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Ereignis

Mahnende Worte beim Chamer Jahresempfang

In der Stadthalle herrschte am Mittwochabend besondere Stimmung. Der Chamer Kampl war dieses Mal grün angehaucht.
Von Petra Schoplocher

Herzliche Begegnungen schon bei der Begrüßung: Karin Bucher freute sich über viele gute Wünsche. Von Ernestine Raum-Streck und Anna Meier bekam die scheidende Bürgermeisterin sogar Blumen. Foto: Schoplocher
Herzliche Begegnungen schon bei der Begrüßung: Karin Bucher freute sich über viele gute Wünsche. Von Ernestine Raum-Streck und Anna Meier bekam die scheidende Bürgermeisterin sogar Blumen. Foto: Schoplocher

Cham.Es ist ein wahrlich würdevoller letzter Neujahrsempfang für die Chamer Bürgermeisterin Karin Bucher gewesen: Rund 400 Gäste mit einem kleinen Graf Luckner (alias Nepomuk Salzberger) an der Spitze sorgten am Mittwoch für espritvolle Stimmung in der Stadthalle. Deren Ambiente, bewegende Ehrungen, gehaltvolle Reden, sanfte und rockige Musik sowie angeregte Gespräche taten ein Übriges für einen wunderbaren Abend.

Entsprechend gut gelaunt empfing die Rathauschefin an der Seite von Co-Gastgeber Oberst Björn Schulz die geladenen Vertreter aus Politik, Verbänden, Organisationen, der Geistlichkeit aus Stadt und Land, Vertreter der US Army und Christine Blättler-Müller aus der Schweizer Partnerstadt sorgten für internationales Flair.

Die Chamer Tugenden

Mit der Einladung an verdiente Bürger – einige nannte sie namentlich – wollte Karin Bucher die Wertschätzung denen gegenüber ausdrücken, die exemplarisch für das stünden, was die Stadt ausmache: Fleiß, Pfiffigkeit, Verantwortungsgefühl, Mut, Gewissen, Verlässlichkeit, Beharrlichkeit...

Bedauerlicherweise gebe es immer mehr Menschen, die alles schlecht redeten und „regelrecht geil“ seien auf negative Nachrichten, bedauerte sie. Sie gab ihnen den Titel „Obergrantler“, dem man nichts recht machen konnte. Beispiel Klimawandel und Artensterben: Das wird beklagt, aber ein Tempolimit auf Autobahnen abgelehnt. Lokales Beispiel Stadthalle: Erst herbeigesehnt, jetzt „wunderschön und funktional“ dastehend – und dann werde gemeckert, weil die Winterjacke abgegeben werden müsse, „welch ein Skandal!“ Und dann die Miete von 400 Euro für Schulen und Vereine für einen ganzen Tag, „das soll zu teuer sein?“ Wohl nur, weil das neueste Smartphone oder die McDonalds-Besuche noch drin sein müssen. Oder es wird eine Firma an den Pranger gestellt, die sich sichtlich bemüht, nachbarschaftliche Interessen zu berücksichtigen“.

Sind Sie es wirklich? Karin Bucher machte sich und den Gästen mit dem kleinen Grafen ein Geschenk. Foto: Schoplocher
Sind Sie es wirklich? Karin Bucher machte sich und den Gästen mit dem kleinen Grafen ein Geschenk. Foto: Schoplocher

All das zeige, „dass etwas schief läuft in unserem Land“. Ihr Lösungsvorschlag: Wenn ein Missstand benannt werde, müsse es möglich sein, ihn anzugehen, ohne sofort von allen Seiten angegriffen zu werden. „Wir müssen wieder lernen, konstruktiv miteinander zu diskutieren und Macher werden statt Obergrantler zu sein“, sagte sie.

Abschließend stellte sie fest, dass die Stadt Cham positiv in die Zukunft sehen könne. Die Leistungsfähigkeit sei ablesbar erstmals über 17 000 Einwohner. Trotz des rund 25 Millionen teuren Stadthallenneubaus und diverser anderer größerer Investitionen und finanzieller Leistungen sei es gelungen, den Schuldenstand zum Jahresende auf knapp acht Millionen Euro zu senken. „Darauf können wir stolz sein.“

Rede

In Cham ankommen ist leicht gemacht

Oberst Björn Schulz verteilte beim Neujahrsempfang der Stadt Cham großes Lob, sprach aber auch ernste Themen an.

Dies sei eine Gemeinschaftsleistung vieler, betonte sie und wünschte, dass auch der künftige Stadtrat genau dieses Gemeinwohl im Auge haben möge. Sie schloss mit einem Appell: „Keine halben Sachen!“

Die frischgebackenen Kampl-Preisträger mit (von links) Karin Bucher: Martina Matzke, Peter Zach als erster Nicht-Chamer und Jutta Vogl Foto: Schpolocher
Die frischgebackenen Kampl-Preisträger mit (von links) Karin Bucher: Martina Matzke, Peter Zach als erster Nicht-Chamer und Jutta Vogl Foto: Schpolocher

Nach diesen Worten hatte es der Kommandeur der Panzerbrigade 12 Oberpfalz, Oberst Björn Schulz, nicht so leicht. Er bedankte sich für die aufrüttelnde Rede und sprang Karin Bucher bei: „Das muss angepackt werden.“ Genau das, was der einzelne Bürger tue, sei das Entscheidende für die Gesellschaft.

2019 sei für die Brigade das Jahr des Ankommens gewesen, was dank der Bevölkerung leicht gewesen sei. „Die Integration hier ist einzigartig, unvergleichlich und beispielgebend“, schwärmte er. Er dankte von Herzen für die tiefe Verbundenheit und Freundschaft. „Die Stadt und wir, wir gehören zusammen.“

Vom Glanz des Abends fiel viel auf die zahlreichen Geehrten, allen voran die drei frischgebackenen Preisträger des Chamer Kampls, Jutta Vogl, Martina Matzke und Peter Zach, die für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement geehrt wurden. Bucher freute sich, dass es heuer zwei Preisträgerinnen gebe, „alles andere als Quotenfrauen“.

Eine Auswahl der schönsten Bilder des Abends sehen Sie hier:

Neujahrsempfang Cham, Teil 2

Große Verdienste um die Natur

Jutta Vogl ist als „Storchenmutter“ weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt, leistet aber weit mehr als das, wie Karin Bucher in ihrer Laudatio betonte. Seit 1984 betreut die Michelsdorferin den Horst und kartiert und katalogisiert in den Regentalauen Wiesenbrüter. Gekümmert hat sie sich in all den Jahren um unzählige verletzte Tiere, strich Bucher heraus.

Besondere Gäste

  • Verwaltung:

    Wie im Vorjahr, als der Empfang das erste Mal in der neuen Stadthalle stattfand, hatte Karin Bucher städtische Mitarbeiter eingeladen, um ihre Wertschätzung auszudrücken.

  • Respekt:

    Als „Chamer Institution“ bezeichnete die Bürgermeisterin Ernestine Raum-Streck und Anna Meier, die – obwohl schon im Rentenalter – „die Gärtnerei im Rathaus“ am Leben halten.

Untrennbar mit den Regentalauen ist der Name Peter Zach verbunden. Der Konzeller war maßgeblich an der Entstehung des größten Naturschutzgebietes der Oberpfalz beteiligt, das im neuen Brutvogelatlas neben dem Ammersee als der artenreichste Vogellebensraum Bayerns geführt wird, ordnete die Bürgermeisterin Zachs Verdienste ein. Dieser setze sich seit 1973 nicht nur für die Belange des Naturschutzes ein, sondern sei „immer da, wenn Informationen oder seine Unterstützung gebraucht werden“.

Martina Matzke sei in Windischbergerdorf „eine der wesentlichen Säulen des Gemeinschaftslebens und engagiert sich, ohne viel zu fragen“, sagte Bürgermeisterin Bucher über die dritte zu Ehrende. Die Kothmaißlingerin ist Lektorin und Vorbeterin in der Kirchengemeinde, im Vorstand des Sportvereins aktiv und zeige ihren uneingeschränkten und beispielgebenden Arbeitseinsatz als Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, lobte Karin Bucher, die Matzke bescheinigte, die Dorfgemeinschaft zu prägen. Sie sei aber auch Ansprechpartnerin für Menschen, die Hilfe brauchen – und das ohne Aufhebens darum zu machen. Auch sie erhielt die Ehrennadel der Stadt für verdiente Bürger, wie der Chamer Kampl beschrieben ist.

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