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Einblick

Locker vom Hocker zu mehr Lebensqualität

Seit rund einem Jahr bietet Birgit Daschner in Waldmünchen Reha-Sport an. In einer Stunde wird klar, welchen Wert dieser hat.

Fröhlich geht es zu in den Stunden von Birgit Daschner. Seit rund einem Jahr bietet die erfahrene Übungsleiterin (hinten, Mitte) Reha-Sport in Waldmünchen an. Der Bedarf scheint groß, denn die Resonanz ist riesig. Mittlerweile gibt es jeden Wochentag mindestens ein Angebot. Fotos: Schoplocher
Fröhlich geht es zu in den Stunden von Birgit Daschner. Seit rund einem Jahr bietet die erfahrene Übungsleiterin (hinten, Mitte) Reha-Sport in Waldmünchen an. Der Bedarf scheint groß, denn die Resonanz ist riesig. Mittlerweile gibt es jeden Wochentag mindestens ein Angebot. Fotos: Schoplocher

Waldmünchen.Nein, einmal einen Manta gefahren zu haben, ist keine Voraussetzung, um bei der „Hockergymnastik“ von Birgit Daschner einen Platz zu ergattern. Aber hilfreich, schließlich sollen die Frauen und Männer ihren Ellenbogen ganz lässig aus dem Seitenfenster hängen lassen. Weil da aber gar keines ist, müssen die Senioren ihren Arm aus eigener Kraft hochhalten - Krafttraining der ganz eigenen Art.

Gerne verpackt Birgit Daschner die Gymnastikaufgaben in solche Szenen. Das lockert einerseits unglaublich auf, andererseits hilft es, Bewegungsbilder zu erzeugen. Denn alle, die die Reha-Stunden der erfahrenen Übungsleiterin besuchen, haben - aus welchem Grund auch immer - ein Defizit.

Dieses zu verringern, dafür ist Reha-Sport da. „Die Resonanz ist riesig“, berichtet Daschner. Mitttlerweile hat sie jeden Tag mindestens ein Angebot. Teils im Wasser, was sehr gut angenommen wird, und sogar zur Abendstunde, die Berufstätigen vorbehalten ist.

Von wegen nur Alte

Denn die Rechnung, Reha-Sport braucht nur, wer alt ist, geht nicht auf. Der 35-Jährige, der einen Bandscheibenvorfall hatte, ist genauso ein Fall für Birgit Daschner wie der 50-Jährige mit längerer Krankheitsgeschichte oder die Schlaganfallpatientin Mitte 60.

Ihnen gemein ist, dass sie Beschwerden verringern und/oder sich zu alter Fitness zurückkämpfen wollen. „Normalos mit einem Problem“, so bezeichnet Birgit Daschner ihre Klienten liebevoll. Manche von ihnen sind so ehrgeizig, dass sie sich richtig plagen wollen, anerkennt sie.

Die Beweglichkeit zu erhöhen, ist eines der Ziele in den Stunden. Dehnübungen gehören dazu.
Die Beweglichkeit zu erhöhen, ist eines der Ziele in den Stunden. Dehnübungen gehören dazu.

Insofern kommt der Hockergymnastik-Gruppe in gewisser Weise eine besondere Rolle zu. Sie ist die einzige, in der das Hauptaugenmerk auf der Erhaltung der Fähigkeiten ruht. Was nicht heißen soll, dass es keine Verbesserungen gibt. Im Gegenteil: Die ersten Erfolgsgeschichten gibt es schon.

Der weit entfernte Salzstreuer

Etwa die einer Waldmünchnerin, der es über Jahre hinweg nicht mehr möglich war, den Arm weit genug zu heben, um den Salzstreuer aus dem obersten Regal zu holen.

Oder die einer anderen Frau, die vier Jahre lang keinen Schnürsenkel ohne Hilfe oder Hilfsmittel binden konnte. Daran ist schon abzulesen, worum es beim Reha-Sport auch geht: um nichts Geringeres als Lebensqualität.

Reha-Sport, bald auch für Kinder

  • Anfänge:

    Seit rund einem Jahr gibt es Reha-Sport in Waldmünchen. Vorher waren Cham und Rötz die nächsten Adressen. Mittlerweile hat Birgit Daschner zwischen 50 und 60 Teilnehmer und jede Woche fünf Kurse. In allen sind noch Plätze frei, weil die Gruppen gegebenenfalls geteilt werden.

  • Ziel:

    Wer die 50 Einheiten in eineinhalb Jahren, die die meisten Krankenkassen bezahlen, „durch“ hat, soll so fit sein, dass er in Präventionskurse wechseln kann. So zumindest das Ziel.

  • Neuheit:

    Im kommenden Jahr will Birgit Daschner Reha für Kinder anbieten - das gibt es im Landkreis noch nicht. Die Freude an der Bewegung zu vermitteln, soll dabei im Mittelpunkt stehen. Angesprochen sind Kinder, die aufgrund von Krankheit oder auch Übergewicht Nachholbedarf haben und die aus der Spirale „Das probiere ich erst gar nicht, weil ich ausgelacht werde“ herauskommen sollen.

  • Kontakt:

    Birgit Daschner gibt zu allen Kursen und für die Reha-Kids unter der Telefonnummer (0173) 5848876 zu erreichen.

Die Donnerstagsrunde ist aber noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes. Mag sein, dass sie den Teilnehmern Übungen beibringe. Aber: „Fürs Leben lern‘ ich mehr.“ Lebenserfahrungen („Man muss ja nicht alle Fehler selber machen“) ebenso wie praktische Tipps (früher hat man Karotten zum Einlagern eingegraben!) oder Anekdoten aus der Stadtgeschichte. „Das ist ein schönes Geben und Nehmen“, unterstreicht die engagierte Ehrenamtliche, die unter anderem Kreisvorsitzende der Bayerischen Sportjugend ist. Noch etwas ist ihr aufgefallen: In Sachen Disziplin ist gerade die Hockergruppe „ein Wahnsinn“.

„Bei den Koordinationsspielen muss ich schon auch mal über mich selbst lachen.“

Birgit Daschner, Reha-Trainerin

Locker vom Hocker sind die Übungen aber nicht. Vor allem die Koordinationsspiele haben es in sich. „Damit krieg‘ ich sie alle“, verrät die Kursleiterin, die gerne zugibt, da auch schon mal über sich selbst lachen zu müssen. „Das kann nämlich keiner.“ Diese und Gehirnjogging setzt sie gerne ein. Und nur sitzen müssen die Teilnehmer auch nicht. Die Stunde beginnt mit Bewegung. Dann allerdings fühlt Birgit Daschner erst einmal vor, wie es ihren Schützlingen so geht. Nicht jede Woche ist gleich, manchmal ist das Rheuma eben schlimmer...

Birgit Daschner hat ihre Schützlinge im Blick, hilft und verbessert.
Birgit Daschner hat ihre Schützlinge im Blick, hilft und verbessert.

Birgit Daschner weiß, wie sie ihre Schützlinge motiviert. Nur wer im Sitzen am gestreckten Bein entlang bis zum Schuh hinunterlangen kann, wird den Schokoladennikolaus erwischen, motiviert sie. Immer wieder verbessert oder hilft sie, „das Atmen nicht vergessen“ oder „Brust raus, die Damen“, „Haltung, meine Herren“ sind regelmäßige Ansagen.

Wie auch: Lächeln! Eine entspannte Gesichtsmuskulatur mache vieles leichter. Apropos Entspannung: Natürlich gibt es am Ende der Stunden einen „Ruheblock“ für maximales Wohlbefinden.

Regelmäßigkeit ist das A und O

Regelmäßiges Training sei das A und O für den Erfolg, betont sie und fügt hinzu, dass einmal keinmal ist - wenn auch besser als gar nicht. Die Fleißigsten kämen dreimal die Woche, 50 Einheiten werden von den Krankenkassen verschrieben, so dass das Training nichts kostet.

Was wiederum ein gewisser positiver Druck ist: Wer aufhört, wird wohl kaum einen erneuten Zyklus genehmigt bekommen.

Auch auf die Hände kommt es an. „Mit Koordinationsspielen krieg‘ ich sie alle“, sagt die erfahrene Kursleiterin und schmunzelt.
Auch auf die Hände kommt es an. „Mit Koordinationsspielen krieg‘ ich sie alle“, sagt die erfahrene Kursleiterin und schmunzelt.

Die Trainerin verweist noch auf einen weiteren positiven Effekt: Für einige ihrer Teilnehmer seien die Stunden Fixpunkte im ansonsten leeren Alltag, mit allen Herausforderungen: Pünktlich zu einer Uhrzeit X am Treffpunkt sein: gegessen, gepackt und „die Zeitung schon gelesen“.

Birgit Daschner glaubt, dass Menschen überhaupt erst jetzt das Angebot wahrnehmen, weil es am Ort ist. Die Benzinkosten nach Cham seien ein nicht zu unterschätzender Faktor - wenn diese Möglichkeit überhaupt bestanden hat.

Reha speziell für Kinder

Für das neue Jahr hat Daschner große Pläne: Sie möchte eine Gruppe „Reha-Kids“ gründen, weil sie überzeugt ist, dass Kinder in einer solchen Gruppe die Freude an Bewegung zurückgewinnen. Und damit jenes Selbstbewusstsein, das ihnen durch Nicht-Können oder gar Hänseleien abhanden gekommen ist.

„Das soll ganz bewusst keine Fitnessgruppe werden“, unterstreicht sie und informiert, dass auch dies die Krankenkassen übernehmen.

Tolles Beispiel

Was das Zurückgewinnen von Fähigkeiten auslöst, kann die Übungsleiterin passend zu „Reha-Kids“ an einem Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit festmachen. Ein relativ junger Mann aus einer ihrer Gruppen konnte sein ganzes Leben keinen Purzelbaum - bis jetzt. Den Gesichtsausdruck nach dieser Erfolgsrolle wird auch Birgit Daschner nie vergessen.

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