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Maschinenring spürt Folgen der Trockenheit

Im Extrem-Sommer half der Verein mit einer Futterbörse. Düngeverordnung, Baurecht und Volksbegehren halten Landwirte in Atem.
Von Jakob Moro

Maschinenring-Chef Franz Roider (l.) und Geschäftsführer Johann Stibich übergaben an Andrea Löffler als Vertreterin der Aktion „Bürger helfen Bürgern“ einen 500 Euro-Scheck.  Foto: Jakob Moro
Maschinenring-Chef Franz Roider (l.) und Geschäftsführer Johann Stibich übergaben an Andrea Löffler als Vertreterin der Aktion „Bürger helfen Bürgern“ einen 500 Euro-Scheck. Foto: Jakob Moro

Roding.Der Maschinen- und Betriebshilfsring Cham hatte am Donnerstag zur Jahresversammlung in Rodings Stadthalle eingeladen. Diese war voll besetzt, als Vorsitzender Franz Roider neben der Vorstandschaft und den Mitarbeitern namentlich u. a. Landrat Franz Löffler mit Ehefrau Andrea und Landwirtschaftsdirektor Heribert Semmler ebenso willkommen hieß wie Vertreter des Bauernverbandes und der Waldbesitzervereinigung, Ehrenvorsitzenden Karl Steinkirchner und Vertreter der Maschinenringe benachbarter Landkreise.

„Das Thema ‚Volksbegehren – Artenvielfalt‘ lässt niemanden kalt“, sagte Roider vor den über 200 Landwirten. „In Zeiten, in denen 98 Prozent der Bevölkerung wissen, wie Landwirtschaft funktioniert und zwei Prozent Landwirte sind, habe ich auch Wünsche. Ich wünsche mir die gerodeten Waldflächen von Altenkreith und die Wohnbaugebiete im Süden Rodings zurück. Ich wünsche mir mein Regental mit Weiden und Erlen wie vor 30 Jahren zurück. Ich wünsche mir den Brachvogel zurück.“ Roider sprach die Probleme der Fischweiherbesitzer mit Fischotter und Mink ebenso an wie den Wolf. „Dass der Wolf kommt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte er.

Landwirte haben es schwer

Geschäftsführer Johann Stibich stellte fest: „Den Landwirten weht derzeit ein rauer Wind entgegen.“ In der breiten Bevölkerung werde der Landwirt nicht mehr als das gesehen, was er eigentlich ist, als Ernährer unserer Gesellschaft. „Ein weiterer Punkt, der uns betrifft, ist die Regulierungswut unserer Beamten, Angestellten in den Ministerien, den Regierungen und den Behörden vor Ort“, so Stibich. Als Beispiel nannte er die Reform der Düngeverordnung und die Auflagen im Baurecht. Stibich wörtlich: „Im Baubereich werden uns Landwirten Hürden in den Weg gestellt, die kaum zu umschiffen und auch nicht mehr zu finanzieren sind. Wenn wir die Anforderungen an Güllegruben und Siloanlagen ansehen, dann kann einem ganz schnell ein Vergleich mit Atomkraftwerken in den Kopf kommen.“ Auf das extrem trockene Jahr 2018 eingehend berichtete der Geschäftsführer: „Viele Betriebe wussten zum Ende der letzten Erntesaison nicht, wie sie ihren Viehbestand über den Winter bekommen sollen.“ Der Maschinenring sei im August mit einer Futterbörse gestartet. „Wir merkten schnell, dass dies nicht ausreichte, und suchten Futterquellen außerhalb des Landkreises“, so Stibich. „120 Vermittlungsanforderungen bedienten wir und halfen mit Grundfutter weiter. Außerhalb des Landkreises wurden 2000 Tonnen Grassilage geordert.“

Stibich dankte den Betriebshelferinnen und -helfern, die wegen Krankheit oder Unfällen bei Landwirten aushelfen. 15 Ersatzkräfte und zwei Damen sind hier angestellt. Durch hauptamtliche Betriebshelfer wurden 2018 gut 7000 Einsatzstunden geleistet. Das vom Landrat ausgegebene Ziel von 50 Hektar Silphieanbau 2019 im Landkreis Cham sei fast geschafft, teilte Stibich mit. Ein benötigtes Wegepflegegerät mit einem Gräder wurde vom Maschinenring angeschafft.

Betriebsberaterin Julia Albrecht, Expertin in Sachen Düngeverordnung, informierte zu diesem Thema, zu dem Roider sagte: „Wir Landwirte werden das nicht lösen können.“

Stibich blickte auf das Vereinsjahr 2018 zurück. Der Maschinenring zählte 2552 Mitglieder, davon 1571 landwirtschaftliche Betriebe und 981 Fördermitglieder. Die Mitgliedsbetriebe bewirtschafteten eine Fläche von 43 501 Hektar. Trotzdem konnten wieder 453 Abrufscheine abgesetzt werden. 22 872 Belegposten wurden abgerechnet. Fast zehn Millionen Euro wurden erzielt. Der leichte Rückgang gegenüber 2017 sei zurückzuführen auf das extrem trockene Jahr, bei dem fast der gesamte Mais gehäckselt und zu Futter verarbeitet wurde und die Mähdrescharbeiten zurückgingen. Die Betriebs- und Haushaltshilfe im Zuge der sozialen Betriebshilfe (inklusive Bauhelfer, Urlaubsvertretungen und Unterstützung im Wald) spiegelt sich mit 1 142 000 Euro im Geschäftsbericht wider.

Für die Tochterfirma Landfrisch Fleischmarkt GmbH informierte Geschäftsführer Manfred Daiminger, dass diese derzeit 24 Mitarbeiter hat. Das Fleisch werde von regionalen Schlachtbetrieben bezogen und in der hauseigenen Metzgerei zerlegt, verarbeitet und veredelt.

Die Maschinenring Ostbayern GmbH bietet gewerbliche Dienstleistungen für Kommunen, Firmen und verstärkt auch bei Privatpersonen an. Gemeinsam mit den Maschinenringen Jura, Regensburg und Schwandorf wurde von dieser GmbH ein Nettoumsatz von fast fünf Millionen Euro erzielt. 430 Subunternehmer (vorwiegend Landwirte) erledigten Aufträge.

Aufträge werden spezieller

Die Aufträge würden immer umfangreicher und spezieller, für die das entsprechende Personal benötigt würde, berichtete Johann Stibich. Derzeit seien 51 Beschäftigte in einem Arbeitsverhältnis bei dieser GmbH, die einer Vollzeitbeschäftigung mit 40 Stunden je Woche, einer Teilzeitbeschäftigung mit unterschiedlichen Arbeitszeiten oder einer gering- und kurzfristigen Beschäftigung nachgehen. Der Geschäftsführer beklagte in diesem Zusammenhang, es passiere immer wieder, „dass sich Auftragnehmer über unsere Firma Aufträge besorgen und diese dann im Folgejahr schon selbst abwickeln“. Der Leitsatz der Personalvermittlung sei, dass ein Vollzeitbeschäftigter mit seinem Verdienst alleine eine Familie ernähren können muss.

Der Maschinenring Cham ist am Biomasseheizwerk in Rötz mit 33 Prozent beteiligt. Dieses versorgt laut Stibich 21 Objekte mit Fernwärme. 1533 Megawatt Wärme wurden geliefert.

Landrat Franz Löffler ging auf die Landwirtschaft als Wirtschaftsschwerpunkt im Landkreis ein, der einen hohen Stellenwert habe. Er dankte den Landwirten für ihr Engagement und bot ihnen seine Partnerschaft an.

Bevor der Humorist Jackl Auerer mit seinem Luggi unterhielt, übergaben Roider und Stibich einen überdimensionalen Scheck über 500 Euro an Andrea Löffler als Vertreterin der Aktion „Bürger helfen Bürgern“ mit den Worten: „Wir wollen heute auch an die denken, denen es nicht so gut geht.“

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