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Lüftung für besseres Kirchen-Klima

Restaurator Bruno Fromm informiert über die Renovierung von St. Walburga in Lohberg. Der Raum soll in neuem Glanz erstrahlen.
Maria Frisch

Restaurator Bruno Fromm bei seiner Bestandsaufnahme im Lohberger Sakralbau  Foto: Maria Frisch
Restaurator Bruno Fromm bei seiner Bestandsaufnahme im Lohberger Sakralbau Foto: Maria Frisch

Lohberg.Bruno Fromm aus Parsberg ist Restaurator und befasst sich derzeit mit der St.-Walburga-Kirche in Lohberg. Die Tätigkeit seines Berufsstandes widmet sich vor allem der Bestandserhaltung von Kunst- und Kulturgut. Diese Arbeit ist geprägt vom Respekt gegenüber dem Original und seiner Geschichte. Bei der angelaufenen Innenrenovierung müssen alle angewendeten Arbeitsweisen schonend, reversibel, und nachvollziehbar sein.

Bei einem Gespräch gab der Fachmann einen Einblick in sein Tätigkeitsfeld. „Ich habe die gesamte Maßnahme vorbereitet, also den Zustand von Kirchenwänden, -decken, -altären, -figuren und so weiter erfasst“, erläuterte er die Bestandsaufnahme. Es gab einigen Diskussionsbedarf: „Im Raum stand bei den Beratungen, eventuell etwas mehr Farbe hereinzubringen“, schildert der Parsberger. „Solche Ansätze waren, bei den Seitenaltären wieder jenes Bild nach dem überlieferten Original aufzutragen, das den Kirchenbrand 1959 nicht überlebt hat“, so Fromm. Diese Idee wurde aber wieder fallengelassen. „Stattdessen verständigten wir uns darauf, den Kirchenraum eigentlich wieder genauso herzurichten, wie er in den letzten Jahrzehnten war“, informiert der Restaurator über das Ergebnis.

Bauwerk des Historismus

Das Kirchenbauwerk sei dem Historismus zuzuordnen. Insofern fand es Bruno Fromm bemerkenswert, dass eine gewisse Einheit des früheren Ensembles trotz eines Brandes vor nunmehr 60 Jahren noch vorhanden ist, wenn auch einiges verlorenging. Beim Kreuz, Hochaltar und den Seitenaltären sei dies an der Formensprache erkennbar. „Der Himmel über dem Presbyterium erhält keinen neuen Anstrich, sondern wird „nur“ gereinigt“, kündigte der Restaurator an. An den Wänden reiche eine solche Vorgehensweise schon allein wegen der vielen Veränderungen nicht aus. „Es werden zahlreiche Elektrokabel verlegt“, informiert der Fachmann.

Diese sind nicht nur der Beleuchtung, sondern auch der automatischen Steuerung der Lüftung geschuldet. Außerdem erfordert der durch die Feuchtigkeit schadhafte Sockelputz eine Erneuerung. Augenfällig sind zahlreiche dunkle Flecken, die die Natursteine verursacht haben. Eine Stelle an der Wand wurde geöffnet, weil die Verantwortlichen überlegten, ob man diese Feldsteine eventuell ausbauen sollte. „Dies stünde in keinem Verhältnis zum Aufwand“, lautete die einhellige Meinung. Sie bleiben also im Mauerwerk. Zu hoffen sei, dass aufgrund der Klimaregelung per Lüftung eine deutliche Besserung eintritt.

„Das Lüften wird aus dem Bauch heraus meistens falsch gemacht“, begründete Fromm, warum man es keinem Mesner oder Helfer in der Pfarrei zumuten möchte. Mittlerweile sei es Standard, dies einer eingebauten Elektrik zu überlassen. Aufgrund der besagten Eingriffe durch Elektro- und Verputzarbeiten, ist ein kompletter Anstrich der Wände unabdingbar, wobei dieselbe Farbverteilung angewandt wird. Die Apostelkreuze malen die Fachleute anschließend auf. Die Ausstattung, von den Altären bis zu den Kreuzwegstationen, bearbeitet man restauratorisch, also ausschließlich mit der Beseitigung der Schäden und umfangreicher Reinigung. Der Hoch- und die Seitenaltäre bleiben dabei auf der Baustelle und sind daher mit Hüllen geschützt worden. Auch jene Bodenfliesen, die Schäden aufweisen, will man auswechseln.

Glocken kamen aus Regensburg

Seit knapp 137 Jahren ist die Pfarrkirche „Sankt Walburga“ untrennbar mit dem Leben der Ortschaft verbunden. Pfarrer Sonnleitner von Lam und die Kirchenverwaltung Lohberg fassten im Jahr 1873 den Beschluss zur Erbauung einer neuen Kirche in Lohberg. Bei den vielen Verhandlungen über den Bauplatz wurde lange keine Einigung erzielt. Schließlich gab das gewichtige Wort von Alois Kellermeier den Ausschlag, dass man die Kirche bei der Schule lassen sollte. Alois Kellermeier war ein energischer, weit gereister, erfahrener und wohlhabender Mann, der in der Gemeinde großes Ansehen genoss. Er stellte der Kirchengemeinde den Bauplatz unentgeltlich zur Verfügung. 1878 leiteten die Verantwortlichen die Vorbereitungen für den Neubau ein. Das Bauholz holte man aus dem Zackerwald. Als Baumeister fungierte Maurermeister Wanderer aus Furth im Wald. Die Zimmererarbeiten führte Zimmerermeister Wolfgang Kopp aus Ebensäge durch. Alois Kellermeier und Martin Vogl nahmen sich des Baues besonders an. Am 12. August 1879 wurde das von Georg Schwarz geschaffene Turmkreuz mit der Krone und dem Wetterhahn aufgesetzt.

Am 16. September 1879 trafen die vier Glocken aus Regensburg ein. Die Sponsoren Martin und Therese Vogl haben beim Guss Gold in die Glockenspeise geworfen. Im August 1881 wurde die Ausmalung der Kirche durch Kunstmaler Götz aus Regensburg beendet. Den Hochaltar stellte Gürtler Götz aus Regensburg her. Den Marienaltar mit den zwölf Leuchtern stifteten Anna Brandl, Lohberg und Xaver Brandl aus Zackermühle, den Josefialtar die Bauerseheleute Georg und Monika sowie Johann und Maria Seidl aus Schneiderberg. Die Orgel baute Edenhofer in Regen. Martin Vogl von Eben war der größte Wohltäter der neuen Kirche, der allein knapp 25 000 Mark investierte. Das Bauwerk wurde nur aus Mitteln der Kirchengemeinde Lohberg finanziert - ohne auswärtige Hilfe.

Am 14. Juli 1883, also vor nunmehr knapp 137 Jahren, vollzog Hochwürden Bischof Ignatius von Senestrey aus Regensburg die Weihe des Schmuckkästleins, wie er es nannte, zu Ehren der hl. Walburga. Paten waren Michael und Philomena Graßl aus Sommerau. Der Bischof spendete tags darauf die hl. Firmung für Kinder und mehrere Erwachsene. Bis Dezember 1890 blieb der Neubau Filialkirche der Pfarrei Lam.

Durch den Beschluss der Kirchenverwaltung vom 25. Februar 1883 wurde das alte Walburgiskirchlein Alois Kellermeier für 400 Mark überlassen und seine Inneneinrichtung um einen Bagatellpreis versteigert. Pfarrer Beck schreibt hierzu: „Sie muss sehr schön gewesen sein, sie stammte aus der Rokokozeit und war in Weiß mit Glanzgold gehalten“. Bierbrauer Alois Kellermeier ließ im Kirchenraum eine Miete für Futterrüben graben. Dabei stieß man auf menschliche Knochenreste, die in der Gruftkapelle im neuen Friedhof beigesetzt sind. 1912 wurde das Kirchlein zu einer Gaststätte mit Unterkellerung umgebaut und unter Denkmalschutz gestellt.

1884 baute Kellermeier auf eigene Kosten das Expositurhaus. Bis ein Expositus einzog, verwendete Kellermeier das Haus zum Übernachten für Fremde. Erst am 1. Januar 1891 wurde die Expositur Lohberg mit etwa 1200 Seelen errichtet und von Lam abgetrennt. Lohberg bekam endlich einen Seelsorger.

Am 24. Februar 1922 beschloss die Kirchenverwaltung Lohberg die Errichtung der Pfarrei. Den Beschluss unterstützte Pfarrer Holzner aus Lam gerne. Am 1. Juli 1922 ist Lohberg zur Pfarrei erhoben worden. In der Nacht zum 10. Januar 1959 fiel die Pfarrkirche den Flammen zum Opfer. Am 21. November 1959 erlebte die Pfarrgemeinde die feierliche Benediktion ihrer wiedererrichteten Kirche und die Glockenweihe durch Hochwürden Josef Dietl. (kfl)

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