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„Lobella“ tanzt aus der Reihe

Wisentkuh „Lobina“ hat im Bayerwald-Tierpark ein entzückendes Kalb zur Welt gebracht. Eine Herbstgeburt ist ungewöhnlich.
Von Maria Frisch

Die kleine „Lobella“ holt sich frische Muttermilch bei „Lobina“.  Foto: Maria Frisch
Die kleine „Lobella“ holt sich frische Muttermilch bei „Lobina“. Foto: Maria Frisch

Lohberg.Lohberg„Lobella“ überraschte alle. Das entzückende Wisentkalb kam am 8. November zur Welt und ist seither der Hingucker im Bayerwald-Tierpark. „Wir waren schon etwas erstaunt“, musste fachliche Leiterin Claudia Schuh schmunzelnd zugeben, denn eine Herbstgeburt ist außergewöhnlich. Umso mehr freut sie sich über das quirlige Mädchen, das gewiss ein Sympathieträger wird. Der Bayerwald-Tierpark ist auch in den Wintermonaten täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Mutter des kleinen Rackers ist Wisentkuh „Lobina“ und Vater der im Oktober 2015 aus dem Donaumoos nach Lohberg übergesiedelte „Donald“. Mittlerweile hat der Vertreter des größten europäischen Landsäugetiers bereits zum zweiten Male für Nachwuchs gesorgt. „Lobella“ hat nämlich einen großen Bruder namens „Lobold“, der 2017 geboren wurde. Das drei Wochen alte weibliche Wisentkalb springt bisweilen schon quietschvergnügt. Deshalb bemühte sich Claudia Schuh frühzeitig um eine Namensgebung und entschied sich für „Lobella“. „Natürlich fragen sich so manche Besucher, wo die merkwürdigen Namen herkommen.“ Die seltsamen „Taufen“ haben nicht etwa mit Schuhs blühenden Phantasie zu tun. Die Namen sind eine Abwandlung unter Berücksichtigung der drei zwingenden Anfangsbuchstaben des Geburtsortes.

Alle beginnen mit „Lob…“

So wie die in Lohberg geborenen Kälber alle mit der Wortsilbe „Lob“ beginnen, erhalten die Artgenossen im Donaumoos ein „Don“ vorneweg. Bulle „Donald“ aus der Zuchtlinie Lawland-Caucasian ist am 19. November 2013 geboren und zog 2015 nach Lohberg um. Auf der Suche nach einem Wisentbullen wurde fachliche Leiterin Claudia Schuh seinerzeit auf das von Dr. Johannes Riedl initiierte Projekt „Donaumoos“ aufmerksam. Dabei hatten die Verantwortlichen einen Versuch gestartet, die gewichtigen Kolosse als Landschaftspfleger in extensiver Grünlandhaltung einzusetzen.

Da Dr. Riedl auch Koordinator für das Zuchtbuch in Warschau ist und quasi alle Wisenthalter aus der Gegend den Kontakt zu ihm pflegen, fragte die Veterinärin vor vier Jahren an, ob er einen geeigneten Bullen für Lohbergs Wisentkühe hätte. Der Ansprechpartner verfügte tatsächlich über einen passenden Kandidaten. „Zuerst musste jedoch im Zuchtbuch in Polen abgeklärt werden, ob der Auserwählte genetisch zur Herde passt“, erläuterte Claudia Schuh die Formalitäten.

1923 begann auf Initiative des Frankfurter Zoos ein Erhaltungszuchtprogramm mit reinrassigen Gehege- und Zootieren. Jedes Exemplar mit Stammbaum wird in dem Weltwisentzuchtbuch, das in Warschau geführt wird, registriert. Der vom Donaumoos ausgewanderte Kraftprotz, der nicht aggressiv, sondern ausgesprochen cool auf die neue Umgebung in Lohberg reagierte, legte noch Etliches an Masse zu.

Mit der Wisenthaltung im Donaumoos wird eine Form der Grünlandnutzung erprobt. In einem ganzheitlichen Ansatz wird dabei geprüft, ob mit dem Wisent als Leittier eine nachhaltige Wertschöpfung unter geänderten Rahmenbedingungen möglich ist. Mit bis zu drei Metern Länge und knapp zwei Metern Schulterhöhe können die Pflanzenfresser fast eine Tonne schwer werden. Fachleute gehen davon aus, dass vor Jahrhunderten auch in Nordrhein-Westfalen Wisente lebten. Im 17. und 18. Jahrhundert starben sie in fast ganz Europa aus. Die letzten freilebenden Wisente wurden in den 1920er Jahren in Polen und im Kaukasus getötet.

Es gibt wieder freilebende Tiere

Erste Auswilderungsprogramme fanden in den 50er Jahren statt. Heute gibt es wieder freilebende Wisent-Populationen in Polen, Weißrussland, Litauen und der Ukraine. Für Auswilderungen ist man auf Nachzuchten in Zoos und Gehegen angewiesen.

Kann man sich vorstellen, dass die Hornträger irgendwann im Bayerischen Wald wieder unterwegs sind? Momentan sei das Überleben der Art jedenfalls keineswegs gesichert. „Davon geht man aus, wenn es 10 000 Individuen einer Spezies gibt. Also sind wir mit weltweit ungefähr 4500, von denen zwei Drittel in Freiheit in Polen oder Russland leben, noch weit entfernt“, so die zoologische Leiterin der Lohberger Gehegeanlagen. In Deutschland leben ungefähr 600 Stück in den verschiedenen Parks.

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