millionen sinken.

„Themen werden hochstilisiert“

Ganz konnte und wollte er seine Mitbewerber um das Bürgermeisteramt nicht davonkommen lassen. Es irritiere ihn, dass diese mit ihm übereinstimmen, dass Waldmünchen deutlich besser dastehe als früher und zugleich „Themen und Inhalte als Konflikte und Kritikpunkte hochstilisieren, obwohl wir nicht anders handeln als andere Kommunen“. Die Herren scheinen sich als Opfer der sachlich und fachlich vorbereiteten Beschlussvorlagen zu sehen, ergänzte er schulterzuckend. „Aber Schwamm drüber“, lenkte er den Blick nach vorne. Als Zielmarken nannte er den Bürgersaal („den brauchen wir“) und das städtische Gründerzentrum.

Auch der Landrat kann Seitenhieb

Einen Seitenhieb in Richtung seiner Mitbewerber gönnte sich auch Landrat Franz Löffler. „Darf man etwa nicht sagen, dass es uns gut geht? Dass 1,9 Prozent Arbeitslose die Regel sind? Dass der Landkreis breiter aufgestellt ist als je zuvor?“, fragte er rhetorisch in die Runde.Es sei wichtiger, den Menschen Stabilität und Perspektiven aufzuzeigen als auf Erfolge hinzuweisen. Als Säulen für diese Stabilität machte er primär die Sicherung des Arbeitsplatzes sowie der Infrastruktur von morgen aus. Landrat zu sein, sei ein schöner Job, bekräftigte er, machte aber im gleichen Atemzug deutlich, dass „ich mir nichts mehr beweisen muss“.

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