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Lustig, ärgerlich, tierisch, peinlich

Für Rosi Rackl war 2013 ein Jahr mit den vielfältigsten Erlebnissen, Erfahrungen und Empfindungen bei Presseterminen in und um Cham.
Von Rosi Rackl

Rosi Rackl wünscht: „Auf ein neues Jahr 2014 mit ganz vielen positiven Adjektiven“.Foto: Benjamin Franz

Traitsching.„Ach nein, ich nicht“, ist mein erster Impuls, als mich unser Redaktionsleiter Frank Betthausen am Telefon darum bittet, für die Leser mein letztes Jahr Revue passieren zu lassen. Doch noch während ein immer leiser werdendes Stimmchen „nein, nein, nein“ vor sich hin brummelt, merkte ich, dass meine Gedanken bereits zu rattern begonnen haben. „Beeindruckend“ kommt mir als erstes in den Sinn zum letzten Jahr, und lustig, ärgerlich, tierisch, imponierend, peinlich, wundervoll, und …Stopp! Mit lauter Adjektiven kann man keinen Bericht verfassen. So wird das nix! Also noch mal von vorne. Nicht Monate, sondern Erlebnisse, Erfahrungen und Empfindungen bei einigen meiner Pressetermine sollen mich durch das Jahr 2013 führen.

Sehen, wo „Teenies“ abhängen

Spontan fällt mir die Kneipentour durch Cham ein. Mann, die war gut. Vor allem auch, weil ich da „berufsbedingt“ wirklich in alle Kneipen reinschnuppern konnte. Das „Easy“ oder „Bombay“ gehört ja normalerweise nicht (mehr) zu den Lokalitäten, wo ich mich rumtreibe. Umso interessanter war es zu sehen, wo unsere Teenies heutzutage „abhängen“. Aber auch ohne Kneipentour waren die Termine nie langweilig. Als im vergangenen Winter rund 70 Teenager, nur mit Unterhosen bekleidet, das Kaufhaus Frey stürmten, da hab ich Tränen gelacht – und gleichzeitig Panik geschoben: „O Gott, wie sollst du DARAUS nur einen seriösen Bericht machen?“ Schwer imponiert haben mir die Eltern von Kindern mit Down-Syndrom. Am Ende empfand ich nur noch Respekt: für den Mut, den Einsatz und die lebensbejahende Haltung, die diese Eltern an den Tag legen. Trotz aller Sorgen und Schwierigkeiten machen sie mit ihren Kindern tatsächlich unsere Welt „ein wenig bunter“.

Fernweh mit dem Gangerl

Apropos Welt. Auf Weltreise zu gehen mit dem Wolfgang Clemens, alias „Gangerl“, war auch eine feine Sache. In der Südsee rumlümmeln, Tiger am Hals kraulen, in der Mongolei wilde Pferde bändigen – da kam schon Fernweh auf, bei all der Abenteuerlust, die dieser Mann mit seinen 72 Jahren immer noch an den Tag legt. Obwohl, man braucht ja gar nicht unbedingt auf Weltreise zu gehen, um wilde Tiere zu sehen. Haben wir doch Zuhause auch, die Familie Stahl etwa, die einen kleinen Fuchs aufgepäppelt hat. Vorher hatte ich Füchse, wenn überhaupt, nur in der Ferne vorbeihuschen sehen. Und dann steht da plötzlich einer direkt vor meiner Nase, in der Küche (!), und schleicht der Tochter des Hauses um die Beine. Das war tierisch, im wahrsten Sinne des Wortes. Richtig beeindruckend fand ich die Typisierungs-Aktion der Schüler des Fraunhofer Gymnasiums. Nur allzu gerne neigen wir Älteren dazu, alles besser wissen zu wollen und zu können. Diese Jugendlichen haben mich mit ihrem bemerkenswerten Engagement definitiv eines Besseren belehrt.

Oh Gott, wie peinlich! Das hat auch nicht gefehlt im letzten Jahr. Da hab ich doch unseren Herrn Politikern beim Geburtstagsabend des ASV in den Mund gelegt, sie würden Wirtshäuser finanziell fördern und unterstützen. Tun sie natürlich nicht! Sportstätten hätte es heißen müssen, Gaststätten hab ich geschrieben. Wo ist das nächste Mauseloch, um mich zu verkriechen? Gibt es nicht, da muss man durch, da muss man dazu stehen und – da muss man sich entschuldigen. Die Gelegenheit dazu kommt mir jetzt gerade recht. Es tut mir leid und ich entschuldige mich in aller Form bei den Herren Vetter und Löffler und auch beim ASV Cham für meinen Fehler. Und schreibe weiter. Auch wenn’s manchmal ärgerlich sein kann. Etwa, wenn jemand für sich selbst ausschließlich Schönschreiberei im Bayerwald-Echo lesen will, aber „bitte ja keine kritishen Fragen stellen“. Da platzt einem schon mal der Kragen. Genau an solchen Eckpunkten kommt das Adjektiv „wundervoll“ zum Einsatz. Und Wunder sind es tatsächlich, die dann die Familie, treue Freunde und eine gute Redaktion vollbringen. Die zuhören, verstehen und Rückhalt geben. Und dann geht’s wieder.

Ich bin keine Schreibmaschine

Letztlich war es auch im vergangenen Jahr meine größte Herausforderung, neutral zu berichten. Persönliche Vorlieben und eigene Überzeugungen müssen außen vor bleiben. Wie aber die Distanz wahren, wenn etwa ein Zeitzeuge vom Holocaust erzählt oder schon wieder ein Funkturm aufgestellt werden soll? Ich gestehe, bei manchen Themen habe ich das „Neutrale“ nicht ganz geschafft, das „Menschliche“ war einfach stärker. Aber auch wenn es unprofessionell ist, dieses „Menschliche“, so möchte ich es ganz bewusst ein Stück weit beibehalten. Ebenso wenig, wie ich eine „Schreibmaschine“ bin, sind die Leute, die ich bei den unterschiedlichsten Terminen kennenlernen darf, Marionetten. Es sind Menschen mit individuellen Interessen, Aussagen oder Anliegen und es ist mir eine Ehre, darüber zu berichten.

All das schießt mir im Zeitraffer durch den Kopf, während mein Chef immer noch in der Leitung hängt. Nur langsam dringt es zu mir durch, eigentlich will er eine Rückschau auf mein „privates Jahr 2013“ hören. Tja, zu spät. Privat war das jetzt nicht – persönlich aber schon. Sei’s drum, 2013 ist vorbei. Auf ein neues Jahr 2014 mit ganz vielen „positiven Adjektiven“. Das wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und uns allen von ganzem Herzen.

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